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Lindner in Unna: Auch ein guter Realschüler kann ein guter Polizist sein – Pro Studiengebühren, Raucherschutz lockern

Die Ampel – rot-gelb-grüne Koalition mit SPD und Grünen – schließt Christian Lindner kategorisch aus.

Nicht ausgeschlossen ist nach dem kraftvoll-markanten Auftritt des liberalen Bundesvorsitzenden und NRW-Fraktionschefs am Samstagmittag im kx in Unna eine Koalition mit der SPD: nach den letzten Umfragen wäre das die derzeit einzig mögliche Regierungsbildung, will man nicht die AfD in die Erwägungen mit einbeziehen. Das tut aktuell keine der wahlkämpfenden Parteien in NRW.

Inhaltlich sucht Lindners FDP deutliche Abgrenzung vom Programm der SPD und auch der CDU (von Grün sowieso – mit den Grünen geht gar nichts). Er wirbt für („mäßige“) Studiengebühren, Lockerung des Raucherschutzes, höhere Hinzuverdienstgrenzen bei Hartz IV – und mehr Polizei.

Und dazu, findet „CL“, sollten auch gute Realschüler  die Möglichkeit bekommen, in den Polizeidienst einzusteigen. „Wozu braucht ein Polizist zwingend Abitur?“

Christian Lindners Auftritte sind generell sehr kurzweilig und unterhaltsam, und als bekannt exzellenter Redner enttäuschte der smarte Liberale auch sein Publikum im Kochto´s am Südring nicht. Wie immer sprach er  völlig frei, benötigte weder Manuskript noch Stehpult. Hin- und herwandernd startete er bissige Angriffe auf politische Mitbewerber jeglicher Couleur, teilte in alle Richtungen des politischen Farbenspektrums aus.

Lindner 1

Zu Merkels Türkeipolitik:

„Es macht mich fassungslos, was wir seit Monaten die Türkei veranstalten lassen. Merkel reist zu Erdogan und stärkt ihm den Rücken… türkische Minister dürfen bei uns dafür werben, dass die Meinungs- und Versammlungsrechte beschnitten werden. – Der (Erdogoan) beschimpft uns als Nazis! Mit der FDP in der Bundesregierung hätte die Bundesregierung so gehandelt wie die Niederlande!“ Meint: Einreiseverbot für türkische Minister mit Basta-Effekt.

Zu Martin Schulz:

Als „Wünschelrutengänger“ und „Wunderheiler“ bespottet Lindner den 100-Prozent-Kanzlerkandidaten der SPD. Bei den Sozialdemokraten hätte sich offenbar ein seit 10 Jahren angesammelter „Affektstau“ aufgelöst.

„Das ist wieder einer, der hat Passion! Endlich wieder einer, der ganz leidenschaftlich dummes Zeug redet! Endlich sind die pragmatischen Zeit eines Steinbrücks, eines Schröders vorbei! Endlich wieder einer, der das Blaue vom Himmel runter verspricht!“

Inhaltlich nimmt Christian Lindner den Schulz´schen Vorstoß für eine Qualifizierungsoffensive älterer Arbeitsloser auseinander. „Gibt es längst und führt zu nichts! Ein älterer Hartz IV-Empfänger hat 4 Gabelstapler hinter sich. Der Sozialstaat hält die Leute in der Arbeitslosigkeit!“ Daher Zuverdienstgrenze ändern!“ , damit sich „Arbeit wieder lohnt“, schwingt mit. Zu all diesen Ausführungen bekommt Lindner starken Applaus.

Bildung:

Christian Lindner konstatiert den „Bildungsnotstand“ in NRW. „Nur weil Kinder gern im Dreck speilen, heißt das nicht, dass unsere Schulen so aussehen müssen!“ Abitur für alle: ein Irrweg. Abitur: „Das Leistungsniveau muss steigen!“ Absage an alle „ideologischen Projekte“ wie der Inklusion – sie sei wichtig, die Umsetzung durch die Kraft-Regierung aber krachend gescheitert.

Steuern:

Bis zu 500.000 Euro keine Grunderwerbssteuer.

