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Mehr als jeder 2. gewerbesteuerpflichtige Betrieb in Unna zahlt keinen Cent Gewerbesteuer

27,2 Mio. Euro Gewerbesteuer sind 2016 in Unnas Stadtkasse geflossen. Weniger als 2015, aber mehr als im Haushaltsplan eingepflegt (25 Mio.). Das teilte heute Nachmittag die Stadt Unna mit.

Ärgerlich aus städtischer Sicht: Mehr als die Hälfte aller gewerbungssteuerpflichtigen Betriebe, die in Unna ansässig sind, zahlt keinen Cent – ganz legal, dank Steuerschlupflöchern. Diese 1.612 Firmen machen 62% am Gesamtbestand aus.

Demgegenüber werden zwei Drittel der gesamten Gewerbesteuersumme von gerade mal 75 Betrieben erwirtschaftet – bei einer Gesamtzahl vo 2589 gewerbesteuerpflichtigen Unternehmen sind das genau 3 Prozent. Diese extrem wenigen zahlen mehr als 50.000 Euro pro Jahr – 2/3 des gesamten Aufkommens.

„Das zeigt die hohe Abhängigkeit der Stadt von einigen wenigen Firmen“, stellt die Verwaltung dazu fest. „Diesen Unternehmen gilt es zu danken, da sie ehrlicherweise in der Stadt Steuern zahlen, wo sie letztendlich auch erwirtschaftet wurden. Der Bund ist weiterhin aufgefordert, den ,Gewerbesteuer-Oasen aktiv entgegenzuwirken.“

Wie im vergangenen Jahr ist das gute Steuerergebnis durch Nachzahlungen aus Vorjahren maßgeblich beeinflusst. Umso wichtiger ist für den Stadtkämmerer eine gezielte Ansiedlungspolitik.

 

Kommentare (4)

  • Helmut Brune

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    Das passiert nicht nur in Unna sondern Weltweit. Die großen der Wirtschaft richten Briefkastenfirmen in anderen Ländern ein, wodurch sie im eigenen Land Steuern hinterziehen. Das Schlimme daran ist, daß die Politik sich an sowas beteiligt.

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  • Hanno

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    Was macht denn dann der neue Wirtschaftsförderer ?? Firmen anwerben, die dann keine Steuern zahlen ? Dann kann er sich die Mühe gleich sparen.

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  • Luenne

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    solange die Gesetze nicht endlich geändert werden …
    Mir ist auch ein Rätsel warum es so wenig Betriebe vom Finanzamt und co geprüft werden und warum die Abstände immer solange sind.
    Wenn es am Personal liegt muss man halt welches einstellen.

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  • Markus Antonius

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    Steuerschlupflöcher sind so ein Neusprech, der andeutet, hier verschaffe sich jemand zu Unrecht einen Vorteil. Hier nutzen Unternehmen einfach jede vom Gesetzgeber geschaffene Möglichkeit, ihre Steuerlast zu senken. Wer das als Organ einer Gesellschaft, also zB als Geschäftsführer einer GmbH oder Genossenschaft, als Vorstand einer AG nicht tut, handelt pflichtwidrig und macht sich ggf. sogar schadensersatzpflichtig gegenüber dem Eigentümer.
    Und bei der Gewerbesteuer ist es letztendlich wie bei der Einkommensteuer: 95% kommen von den 50% der Bevölkerung, die mehr als ca 28.000 Euro im Jahr einnehmen. Die oberen zehn Prozent (Jahreseinkünfte ab 76.472 Euro) zahlen mit 55,5 Prozent weit mehr als die Hälfte der gesamten Einkommensteuer.
    Somit handelt es sich einfach nur um die üblichen Effekte eines progressiven Steuersystems.

    Und was die WFG angeht: besteuert wird Gewinn, nicht Umsatz. Wer sich ansiedelt, hat oft hohe Investitionen, die das Ergebnis auf Jahre oder Jahrzehnte {Gebäude) belastet.

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