Rundblick-Unna » Mitgefangen – mitgehangen: Eigentümer soll 60 000 € Abgaben für gesamten Wohnblock allein zahlen – weil alle anderen pleite sind

Mitgefangen – mitgehangen: Eigentümer soll 60 000 € Abgaben für gesamten Wohnblock allein zahlen – weil alle anderen pleite sind

Krasser Fall von mitgefangen – mitgehangen. Weil alle anderen Miteigentümer in einer Dortmunder Wohnanlage pleite gingen, soll ein einzelner Postpensionär nun die komplette Abgabenlast für den gesamten Wohnblock auf 15 Jahre rückwirkend allein an die Stadt bezahlen. Sie verlangt  60.000 Euro überfällige Gebühren von ihm- und pfändet bereits sein Konto.

Von dieser heftigen Geschichte berichtete am Freitag der WDR Dortmund. Der einzelne Eigentümer soll demnach Gebühren für die vergangenen 15 Jahre zahlen – für alle Eigentümer, da von diesen nichts zu holen ist. Seit einem halben Jahr wird sein Konto bereits gepfändet; bis zum Existenzminimum.

Der damalige Postler kaufte seine Zweizimmerwohnung 1997 von einem Immobilienbetrüger, berichtet der WDR.  Ständig sollen die Verwalter gewechselt haben, Wohnungen verkauft oder versteigert worden sein. Doch kein Eigentümer außer ihm selbst zahlte offenbar Abgaben an die Stadt – für Abwasser, Straßenreinigung und Müll.

Die soll der heutige Pensionär nun seit 2011 für alle anderen mitbezahlen – weil die anderen eben kein Geld haben.  Es sei gängige Praxis, so schrieb ihm die Stadt Dortmund, zuerst das Geld vom (vermeintlich) solventesten Miteigentümer einzutreiben. Dies sei (leider) in diesem Fall er. Die neuen Eigentümer, die inzwischen eingezogen sind, werden mit keinem Cent in die Pflicht genommen.

Der Verband Haus und Grund attestiert der Stadt juristische Korrektheit. Gesamtschuldnerische Haftung stehe im Wohnungseigentumsgesetz, sie komme in der Praxis allerdings nur sehr selten vor. Die Stadt Dortmund wollte sich dem WDR gegenüber nicht äußern: Steuergeheimnis und laufende Gerichtsverfahren.

Die letzte Hoffnung des verzweifelten Wohnungsbesitzers ist ein Entgegenkommen der Stadt. Denn selbst ein Verkauf seiner Eigentumswohnung würde nicht soviel Erlös bringen, um die Schulden komplett zu bezahlen.

Kommentare (11)

  • Helmut Brune

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    Irgendwie erscheint mir das doch Ungerecht.

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  • Makaio Mahoe via Facebook

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    Unfassbar.

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  • Ben Schneider via Facebook

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    Juristischer Bullshit !

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      … der in der Privatwirtschaft lt. Eigentümerverband wohl abgeschafft ist, aber für Öffentlich-Rechtliche weiterhin gilt. Heftig!

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  • Tobias Habekost via Facebook

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    Klagen und der Stadt die monetären und zeitlichen Aufwendungen in Rechnung stellen.
    Das ist ja wohl das Letzte!

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  • Man Dy via Facebook

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    Fall für Akte 2015!

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  • Kevin Pütz via Facebook

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    Kann doch rechtlich nicht ganz normal sein.warum soll jemand etwas bezahlen wessen Leistung er nicht in Anspruch genommen hat.wenn die anderen nicht pfändbar sind muss Deutschland GmbH dafür aufkommen.
    Ich finds ne Frechheit das nem Rentner noch sein weniges Hab und Gut genommen wird.Da arbeitet er nen leben lang und wird dafür noch bestraft.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Doch, Kevin Pütz, das ist die Tücke einer „Eigentümergemeinschaft“. Wenn die z. B. mehrheitlich beschließt, dass das Dach neu gemacht werden muss, kannst du da auch nicht raus. Und wenn der Rest keine Kohlen mehr hat, holt sich der Staat – die Stadt – die Kohle bei dir. Oder, wenn du in einer WG wohnst und den Mietvertrag mit unterschrieben hast und deine WG-Kumpels machen sich vom Acker, zahlst du allein. Mitgefangen, mitgehangen.

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