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Nur „regional“ bedeutsam – Airport-Chef hält dennoch am Ausbau fest

Lediglich „regional“ bedeutsam ist der Airport Dortmund, aufs Land NRW bezogen eher irrelevant. Diese Einstufung im neuen Landesentwicklungsplan (LEP) wurmt die Flughafen-Geschäftsführung mächtig. Dennoch und trotz aktueller Verluste hält Airport-Chef Udo Mager an einem weiteren Ausbau fest. Das betonte er in einem Interview mit dem Online-Fachmagazin „aerotelegraph“.

Demnach werde langfristig der Ausbau der Start- und Landebahn auf 2.300 Meter angestrebt. Zunächst aber müsse der Airport als überregional bedeutsam anerkannt werden.

Fertigt Dortmund doch mehr Pasagiere ab als der als „landesbedeutsam“ geadelte Konkurrenz-Airport Münster/Osnabrück (ca. 800.000 Passagiere im vorigen Jahr). Im Kampf gegen diese „Ungleichbehandlung“ will der drittgrößte Flughafen nach Düsseldorf und Köln-Bonn nun nichtsdestotrotz in diesem Jahr den 9. Anlauf nehmen, die magische Marke von 2 Mio. Fluggästen zu überspringen. Bisher ist das regelmäßig misslungen.

2016 flogen 1,9 Mio. Passagiere ab Dortmund. Obwohl eine neue Entgeltordnung gilt und die Flieger so preiswert in Dortmund starten können wie seit Jahren nicht, erinnert der WDR und nennt die auf Osteuropa spezialisierte Wizz Air, die z.B. nur noch 1,50 Euro pro Start und Passagier zahle. Am Flughafen Paderborn wäre das Dreifache fällig. Auch die Gebühren für Billigflieger (wie Eurowings) sind in Dortmund sehr niedrig.

Doch die ständigen Terroranschläge und der Putschversuch haben dem Airport 2016 das Türkeigeschäft verhagelt (wir berichteten mehrmals).  Und anders als Konkurrenzflughäften kann Dortmund den rapiden Rückgang der Passagierzahlen nicht durch Flüge in andere sonnige Urlaubsregionen ausgleichen.

SPD

Die Unnaer SPD-Fraktion begrüßt die nur regionale Bedeutsamkeit des Airports im neuen LEP. Mit einem geharnischten Protestschreiben machte sie vor Weihnachten die Flughafen-Geschäftsführung auf  Gesetzesmängel aufmerksam. Die Genossen verdeutlichen damit „die kritische und gleichzeitig bürgerfreundliche Haltung der SPD-Fraktion bei diesem Thema“.

Das Schreiben im Wortlaut:

  • Die SPD-Fraktion der Kreisstadt Unna begrüsst den neuen Landesentwicklungsplan (LEP), der dem Dortmunder Flughafen „nur“ eine „regionale Bedeutung“ zuweist. Damit erhält der Flughafen aus unserer Sicht einen Status, der Erweiterungspläne aller Art deutlich erschweren wird. Wir nehmen die Verabschiedung des LEP zum Anlass, klar zu machen, wie problematisch sich Betrieb und Erweiterungspläne für die Bürger der Kreisstadt Unna darstellen.Grundsätzlich gehört ein Flugplatz nicht in die stark besiedelte Randzone einer Großstadt. Die jahrzehntelang gegen den Willen der lärmgeplagten Einwohner der Kreisstadt betriebene „Salamitaktik“ zum Ausbau des Flugverkehrs muss aus unserer Sicht ein Ende finden. Der heutige Status ist mehr als ausreichend. Entsprechend werden wir über die Kreisstadt gegen alle weiteren Ausbaupläne politisch und juristisch vorgehen.Der Gesetzgeber hat es leider bis heute nicht geschafft, eine einheitliche, umfassende rechtliche Grundlage für Ausbau und Betrieb von Flughäfen zu schaffen. Die Betriebsgenehmigungen werden bis heute über ein veraltetes Fluglärmgesetz geregelt, mit dem weder Schadensersatzansprüche von Grundeigentümern noch Mitbestimmungsrechte der betroffenen Gemeinden geregelt werden. Ist Ihnen eigentlich klar, dass Unnaer Grundeigentümer durch den Fluglärm eine dauerhafte Wertminderung in Höhe von etwa 500 Millionen Euro hinnehmen müssen, weil – aus unserer Sicht – verfassungswidrig der Schutz des Eigentums bis heute im Fluglärmrecht nicht umgesetzt wurde?Ist Ihnen auch klar, dass das EU-Umgebungslärmrecht in seinen Zielsetzungen, nämlich die Bürger vor Lärm zu schützen, inzwischen als weitgehend gescheitert gilt, weil für Genehmigungsverfahren für Flughäfen wie Dortmund nationale und somit veraltete Rechtsgrundlagen herangezogen werden? Das Instrument der „Lärmaktionsplanung“ hat sich als völlig untauglich erwiesen, europäisches Umweltrecht bis in die Gemeinden hinein umzusetzen.“

 

Seit mittlerweile acht Jahren versucht der Dortmunder Flughafen, die Marke von zwei Millionen Passagieren zu überspringen.

Kommentare (3)

  • Helmut Brune

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    Wenn man einen Betrieb, (so sehe ich auch den Flughafen) nicht mit erwirtschafteten Mitteln Rentabel machen kann und jährlich Zuschüsse in Millionenhöhe von Land oder Bund benötigt, wird irgendwann das Existenzrecht in Frage gestellt werden. Da kann der Betreiber utopische Ausbaupläne haben, wenn er die finanziell aber nicht umsetzen kann, wird es irgendwann aufhören.

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  • Jörg Bauer

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    Die SPD Dortmund ist für den Ausbau. Mal schauen, wer stärker ist…..

    Auf jeden Fall ist Bebauung in der Einflugschneise Wahnsinn.

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  • Luenne

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    Die Entscheider sollten in die Einflugschneise ziehen und mit ihren Gehalt/ Pension für die Verluste haften. Mal gucken wie schnell der Flughafen dann zu gemacht werden würde …

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