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NS-naher Dichter als umstrittener Straßenpate

Darf eine Straße in Unna den Namen eines NS-nahen Dichters tragen? Ratsfrau Ingrid Kroll will in ihrer Eigenschaft als Ortsvorsteherin von Unna-Oberstadt den Stadtarchivar Thomas Wardenga damit beauftragen, die Hintergründe zum „Fall Heinrich Lersch“ zu recherchieren.

Lersch war ein Dichter, gestorben 1936, der drei Jahre vor seinem Tod das „Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ für Adolf Hitler unterzeichnete. Er schrieb dem Diktator Lobreden und engagierte sich in der Hitlerjugend, schon zu NS-Zeiten wurde er öffentlich geehrt. Seit 1956 heißt eine Straße im „Dichterviertel“ südlich der B 1 wie er: Heinrich-Lersch-Straße.

Wieso der Ortsvorsteher seinerzeit 1956 ausgerechnet einen NS-nahen Dichter als „Straßenpaten“ vorschlug, soll der Stadtarchivar nun im Einvernehmen mit Bürgermeister Kolter durch Sichtung der Akten klären. Ingrid Kroll hält Heinrich Lersch nicht nur wegen seiner Nähe zum Nationalsozialismus für einen fragwürdigen Namensgeber: Der Dichter sei obendrein schriftstellerisch ziemlich bedeutungslos und passe deshalb kaum in die illustre Gesellschaft von Dichtergrößen wie Goethe oder Eichendorff, die den Nachbarstraßen im „Dichterviertel“ ihre Namen leihen. Lässt man den Vornamen Heinrich hingegen weg und nennt die Straße lediglich „Lersch-Straße“, könnte das noch größere Missverständnisse heraufbeschwören – denn dann könnte der Namensgeber ebenso gut Emil Lersch sein. Und dieser war – ein umstrittenener NS-Richter. (sia)

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