Sicherheit:

Insbesondere aus dem ländlichen Raum wie dem Kreis Unna wird Polizei in die Großstädte abgezogen, deutschlandweit fehlen 15.000 Polizisten. Deshalb die Ausbildung reformieren! „Auch ein guter Realschüler kann ein guter Polizist werden!“ Das Strafmaß für Taschendiebstähle will Lindner deutlich erhöhen.

Raucherschutz:

Wieder lockern, „eine Gesellschaft muss auch die kleinen Nischen erlauben.“

Empfehlung an die Grünen (die Autofasten empfahlen):

„Bis Ostern Schwafelfasten. Das wäre für manche eine reinigende Selbsterfahrung.“

Studiengebühren:

Lindner wirbt für „maßvolle Studiengebühren“ in Höhe von ca. 500 Euro pro Semester, die die Hochschulen „freiwillig erheben“ können. „Eine mäßige, sozialverträglichen Gebühr.“

Über diese soll die jeweilige Hochschule ganz frei verfügen. Ein junger Besucher bekräftigt in der folgenden Diskussion diesen Vorschlag, er studiert an einer Hochschule in einem anderen Bundesland, die Studiengebühren erhebt: „Ich finde das gut.“ Ausstattung und Lehrqualität profitierten davon.

Gegenüber einer Reporterin von Antenne Unna outet sich der junge Mann später als „eigentlich früher eher Anhänger der Grünen“.

Mindestlohn:

Er bleibt, wird aber mit der FDP nicht erhöht. „Von 8,50 Euro bei einer vollen Stelle kann man leben. Probleme tun sich bei den Teilzeitbeschäftigen auf. Im Zweifel möchte ich diese aber lieber vom Staat bezuschussen.“

Zur Koalitionsfrage:

„Es wird KEINE Ampel geben.“ Die CDU erweise sich 50 Tage vor der Wahl als Wankelkandidat. Keine verlässliche Partneroption.

Lindner 3

Christian Lindner überzeugte in Unna einmal mehr als fesselnder und pointierter Redner (Fotos: Fotografie Sascha Herrmann)

 

 

 

Kommentare (5)

  • Titus

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    Als Wackelkandidat kann man die FDP auch bezeichnen. Wenn man das an Umfragezahlen festmacht, muss man sagen, hat die FDP vor kurzem erst die 5% Hürde überschritten. Und wenn die FDP mal für etwas längere Zeit an 10% kratzt, kann sie vor Kraft und Arroganz wieder kaum laufen.

    Also, zusammengezählt wird nach dem Wahltag. Bis dahin sollte man nichts ausschließen. Gerade die FDP ist dafür bekannt, dass man sich sofort dreht, wenn die Chance besteht, mitzuspielen…..

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    • Osbek

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      Als Buten-Hamburger/Preuße möchte ich den Text von Herrn Lindner mal so kommentieren:
      Der Herr Lindner is´n good´n Schnacker und bringt die Fakten ganz pragmatisch auf den Punkt, damit erscheint er aus meiner Sicht recht vernunftbegabt und rhetorisch plausibel.

      Die Fasst Drei Prozent Partei wird ihm nicht die nachhaltige Möglichkeit der gesellschaftspolitischen Einflussmöglichkeit bieten können.
      Meine Empfehlung: Herr Lindner sollte in die Alternative für Deutschland wechseln.
      Das ist sicherlich ein naiver Kommentar von mir, aber ich geh einfach mal von der Lauterkeit aller Beteiligten aus…

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      • Redaktion Rundblick-Unna.de

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        Na ja, Osbeck, in NRW steht Herrn Lindners FDP derzeit bei 10-11 Prozent, die AfD bei 9… Und wenn man (wie Sie es offenbar tun) das Saarland als Maß aller Dinge nehmen, wäre Herr Lindner wohl rein möglichkeitsmäßig besser in der CDU oder der Linkspartei aufgehoben. Gell. :-) Gruß an die Alster.

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  • Marc Weber via Facebook

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    Der Mann hat ein paar gute Ansätze

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  • Hans Bergmann

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    …und keine Macht/Mehrheit, davon etwas umzusetzen….

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