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Nicht für 100 000 € neue Ratssaalstühle, sondern für 11 000 € die alten aufmöbeln: Geht doch

Nicht für 100 000 Euro neue Ratssaalstühle kaufen – sondern für ein Zehntel der Summe die vorhandenen aufmöbeln. 89 000 Euro gespart. Geht doch.

Die geplante Ausgabe von 100 000 Euro für neue Bestuhlung im Ratssaal sorgte bei den Haushaltsplanberatungen im vorigen Herbst für Empörung: Nicht nur bei unseren Lesern, die mit triefendem Sarkasmus orthopädiche Sitzkissen und Sitzbälle vorschlugen, sondern auch bei der Ratsfraktion der Grünen. Sie kritisierte die vorgesehen Ausgabe als maßlos und schlichtweg nicht in die Zeit passend.

Man kam überein, die Verwaltung mal prüfen zu lassen, ob nicht erst einmal die vorhandenen Stühle – zu viel weniger Geld – buchstäblich aufgemöbelt werden könnten. Das können sie und so wird´s geschehen. Gestern Abend im Haupt- und Finanzausschuss beschlossen. Dort stand die leidliche Stuhlfrage wieder auf der Tagesordnung. Ein Wiedergänger. Nicht der einzige der Sitzung, aber dazu in späteren Berichten.

Jedenfalls wird das 25 Jahre alte Sitzmobiliar jetzt erst mal wieder ordentlich in Schuss gebracht und der Kauf neuer Stühle auf unbestimmte Zeit verschoben. Einer Stadt in der Haushaltssicherung steht das auch bedeutend passender zu Gesicht, kamen die Fraktionen gestern überein.

In ihrer Sitzungsvorlage schreibt die Stadt zum Stuhlthema:

„Bei der derzeitigen Bestuhlung des Ratssaals handelt es sich um die Erstausstattung des im Jahre 1988 erbauten Rathauses. Die Sitzmöbel sind somit älter als 25 Jahre und bis auf einige Ausnahmen im unveränderten Zustand.
Mittlerweile weist der überwiegende Teil der Konferenzstühle erhebliche Gebrauchsspuren auf. So ist der schwarze Lederbezug insbesondere an der Oberkante der Lehne abgegriffen. Außerdem ist das Holzgestell im Bereich der Armauflagen zum Teil beschädigt, während an den Standfüßen der Abrieb von Schuhen deutlich erkennbar ist. Bei einigen Exemplaren ist zudem der Bezug unterhalb der Sitzfläche gerissen, so dass die Einlage (Schaumstoff) in Form von kleinen Stückchen herausfällt und ein Teil des Bezuges als Stofffetzen herunterhängt.“

Stuhl im Ratssaal

Mit anderen Worten: Das sieht alles irgendwie verlottert und nicht wirklich vorzeigbar aus.

Neue Stühle für alle Rathaus-Sitzungsräume waren pro Stück mit 500 Euro kalkuliert. Die Aufarbeitung kostet lediglich 180 Euro. Damit pro Stuhl 320 Euro gespart.

„Es ist möglich, die Sitze mit Platte und Schaum neu aufzubauen, das Leder der Sitze und der Rückenlehne zu fetten und farblich aufzufrischen, die Holzflächen zu behandeln und den Spannstoff unter dem Sitz zu erneuern“, schreibt die Stadt. „Zu Testzwecken wurde bereits ein Stuhl aufgearbeitet. Das Ergebnis entspricht dem dargestellten Leistungsumfang und hat eine gute Resonanz hervorgerufen.“

Zunächst werden die 61 Stühle im Ratssaal saniert. Ohne Besucherplätze, die weisen keine Mängel auf. In einem zweiten Schritt soll die Konferenzbestuhlung in den übrigen Sitzungsräumen auf ihre Sanierungsmöglichkeit hin untersucht werden. Über das Ergebnis bekommt der Rat einen gesonderten Bericht.

Die eingesparten 89 000 Euro sollen jetzt nicht direkt wieder eilfertig irgendwo anders verplant werden, mahnte direkt Piraten-Fraktionschef Christoph Tetzner an: Sie sollen/müssen direkt in die Schuldentilgung fließen.

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