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Luxuslärm und Bye-Bye Junimond inklusive: Rio Reiser Songpreis wird zum Festival

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And the winner ist… Kraus aus Hamburg! 3500 Euro Siegergeld für die sympathischen Jungs von der Alster, die beim Rio Reiser Songpreis 2014 in Unna den überzeugendesten Auftritt hinlegten – gegen allerdings starke Konkurrenz. Denn auch die beiden anderen nominierten Bands bewiesen Klasse und rissen das Publikum auf dem Platz der Kulturen auf ihre jeweils eigene Weise mit: „Tilo“ aus Köln und jene Dresdener Formation mit dem eingängigen, weil leicht skurrilen Namen „Clemens M. Müller“.

Die Entscheidung „fiel der Jury nicht leicht“, betonten Michael Sacher und Peter Möbius bei der Siegerehrung auf der großen Bühne, die mit ausgefeilter Lichttechnik und hervorragender Akustik schon ein etwas anderes Kaliber bot als das Normal-Equipment bei den üblichen Lindenbrauerei-Open-Airs. So viel Aufwand geht eben nicht immer. Als Kraus als Siegerband ausgerufen wurde, war es schon kurz vor 21.30 Uhr und die Atmosphäre auf dem nachtdunklen Platz einem (gar nicht mal so kleinen) Festival durchaus nicht unähnlich. Trotz vorab angedrohten 85 Prozent Regenwahrscheinlichkeit: „Man muss auch mal Glück haben“, freute sich Regina Ranft als Geschäftsführerin des Kulturzentrums, das den Songpreis zusammen mit dem Rio Reiser Haus e.V. ausgeschrieben hatte.

3500 Euro bundesweit gab´s plus nochmals 1500 Euro als Siegergeld für eine Band aus der Region Westfalen-Lippe: Über diesen „kleinen Songpreis“ freute sich „Muted Noise“, eine äußerst vielversprechende junge Nachwuchsband, die vor allem wieder durch ihr Cellospiel aus dem Rahmen fiel. Als starke Mitbewerber traten die Band Felix Muster und das Projekt 68 an. Die Entscheidungen für beide Preise fielen nach kurzen Liveauftritten der Bands.

Der Rio Reiser Songpreis versteht sich als Förderpreis. Er soll also unentdeckten Talenten, die noch nicht vertraglich an einen Verlag, Vertrieb, eine Agentur oder ein Label gebunden sind, mediale Öffentichkeit verschaffen. Auf mediale Öffentlichkeit bewusst verzichtet hatte der „heimliche Headliner“ des Rio Reiser Open Airs – der denn aber natürlich doch nicht geheim blieb, Unna ist eben ein Dorf: Tatsächlich enterten „Luxuslärm“ für einen halbstündigen Auftritt die Bühne, eine Band, die längst schon problemlos Hallen in ganz Deutschland füllt, und nicht die kleinsten. Jetzt im Herbst geht Luxuslärm wieder auf Tournee.

Da hinter der Lindenbrauerei generell um 22 Uhr Schluss zu sein hat mit lustig und laut, sprich also auch mit der Musik, ging die Session anschließend noch bis in die Puppen im Schalander weiter. Ach ja – und zwischen Siegerehrung und Luxuslärm gab es noch zehn Minuten Gänsehaut pur. Denn Martin Paul, zwischen 1981 und 1985 Mitglied der Rio Reiser-Kultband „Ton Steine Scherben“, sang zu verhaltener Keyboardbegleitung und von Kunstnebel eingehüllt zwei frühere „Scherben“-Songs – und beim „Es ist vorbei, bye-bye Junimond“ sangen viele auf dem Platz der Kulturen inbrünstig mit. Einfach schön.

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