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"soo groß … da hab' ich wohl was richtig gemacht"

"Dreck" musste einfach in der Gala auftauchen. Foto: Theater Narrenschiff

„Dreck“ (Cäcilie Möbius und Andre Decker) musste einfach in der Gala auftauchen. Alle Fotos: Theater Narrenschiff

Der Papa des Ensembles bekam von seiner Kinderschar einen enormen Blumenstrauß in den Arm gedrückt, murmelte strahlend ein verlegenes „… soo groß – hab´ ich wohl was richtig gemacht…“ – und wie er das hat, und dafür gab er den Dank gleich innig an seine Eltern weiter. „Dafür, dass ihr mich unterstützt habt, Künstler zu werden, gesagt habt, Kind, mach mal… brotlose Kunst…“ Alles lachte und klatschte und stand auf dabei, applaudierte dem Narrenschiff-Regisseur lang anhaltend und dankte damit gleichzeitig ebenfalls den Eltern Decker, dass sie ihren André damals einfach machen ließen.
Dieses „damals“ ist zehn Jahre her, das Theater Narrenschiff, kurz tn, feiert Geburtstag. Mit einer Gala durch zehn Jahre Schauspiel, Musik- und Tanztheater, die am Freitag, Samstag sowie am Sonntag durchweg vor ausverkauftem Haus lief. Dabei traf das aktuelle Ensemble auf frühere Darsteller, die zu diesem besonderen Geburtstagsfest aus ganz Deutschland angereist waren.

Zehn Jahre in knapp vier Stunden

marilyn und tilla galaZehn Jahre in einen Abend packen… tja, an dieser Herkulesaufgabe durfte sich André Decker schon beim Fünfjährigen weidlich versuchen, er tat´s mit wachsender Begeisterung, und das Ergebnis waren fünf Stunden. „Heute also zum Zehnjährigen…“ – feixend ließ André offen, was im logischen Schluss zu erwarten war, und wirklich wurden es nicht zehn Stunden und auch nicht fünf, sondern „nur“ knapp vier. Zählt man die Pause dazu und das rauschende Finale, bei der alle sangen und die Arme schwangen und die Ensemblemitglieder immer und immer wieder auf die Bühne zurückkehren mussten, um sich feiern zu lassen und ihr Publikum zu feiern.

Begnadete Tänzer brillieren

tanztheater galaProgrammteil eins bot Schauspiel und Musiktheater, nach der Pause gab es Tanztheater als immer wichtigere dritte Säule des tn – dabei brillieren besonders der begnadete Tänzer Daniel Schymik und die wunderbare Judith Binias, die sowohl bei „Heaven or Las Vegas“, „Todsünde 7.2010“ wie auch bei „Phlegethon“ mitgetanzt haben. Zur Gala wurden die drei Aufführungen in eine atemberaubende und atemlose Collage zusammengefasst. Schauspiel bedeutete zuvor Tschechow, Szenen aus seiner Möwe und seinem Kirschgarten, es gab ein Wiedersehen mit dem fantastisch wandelbaren Marco Janiel oder mit Silvia Kleinwechter oder Cara Miller… Beim Musiktheater herrschte Retro-Stimmung, herrlich klang- und schwungvoll dargeboten von Kathrin Bolle (Marilyn Monroe), natürlich Nils Jacobi und Lilja Kopka, mit vielen anderen klasse Sängerinnen und Sängern des tn – so viele im Ensemble sind Multitalente und spielen und singen und tanzen allesamt ehrenamtlich, ohne Gage, das ist immer wieder auch für den Regisseur und tn-Macher kaum zu glauben.

 Dreck zum Abschluss

hitzewelle galaSelbst schlüpfte André Decker zum Ende hin in eine seiner „dreckigen“ Lieblingsrollen, denn „Dreck“ (wo Decker einen abgehalfterten Junkie spielt) durfte im Andy-Wharhol-Gala-Special natütlich nicht fehlen; kombiniert und im Wechsel mit „Hitzewelle“. Dabei nahm Decker denn auch bewusst den Bruch im Programm in Kauf, welches nach dem III. Teil „Tanztheater“ doch wieder zurück ins Schauspiel switchte.

Ein begnadeter Abend eines wunderbaren Theaters, das Unna (und nicht nur Unna) hoffentlich noch weitere zehn Jahre erfreuen wird. Und dann wieder zehn Jahre… und wieder…

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