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Nassforsche Kalauer im schrillen Open Air-Waschsalon

Früher schriebt ihr, ihr Jungs ins Poesiealbum der Mädchen: „Rosen, Tulpen, Nelken, alle drei verwelken. Marmor, Stein und Eisen bricht – aber unsere Liebe nicht!“ Heute? Peter Löhmann packt aus, wie´s heute zugeht auf social media. „Da facebooken die Jungs direkt ganze Mädchengruppen an – mit Sprüchen wie: ,In allen vier Schnecken bleib ich stecken.“ Pruster und auch einige rote Öhrchen gab´s da im Publikum, doch auf Kalauer unter der Gürtellinie muss man gefasst sein bei Nightwash, dem schrägtsten Open Air-Waschsalon zumindest jenseits der eigenen Waschküche, der sich am Donnerstag zum wiederholten Mal auf dem Platz der Kulturen breitmachte und ihn auch verlässlich wieder mit Lachlustigen füllte.

Die Sorge, dass der Waschsalon diesmal selbst nasse Füße gekommen könnte, verflog glücklicherweise nach dem einzigen (ziemlich heftigen) Schauer am frühen Abend, so dass mehrere Hundert Besucher auch wieder verlässlich viertelstundenlang vor dem einzigen Bierwagen Schlange stehen durften. Sogar während der Vorstellung stand man sich die Beine in den Bauch, nicht mal nur in den Pausen. Einfach mal einen zweiten Getränkestand auf den Platz stellen, wie wäre das? Bei Veranstaltungen jedenfalls wie Nightwash würde das Sinn machen, da man vorher weiß, dass sie verlässlich Besuchermassen ansaugen. Nightwash ist ja schon was, und dann noch umsonst und draußen. Immerhin prangten am einzigen Bierstand diesmal unübersehbar zwei Zettel: „Ausschank 1″ und „Ausschank 2″.

Als „vielseitig, grenzenlos, ultimativ komisch“ wird Nightwash bepriesen, das hängst aber immer extremst von der jeweiligen Besetzung ab. Am Donnerstag bespaßten Peter Löhmann, Khalid und Fabian Köster die Unnaer – drei Künstler von sehr unterschiedlichem Komischheitsfaktor. Löhmann ist Profi, das merkt man. Neben Comedian ist er gleichzeitig Zauberkünstler und hat in der Schweiz, in Österreich und (oho) auch schon den USA Preise in Magie wie Comedy abgesahnt. Wenn er will (und nicht gerade mit Ahoi-Brause herumschäumt oder Leckmuscheln leckt), kann Peter Löhmann sogar richtig geistreich sein.

Hingegen ist Fabian Köster ein Newcomer, einer jener hoffnungsvollen Nachwuchstalente, denn Nightwash dankenswerterweise immer auch eine Bühne gibt, um weitgehend gefahrlos ihre erstenWitzigkeitsversuche zu unternehmen; ohne direkt Gefahr zu laufen, eine komplette eigene Show zu versemmeln. Anfänger füllen keine Hallen, auch keine kleinen. Weshalb das Andocken an bekannte Namen in mehrfacher Hinsicht sinnig ist.

Nun wirkt dieser Fabian Köster tatsächlich blutjung in seinem artigen Karohemd und mit der gestylten Oberschülerfrisur, bei der jedes Haar sitzt. Er könnte für einen 17-jährigen Gymnasiasten durchgehen und ist nur unwesentlich älter, Jahrgang 1995. Da er seine Sache ordentlich macht und sich sichtlich Mühe gibt, bekommt er von einem Teil des Publikums (dem netten) netten und wohlwollenden Beifall. Dabei kann er durchaus auch unter die Gürtellinie, manche seiner Witze verstehen die Zuhörer allerdings erst zeitversetzt, so dass der Gag verpufft.
Für beide Auftritte (den ersten vor, den zweiten nach der Pause) greift Fabian Köster zum Auftakt in den Fundus seiner „unnötigen Gedichte“, womit praktisch alles gesagt ist: „Der Rahmen wollt´ ein Fenster sein, doch es gab kein Glas.“ Fertig. „Jeder fängt mal angefangen“, urteilt eine Frauengruppe am Rand und betrachtet wohlgefällig die perfekte Frisur dieses richtig netten jungen Mannes. Man sollte Fabian Köster nicht unterschätzen, er siegte 2013 bei der Quatsch Comedy Talentschmiede – mit Comedy und Poetry Slam, wobei er Letzteres besser kann.

Hingegen hat Khalid – streckenweise zum Schreien lustiger Rebell-Komiker aus Marokko – nicht nur einen – „ähhh! Echt feisten Riesenpickel!“ auf der Nase, als er als Dritter nach Löhmann und Köster vors Publikum tritt: „Der Pickel ist so groß, der hat sogar Facbook.“ Nein, als Klischee-Araber hat der 24-jährige Lehramtsstudent („Gesellschaftswissenschaften – passt auf eure Kinder auf“) zum Beispiel auch (arabische) Freunde, die im voll bekifften Zustand von ihrem eigenen (bekifften) Echo angerufen und übel beleidigt werden. Den feistesten Pickel aller Zeiten trug Khalid im Übrigen tatsächlich am Donnerstag auf seiner Nase spazieren: Eine Besucherin, die´s einfach wissen wollte, hat ihn in der Pause einfach drauf angehauen. (sia)

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