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Mehr Aufmerksamkeit für die Selbsthilfe

Schon mal an eine Selbsthilfegruppe gedacht? Nein? Ja warum auch … wenn es einem gut geht. „Es wird schon nichts passieren“, denkt man sich viel zu leichtfertig. Allerdings kann eine kleine Unaufmerksamkeit von jetzt auf gleich das ganze Leben umkrempeln. Ob nun einem selbst etwas passiert, oder einem Angehörigen … das ist ganz egal. Man steht dann nicht selten auf einmal alleine da.

Zum Glück gibt es ja Selbsthilfegruppen! Da kann man sich mit anderen Menschen austauschen, denen es genau so geht. Es gibt vielleicht Informationen, die durch Erfahrungen für jeden verständlich gemacht werden – aber ganz wichtig: Man steht eben nicht alleine mit seinen Sorgen und Nöten da!

Gewisse Sorgen und Nöte haben diese Selbsthilfegruppen aber auch selber:

Die Kontakt- und InformationsStelle für Selbsthilfegruppen des Kreises Unna (K.I.S.S.) unterstützt zur Zeit rund 270 Selbsthilfegruppen im gesamten Kreis (Davon 86 im gesamten Nordkreis, und 17 allein in Werne. Die Selbsthilfe-Bewegung ist damit in den letzten Jahrzehnten zu einer unverzichtbaren Säule im Gesundheits- und Sozialwesen geworden. Aber der Bekanntheitsgrad lässt noch ein wenig zu wünschen übrig.

Um diesem Wunsch gerecht zu werden, besuchten in der Vergangenen Woche die Mitglieder des Sprecherrates der Selbsthilfegruppen im Kreis Unna die Kommunen im gesamten Kreisgebiet. So traten am vergangenen Mittwoch Anne Schrei von der „Elterngruppe ADHS – Unna“ und Christian Baran von „Multiple Sklerose – Unna“ an Wernes Bürgermeister Lothar Christ heran und überreichten ihm im Stadthaus Werne deshalb eine Handlungsempfehlung. Denn ohne Mitwirkung der öffentlichen Hand geht es einfach nicht!

Und auch Bürgermeister Lothar Christ betonte: „Die Verbesserung der Situation für Menschen mit einer Behinderung oder für erkrankte Mitmenschen ist eine gesellschaftliche Aufgabe für uns alle. Man hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Selbsthilfegruppen im Kreis Unna mehr ins Licht zu rücken. Da sind auch wir, die Kommunen mitverantwortlich“!

Da geht es um mehrere Dinge: „Wir möchten die Selbsthilfe mehr in die Öffentlichkeit bringen und verständlicher machen“, erklärte Anne Schrei. „Das Wort Selbsthilfe ist ja nun nicht sehr attraktiv – es schreckt ab“, fuhr sie fort … „Wir möchten daher erklären, was Selbsthilfe wirklich ist, und was man damit alles bewirken kann“, so Anne Schrei.

Natürlich möchte der Sprecherrat in diesem Zuge auch auf die Selbsthilfekonferenz im Juni 2017 in der Kamener Stadthalle aufmerksam machen. Die letzte Konferenz war 2014, und mal ehrlich … wer wusste davon? Da war Barrierefreiheit ein ganz großes Thema – und das bleibt es auch weiterhin: Es ist wichtig, Menschen mit einem Handicap in aktuelle Planungen einzubeziehen (So z.B. die Planung zur Neugestaltung der Horne). „Wir dürfen nicht über die Köpfe der Menschen hinweg entscheiden, sondern nur mit ihnen“, betonte Lothar Christ ausdrücklich.

Wir sind da in Werne schon auf einem ganz guten Weg, aber da geht eben noch mehr.
Es muss einfach unser Ziel sein, eine Selbstverständlichkeit zur Hilfe zu schaffen!
Und das geht natürlich auch besonders gut durch die sozialen Medien.
Wir wollen die Selbsthilfe verständlicher, aber auch jünger machen – sie erneuern“, sagte Anne Schrei dazu.

Bei der verständlichen Sprache geht es oft genug aber schon los. Denn nicht nur räumlich, sondern auch sprachlich gibt es Barrieren. Behinderungen, aber auch der Bildungsstand verhindern teilweise das Verständnis. „Es dürfte wirklich vieles leichter und verständlicher geschrieben sein“, erkannte auch Lothar Christ, und fügte als Beispiel die allseits beliebte Steuererklärung an. Ebenso sind oftmals Formulare des Jobcenters schwer verständlich.
Da wird man (auch hinsichtlich einer möglichen Facebook-Präsenz) versuchen, aus der Gruppenarbeit heraus ein Konzept zu entwickeln.

Es gibt aber noch ein weiteres Problem für die Selbsthilfegruppen: Räumlichkeiten sind oft nur schwer zu finden. Daher wünschte sich Christian Baran: „Wir würden uns freuen, wenn uns mehr Räume für Treffen von Gruppen zur Verfügung gestellt werden könnten“.

Dies sind jetzt ein paar Baustellen, die uns der Sprecherrat genannt hat. Für die Selbsthilfegruppen ist die Kontakt- und InformationsStelle für Selbsthilfegruppen (K.I.S.S.) die Hauptanlaufstelle. Im Jahre 2000 wurde erstmals der Sprecherrat gebildet, der zur Zeit aus nur fünf Sprechern besteht. Die (eigentlich) sechs Sprecher sind in den drei Gruppen Nord – Mittel und Süd aufgeteilt, damit auch immer mindestens einer davon Ansprechbar ist.

Man sieht, es gibt noch viel zu tun, um die Selbsthilfe in den Vordergrund zu rücken. Besonders für jüngere Menschen, und auch für „Nichtbetroffene“ ist es wichtig – denn oft geht es schneller, als man gucken kann …

weitere Informationen und Kontaktstellen gibt es hier (bitte klicken)

Auf dem Bild: Gemeinsam wollen sie mehr Aufmerksamkeit für die Selbsthilfe generieren: v.l. Anne Schrei, Christian Baran und Bürgermeister Lothar Christ

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