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Michael Hoffmann nahm Abschied mit seinen großen Themen: Lichtkunst, Lindenbrauerei, Kurpark

Es hat im Rückblick ein bisschen etwas von einem Vermächtnis. Als letzte politische Amtshandlung in seimem Leben leitete Michael Hoffmann am Vorabend seines plötzlichen Todes  „seinen“ Kulturausschuss; und seine drei letzten großen Tagesordnungspunkte waren Lichtkunst, Lindenbrauerei und Kurpark.

Michael Hoffmann

Alles zentrale Herzensanliegen des SPD-Ratspolitikers, denen er sich als „Motor“ der Unnaer Kultur über Jahrzehnte mit geradezu leidenschaftlichem Eifer verschrieben hatte.

Entgegen härtester Kritik verteidigte Hoffmann das Zentrum für Internationale Lichtkunst mitsamt der „Camera Obscura“ (dem umstrittenen „Turrell-Trichter“) stets unbeirrt als „Ankerpunkt“ und Leuchtturm“ der Kulturstadt Unna. Deshalb stellte er auch nie die Zuschüsse für die Lichtkunst in Frage, die sich seit einem entsprechenden Kulturausschuss-Beschluss von 2010 auf jährlich 117 500 Euro fixiert wurden.

In Michael Hoffmanns letztem Kulturausschuss präsentierten die Lichtkunst-Verantwortlichen Jochen Stemplewski und John Jaspers („Jochen und John – John und Jochen“, stellte Hoffmann das Duo ungewöhnlich launig vor) eine versöhnliche Jahresbilanz.

Wachsender Zuspruch vor allem auch aus der Unnaer Bevölkerung dank freier Besuchszeiten ohne Führungszwang, durch Familien- und Kinderprojekte. Eine geordnete und transparente Finanzierung, seit das Rechnungswesen an die Stadt übertragen wurde. Steter Schuldenabbau durch Sponsoring des Trägervereins sowie wachsender überregionaler Bekanntheitsgrad.

Lichtkunst

„John und Jochens“ Vortrag wirkte derart überzeugend, dass am Ende sogar ein bekennender Lichtkunstkritiker wie Jörg Hißnauer (Freie Wähler) ehrfürchtig seinen imaginären Hut zog – und tatsächlich spontan um ein Beitrittsformular für den Lichtkunstverein bat. Was dem Kulturausschussvorsitzenden Hoffmann ein strahlendes, zufriedenes Lächeln aufs Gesicht zauberte: Seht ihr, schien er zu denken, ich hab´s ja immer gewusst.

Immer bewusst war Michael Hoffmann auch der Wert des Kurparks: Unnas grüne Lunge und Erlebnisraum nicht nur für Königsborn, sondern für die ganze Stadt. Ungewöhnlich scherzend war Hoffmann auch hier aufgelegt, als er am Dienstagabend den Tagesordnungspunkt „Sinnespfad für den Kurpark“ einleitete – vom SPD-Ortsverein Königsborn geplant und beantragt ist diese neue Attraktion für den Park. Zehn verschiedene Bodenbeläge, von Gras über feinen Kies und groben Kies bis hin zu Sand und Rindenmulch. Ein Sinneserlebnis für die nackten Füße.

Dieses Vorhaben, begann Hoffmann breit lächelnd, werde jetzt „der Spezialist für Gefühl mit den Füßen vorstellen, jemand, der täglich mit seinem Hund durch die Uelzener Heide geht“. Dieser Jemand fühlte sich zuerst überhaupt nicht angesprochen, erst, als alle Augen plötzlich auf ihn gerichtet waren und sein Fraktionschef vorn mit spitzbübischem Lächeln verkündete: „Volker König!“

Lachend bekannte der Parteivorsitzende (errötete er gar ein wenig vor Überraschung…?), auf einen „so spontanen Vortrag nun gar nicht vorbereitet zu sein. Nun denn, dann werde ich improvisieren.“ Er tat´s souverän und stellte dem Ausschuss mit Empathie die neue geplante Park-Attraktion vor: Dieser Sinnespfad mit besagten zehn verschiedenen Bodenbelägen soll auf der Eiswiese angelegt werden, als Erlebnis für Kinder, aber auch Erwachsene dienen. Und: Er ist gedanklich bereits finanziert. Ein zweifellos schlagendes Pro-Argument in Zeiten der Haushaltssicherung, erkannten die anderen sechs Fraktionen denn auch wohlwollend nicktend an.

Das Geld, erläuterte Michael Hoffmann, könnte (und wird voraussichtlich auch) der Förderverein des Kurpark Königsborn zur Verfügung stellen. Dieser habe für die geplanten Gradierwerke viel Spendengeld gesammelt – das dafür nun nicht mehr nötig ist, da die Gradierwerke ja nicht gebaut werden.

Daher stünde Geld für den Sinnespfad bereit. Wer Michael Hoffmann kannte, kann sich denken, dass er sich darüber mit dem Kurparkverein längst stillschweigend handelseinig geworden ist.

Die Frage der Beaufsichtigung und Wartung des Pfades wünschen die übrigen Faktionen noch zu klären; ansonsten: volle Zustimmung zum SPD-Projekt „Gefühlserlebnisse mit den Füßen“.

Ein zufrieden wirkender SPD-Politiker Michael Hoffmann beschloss an diesem Abend die Sitzung – seinen letzten Kulturausschuss.

Michael Hoffmann (7)

 

Kommentare (3)

  • Jörg Hißnauer

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    Das Beitrittsformular hat mich inzwischen erreicht, wird hier ausgefüllt und geht dann umgehend zurück an den Lichtkunstverein.

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  • Hanno

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    @Jörg Hißnauer

    Wen interessiert das ?

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    • Rudolf Fröhlich

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      Alle Mitglieder des Kulturausschusses, die an der fraglichen Sitzung teilgenommen haben!

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