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"Niemand will zum jetzigen Zeitpunkt die Eishalle schließen"

„Niemand hat zum jetzigen Zeitpunkt die Absicht, die Eissporthalle zu schließen!“ Die nachdrückliche Versicherung von Unnas Kämmerer Karl-Gustav Mölle und Politiker aller Fraktionen am frühen Donnerstagabend im Ratssaal stieß auf lauten Beifall und zustimmende Pfiffe von den Zuschauerrängen.

Derart überrannt hat man den Haupt- und Finanzausschuss schon einige Male erlebt – immer dann, wenn Unnas Eissportler aufmarschierten.

Angesichts des geballten Protestaufmarschs im Ratssaal hätte man glauben können, der Eissporthalle solle hier und heute im Hauptausschuss das letzte Stündlein schlagen. Mitnichten, unterstrichen der Kämmerer und zuvor Bürgermeister Werner Kolter vor dieser geballten Demonstration des Unnaer Bürgerwillens. Vor allem Jugendliche besetzten die Zuschauerreihen, viele hielten während der gesamten Sitzungszeit Plakate hoch: „Wir brauchen unsere Eissporthalle“, „Wo sollen wir Jugendlichen sonst hin?“ oder „Der Eissport in Unna darf nicht sterben“.

Das wird er nicht und soll er nicht, versicherte der Kämmerer übereinstimmend mit sämtlichen Fraktionen – zumindest nicht bis zum 31. Januar 2020. Bis dahin behält der Vertrag Gültigkeit, die die Wirtschaftsbetriebe Unna (WBU) – als Besitzerin der Halle – mit der Ice & Fun-GmbH als Pächterin geschlossen haben. Zugleich ließ Mölle in aller Deutlichkeit aber auch keinen Zweifel daran, wieviel Millionen sich die Stadt (bzw. ihr Tochterbetrieb WBU) den Eissport seit Eröffnung der Halle am 16. Dezember 1977 bereits hat kosten lassen – und dass ihr der Eissport auch weiterhin lieb und teuer bleiben wird, sofern es der Rat denn wünscht. Denn dieser trifft als oberstes Gremium die Entscheidungen. Auch zur Zukunft der Eissporthalle.

Momentan hat er noch nichts zu entscheiden, und die Erleichterung darüber war den Politikern im Hauptauschuss anzumerken. „Momentan ermitteln wir den tatsächlichen Sanierungsbedarf“, erklärte Unnas oberster Kassenwart seinen ungewöhnlich zahlreichen -und vor allem ungewohnt jungen – Zuhörern. Fakt ist: Seit ihrer Eröffnung Ende 1977 sind in der Eishalle für 2,1 Millionen Euro Sanierungen nötig geworden. Fast die Hälfte davon entfiel auf technische Einrichtungen, 770 000 Euro auf die Baukonstruktion.

Dazu summieren sich die laufenden Kosten, mit denen die Stadt den Betrieb der Eishalle unterstützt. Das waren in der kurzen Zeitspanne seit 2011 rund 741 000 Euro, machte Mölle deutlich: In drei Jahren hat der Eissport also eine Dreiviertel Million Euro gekostet. 382 000 Euro stehen in diesem Jahr an. Und mit 1,3 Millionen Euro rechnen Stadt und WBU zusammen in den Jahren 2015 bis 2020. Der Kämmmerer listete diese Zahlen bewusst so ausführlich auf: „Ich möchte hier heute die Gelegenheit nutzen, vor so großer Öffentlichkeit klar zu machen, wie viel uns der Eissport kostet.“ Und natürlich wisse die Stadt um den hohen Freizeitwert der Halle gerade für Kinder und Jugendliche.

„Aber lassen Sie uns einmal weiterdenken: Was ist denn dann, wenn tatsächlich Millionen auf uns zukommen? Verkaufen wir die Halle an einen privaten Investor, mit der Auflage, sie weiter zu betreiben?“ (Diesen Investor müsste man auch erst einmal auftreiben.) „Auch der Abriss“, betonte Mölle klar und deutlich, „gehört dann als Überlegung dazu.“ Klar und deutlich brachte aber auch Heike Palme von den Piraten die Meinung aller auf den Punkt: „Kein Mensch redet zum derzeitigen Zeitpunkt von Schließung. Wir wissen doch überhaupt noch nichts. Wir warten jetzt erst einmal die Bestandsaufnahme ab. Erst dann sollten wir weiterdiskuiteren.“ Und diese Diskussion, fügte Bürgermeister Werner Kolter hinzu, werde dann auf jedem Fall in breiter Öffentlichkeit und so transparent wie möglich geführt.

 

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