Rundblick-Unna » Nach Radunfall in Werne: Jugendlicher haftet allein und muss über 50.000 Euro zahlen

Nach Radunfall in Werne: Jugendlicher haftet allein und muss über 50.000 Euro zahlen

Bei diesem Urteil muss man erst mal nach Luft schnappen. Nach einem mehrjährigen Gerichtsstreit muss ein Jugendlicher aus Werne über 50.000 Euro Schmerzensgeld, Schadenersatz und Rente an eine 57jährige Frau zahlen.

Der Schüler hatte die Frau im September 2009 in Werne mit seinem Fahrrad angefahren. Die Frau war schwer gestürzt, hatte bleibende Verletzungen im Knie- und Sprungsgelenk erlitten. Das Oberlandesgericht Hamm schreibt dem Jungen nun im Berufungsverfahren die alleinige Haftung zu und bestätigte damit das Urteil aus 1. Intsanz.

Laut Pressemitteilung des OLG Hamm war der damals elfjährige Junge mit seinem Fahrrad auf dem Gehweg der Lünener Straße in Werne unterwegs. Beim Abbiegen auf die Jahnstraße stieß er mit der 57-jährigen Frau zusammen. Sie musste mehrmals operiert werden, leidet bis heute unter den gesundheitlichen Folgen – ihr Kniegelenk wird dauerhaft versteift bleiben.

Das ungewöhnliche Urteil, dass der Jugendliche allein voll haftet, fällte das OLG aus folgenden Gründen: Der 11Jährige radelte auf der falschen Straßenseite, er habe die Verkehrsregeln missachtet, und seine Fahrweise sei „hochgefährlich gewesen“. Damit muss der Junge zahlreiche Entschädigungszahlungen übernehmen.

Zunächst muss er der Frau insgesamt 25.000 Euro Schmerzensgeld und 1900 Euro Schadenersatz für Dienstausfall zahlen.

Zudem fordert die Klägerin 23.000 Euro Schaden, weil sie ihren Haushalt nicht mehr alleine führen kann. Doch damit nicht genug, fortan muss der Junge vierteljährlich eine Rente von 820 Euro zahlen. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf über 50.000 Euro.

Die Haftpflichtversicherung des Schülers zahlte der Frau schon vor dem Prozess 14.000 Euro. Das Landgericht ging jedoch von einer alleinigen Haftung des 11Jährigen aus, sprach der 57Jährigen weitere 11.000 Euro Schmerzensgeld zu, materiellen Schadensersatz plus weitere 23.000 Euro Haushaltsführungsschaden. Und „für den künftigen Haushaltsführungsschaden“ sprach das Gericht der Klägerin eine vierteljährlich zu zahlenden Rente in Höhe von 820 Euro zu.

Zitat aus der Pressemitteilung des OLG Hamm: „Der zum Unfallzeitpunkt 11jährige Beklagte sei für sein Fehlverhalten verantwortlich. Seinem Sachvortrag sei nicht zu entnehmen, dass er zum Zeitpunkt des Unfalls nicht die zur Erkenntnis seiner Verantwortlichkeit war.“

Kommentare (14)

  • Silvia Rinke

    |

    Kommentare auf fb:

    Lisa Hauptmann Der wird doch sein Leben lang für die Dame mitackern müssen, für einen Fahrradunfall, den er als Kind gebaut hat ohne wirklich über sein Handeln nachdenken und es reflektieren zu können 🙈 der Arme…

    Rundblick Unna :-( So krass, oder? Er war elf! Und die Haftpflicht hat doch artig 14.000 gezahlt….

    Lisa Hauptmann Vor allem wird er mit Sicherheit nicht mit Absicht versucht haben die Frau umzufahren. Als Kind fährt man nunmal auf der falschen Seite und es kann passieren, dass man jemanden anfährt, das kann immer passieren; selbst wenn man völlig korrekt und artig fährt.
    Finde aber auch die alte Dame sehr dreist immer noch mehr einzuklagen…ein bisschen Mitgefühl wäre da gar nicht fehl am Platz..mit Sicherheit ist es für sie nicht einfach, aber ich finde die Hälfte des Geldes ohne das „Haushaltsgeld“ hätten dicke gereicht, wenn nicht sogar nur die 14.000€ der Haftpflicht. Unmöglich das deutsche Recht…

    Dominik Brauckmann Äh, ist man nicht erst mit 14 strafmündig?

    Ferit Ertugrul Es wurde der Dame im Zivilprozess eine Entschädigung zugesprochen, die von der Haftpflicht der Eltern übernommen wird/wurde.

    Rundblick Unna
    Ja, das ist im Bericht erwähnt, 14.000 Euro.

    Ferit Ertugrul Die 14k € wurden vorprozessual gezahlt. Das bedeutet nicht, das die HPV nicht weiterzahlt.
    https://www.juris.de/jportal/portal/page/homerl.psml

    Kinga Mertzik Ist das deren Ernst? Er war noch ein Kind

    Rundblick Unna Lies mal. Es ist deren Ernst.

    Brigitte Habermann
    Wow!

    Rundblick Unna
    .. plus eine Rente auf Lebenszeit…

    D. B. Ich glaube in seiner Situation würde ich meine Finger heben! Privatinsolvenz und hoffen, dass die alte in den nächsten 7Jahren ins Gras beißt. Sorry, aber das ist meine Meinung(!)

