Rundblick-Unna » Misstrauen um Bewerbungsverfahren für Unnas neuen Wirtschaftsförderer: „Stand vorher schon fest, wer es wird…?“

Misstrauen um Bewerbungsverfahren für Unnas neuen Wirtschaftsförderer: „Stand vorher schon fest, wer es wird…?“

Die Stadt Unna sucht einen Wirtschaftsförderer, der die Wirtschaft voranbringen soll. Das war eine erklärte Forderung der CDU bei den Haushaltsberatungen.

Während die Ausschreibung seit dem 22. 4.  beendet ist und auch die Bewerbungsgespräche schon gelaufen sind, erhebt sich jedoch schon der Verdacht, dass gemauschelt wurde. Stand der künftige Wirtschaftsförderer möglicherweise schon vor der Ausschreibung fest?

Ein misstrauischer Leser aus Unna (Name der Redaktion bekannt) vermutet jedenfalls genau dies:

„Das wird ein schwerer Start für den/die neue/n Wirtschaftsförderer/in“, stellt er kritisch fest und berichtet von folgender Begebenheit:

„Ich weiß von jemandem, der sich schon am Tag der Veröffentlichung der Stellenausschreibung beworben hat. Eine Eingangsbestätigung gab es nicht. Erst nachdem die Bewerbungsfrist abgelaufen war und 14 Tage später in der Zeitung zu lesen war, dass 4 Bewerbungen eingegangen seien, wurde er unruhig.

Freundlich forderte er eine Eingangsbestätigung ein. Die kam als PDF per E-Mail ohne Absenderkennung und Grußformel – entschuldigende oder erklärende Worte? Fehlanzeige!“

Am 23. 05. 2017 bekam der enttäuschte Bewerber per Post die Absage. „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass die Auswahlkommission einen Mitbewerber ausgewählt hat.“

Dokument 2 001

„Ok, Pech gehabt“, kommentiert unser Leser lakonisch. Doch mehr als eine ganze Woche später, am 31. 5. 2017, wurde vermeldet, das Bewerbungsverfahren sei noch in vollem Gange. (Dies bestätigte uns heute die Stadtverwaltung.)

„Da erscheint der Absagetext in einem ganz anderen Licht“, fasst der Beobachter dieses Vorgangs zusammen: „War die Entscheidung zum Zeitpunkt der Absage nun gefallen oder nicht? Oder war sie vielleicht sogar schon vor der Ausschreibung gefallen?“

So oder so „haben die Verantwortlichen dem neuen Stelleninhaber einen klassischen Fehlstart beschert“, schließt der Leser seine Wertung zu diesem aus seiner Sicht seltsamen Vorgang. „Seine/Ihre Arbeit wird unter stärkerer Beobachtung stehen als gewünscht.“


 

Auf Anfrage bei der Stadt Unna teilte uns Rathaussprecherin Katja Sahmel am Mittwochvormittag folgenden Stand der Dinge mit:

Es gab 9 Bewerber für die Stelle des neuen Wirtschaftsförderers. Wie bei jedem anderen „normalen“ Auswahlverfahren bei städtischen Mitarbeitern auch folgten danach Bewerbungsgespräche mit Beteiligung des Personalrats und der Gleichstellungsbeauftragten.

Aktuell befindet man sich in der Entscheidungsphase.“

Die Stelle eines eigenen Wirtschaftsförderes wurde auf Drängen der CDU-Fraktion geschaffen. Kurz nach dem Ratsbeschluss gab es eine öffentliche Ausschreibung. Offizieller Bewerbungsschluss war am 22.04.17.

Kommentare (6)

  • Helmut Brune

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    Warum wundert mich das nicht? Ist Politik doch Hauptsächlich eine Sache des Pöstchenschiebens. Für das Protokoll muß man eine öffentliche Ausschreibung machen aber meistens ist im Voraus längst alles Beschlossen. Das gilt nicht nur für Unna, das ist überall das Gleiche.

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  • Lars Meier

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    Mal schauen, wer es denn letztendlich wird (mit welchem Parteibuch), dann könnte eine Mauschelei offenkundig werden….

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  • Markus Antonius

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    Es ist zwar nicht unüblich, dass Kandidaten Absagen erhalten, während das Verfahren noch läuft. Und aufgrund der Allgemeinen Gleichstellungsgrundsätze ist es unüblich, weil risikobehaftet geworden, Absagen zu begründen. Aber wenn man Unna kennt, dann liegt der Verdacht von rotem Filz, oder in diesem Fall vielleicht auch GroKo-Filz, recht nahe. Letztendlich ist die Wirtschaftsförderung doch, ebenso wie die Breitbandkoordination im Kreis, nichts anderes, als ein Versorgungsposten für verdiente Parteisoldaten. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung sind die Etatisten uns schuldig geblieben.

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  • Wolfgang

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    Ultrakurzkommentar als Antwort auf die in der Überschrift gestellte Frage: Natürlich!! Jetzt sind wir nur noch gespannt, in welcher Beziehung der „Neue“ zu einer der Parteien steht.

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  • Rolf

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    Diejenigen, die hier sonst zu fast allen Themen etwas zu sagen haben, schweigen gerade (Der treue Helmut mal ausgenommen). Für mich ein sicheres Zeichen dafür, dass der eigene Kandidat im Vorfeld nicht beschädigt werden soll. Der Whistleblower für Arme, Ratsmitglied Tezner, läuft doch schon seit Wochen durch die Stadt und verkündet den (angeblichen) Sieger der Ausschreibung. Wenn’s stimmt, wäre das doch ein gutes Signal an die neue Regierung in Düsseldorf.

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  • Rolf Beyer

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    Markus Antonius, das trifft den Nagel auf den Kopf !

    So viele hochdotierte, die sich um Wirtschaftsförderung, Arbeitsvermittlung und sonstige Schaumschlägerprojekte kümmern, sollen dem Bürger Fleiß vorgaukeln. So sollen Landrat und Bürgermeister und deren Partei gut beim Bürger als Kümmerer dastehen.

    Ergebnis: null, denn die Unternehmer wandern ab und nehmen Arbeitsplätze mit, wenn es ihnen gefällt und die Rahmenbedingungen für Unternehmer woanders besser sind. Da macht kein Wirtschaftsförderer etwas dagegen !

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