    Jay Dee Sul Wie war das noch mal mit der Unschuld einer……. und der Gerechtigkeit ………

    Jessica Thon ach du Scheisse.Der arme Junge.Die Eltern sollen dagegen angehen.Der Junge war 11 Jahre alt.Die Frau scheint ziemlich Hartherzig zu sein,klagt sich saemtlichen Scheiss raus finanziell.Klar verstehe ich das es nicht schoen ist,wenn man angefahren wird und Gesundheitliche Schaeden davon getragen hat.Aber das ist ein Urteil bei dem man nur Kotzen kann.

    Sven Zwergi Jana Hupe lies mal

    Antworten

  • petter uhlenbusch

    |

    Ist nicht zu glauben, was in deutschen Gerichtssälen für Recht gesprochen wird.

    Antworten

  • Helmut Brune

    |

    Ich kenne das deutsche Rechtssystem zu wenig um hier Urteilen zu können. Ob man einen 11-jährigen jedoch rechtlich so belangen kann, daran zweifele ich. In dem Alter sind die Eltern doch noch voll Verantwortlich. Daß die 57-jährige bleibende Schäden davon getragen hat ist natürlich Schlimm für sie. Die Strafe ist auf jeden Fall happig.

    Antworten

  • Jürgen

    |

    Wo ist denn da die Verhältnismäßigkeit ? Ich denke da an die Raser aus Köln, die ein Mädchen totgefahren haben. Die haben Bewährungsstrafen erhalten.

    Antworten

    • mw85

      |

      Ja,die deutsche Gerichtsbarkeit kann man immer weniger verstehn,hier so hart und richtige Verbrechen werden fast „belohnt“! Traurig,traurig!

      Antworten

  • Mester

    |

    Menschen vor Vollendung des 14. Lebensjahres sind als Kinder strafunmündig (§ 19 StGB). Für Erwachsene hingegen gilt das allgemeine Strafrecht. Für die Übergangszeit gilt in Deutschland das Jugendgerichtsgesetz (JGG). Es ist uneingeschränkt anwendbar für Jugendliche, d. h. für Menschen, die zur Tatzeit im Alter von 14 bis 17 Jahren waren (§ 1 Abs. 2 Halbs. 1 JGG).

    Was soll das? Der Richter richtet den Jugendlichen zu Grunde und treibt ihn in den vorzeitigen Ruin.
    Kinder und Jugendstrafen sollen erzieherische Maßnahmen beinhalten, was treibt einen Richtet zu solch einem Urteil? Ich hoffe der Junge findet einen guten Rechtsbeistand und geht in Revision.

    Antworten

    • Silvia Rinke

      |

      Es war ja schon die Revisionsverhandlung.

      Antworten

    • Lewi

      |

      Strafrechtlich wurde der Junge auch nicht belangt. Zivilrechtlich schon. Und da ist man ab dem 7. Geburtstag schadensersatzpflichtig.

      Antworten

  • Thomas Lieske

    |

    Ich denke es werden bitte 2 Sachen vermischt. Das das Kind nicht strafmündig ist, heißt ja nicht, das die Frau keinen Anspruch auf Schadensersatz hat, sondern dass das Kind nicht strafrechtlich belangt werden kann. Oder bin ich da auf dem falschen Dampfer? Für den Schaden kommt doch wohl die Haftpflichtversicherung auf

    Antworten

  • Mike

    |

    Ist doch ein faires Urteil, die Dame hat einen Schaden erlitten, dieser wird nun beglichen, genau für sowas hat man eine Haftpflichtversicherung, der Junge muss doch garnicht selber zahlen, die Versicherung zahlt doch.

    Antworten

  • luenne

    |

    Der ganze Artikel hätte natürlich weniger Wind gemacht wenn man das gleich mit rein geschrieben hätte :
    Der Beklagten wurden Schmerzensgeld, Schadenersatz und Haushaltsführungsschaden zuerkannt. Zahlt das jetzt die Versicherung?
    Nubbemeyer geht davon aus, dass die Haftpflichtversicherung das Geld zahlen wird. „Das ist sehr wahrscheinlich.“ Auch Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale bestätigt: „Der junge Mann muss sich keine Sorgen machen; die Versicherung stellt sich schützend vor ihn.

    Antworten

    • Silvia Rinke

      |

      Hi luenne. Da wir keine Glaskugel haben und die Familie nicht persönlich kennen, können wir das natürlich auch nicht berichtetend hinzufügen. :-) Und sehr wahrscheinlich ist nicht „sicher“. In diesem Sinn.

      Antworten

  • Willy

    |

    Das Urteil finde ich auch herbe, doch muss man auch die Geschädigte sehen, deren Verletzungen sind nun einmal von dem Jungen verursacht worden.
    Was das Raserurteil von Köln angeht, so war das ja nur die Strafrechtliche Seite, Schadenersatzansprüche werden, soweit ich das weiß, danach in zivilrechtlichen Prozessen behandelt.

    Antworten

  • Heinz-Georg

    |

    Das Urteil ist nicht ungewöhnlich. Wenn Kinder in dem Alter zündeln und z.B. ein Gebäude in Brand setzen, sind sie grundsätzlich auch selbst schadensersatzpflichtig. Es kommt immer auf den individuellen Fall an – ob das Kind alt genug ist um die Konsequenzen des Verhaltens zu beurteilen.

    Gab es ein Urteil, wonach das Kind zur Zahlung von Schadensersatz verpflichtet ist, kann es für diesen Schaden 30 Jahre lang herangezogen werden – frühestens wenn es ein eigenes Einkommen hat.

    Soweit ich weiß, zahlt die Haftpflicht der Eltern nur dann, wenn diese ihre Aufsichtspflicht verletzt haben – also indirekt die Schuld an dem Schaden tragen. Und auch hier kommt es immer auf das Alter der Kinder an.

    Antworten

Kommentieren