Rundblick-Unna » „Libanesenjäger“: ZEIT-Artikel über Niedergang von DO-Nord ließ OB Sierau ausrasten

„Libanesenjäger“: ZEIT-Artikel über Niedergang von DO-Nord ließ OB Sierau ausrasten

Schwunghafter Drogenhandel, Diebstähle, Prostitution, Dauerpolizeipräsenz: Ein knallharter Artikel über den Niedergang der Dortmunder Nordstadt wurde jüngst in der Druckausgabe der ZEIT veröffentlicht – und ließ den Oberbürgermeister jedwede Fassung verlieren. SPD-Mann Sierau soll in dem Interview mehr oder weniger ausgerastet sein, schreibt focus online in einer Zusammenfassung.

In der ausführlichen Bestandsaufnahme, die leider nicht online zur Verfügung steht,  wird ungeschönt der Niedergang des früheren „Malocherviertels“ dargestellt und ein direkter Zusammenhang mit der Zuwanderung hergestellt.Unter Anspielung auf den Kampf gegen libanesische Drogenclans verwendet der Redakteur in seinem Bericht den Begriff  „Libanesenjäger“. 

Darüber und über die Darstellung der Nordstadt sozusagen als die Bronx von Dortmund sei der OB gegenüber den ZEIT-Reportern aus der Haut gefahren, schildern andere überregionale Medien wie der Focus. „Kaum erwähnt man die Probleme des Viertels, fängt er an zu beben“, heißt es in dem Artikel.

Der SPD-Politiker soll die Bundesregierung in dem Gespräch angegriffen haben. Diese hätte Beschlüsse gefasst und „einen Scheiß darauf gegeben, ob das funktioniert oder nicht“. Seine Stadt sei durch die EU-Osterweiterung zum „Opfer einer völlig verfehlten Eingliederungspolitik“ gemacht worden, zitiert die „ZEIT“ Sierau.

Der OB selbst und sein Polizeipräsident Gregor Lange, ebenfalls SPD, versuchen unermüdlich, die positive Entwicklung der Nordstadt herauszustreichen, und vermelden dazu regelmäßig z. B. auch Zahlen zur angeblich drastisch sinkenden Kriminalität.

Die Darstellung in der renommierten Wochenzeitung ZEIT konterkariert diese Positivberichte auf entlarvende Weise – augenscheinlich haben die Reporter mit ihrem Bericht in ein Wespennest gestochen, sonst wäre Sieraus unsouveräne Reaktion kaum zu erklären, mutmaßt auch der Focus.

Inzwischen kursiert eine Textveröffentlichung auf Twitter. Hier einige Auszüge aus dem Bericht.

„Knapp 60.000 Menschen wohnen in der Nordstadt, davon 41.500 Migranten. Die Stadtverwaltung spricht von einer „vielfältigen Bevölkerungsmischung“, verbitterte Anwohner von „Kanaken-Ghetto“. Es gab mal die Idee, einen Teil der Universität in das Viertel zu integrieren. Stattdessen entschied man sich für ein Jobcenter. Denn kaum jemand hier besucht Vorlesungen, dafür knapp 14.000 Menschen einen Jobvermittler. Die Arbeitslosenquote liegt mit 24 Prozent doppelt so hoch wie im Dortmunder Durchschnitt. Jedes zweite Kind in der Nordstadt lebt von Sozialleistungen.“

„An der Ecke zur Münsterstraße stehen die Nordafrikaner, bei ihnen gibt es Haschisch für fünf und Gras für zehn Euro. 200 Meter weiter, vor dem Ghetto-Netto, wie die Einheimischen den Discounter nennen, bekommt man Benzodiazepine, Beruhigungstabletten, für einen Euro das Stück. Auf der Höhe des Nordmarktes, gleich vor dem neuen Ordnungsamt, stehen die Dealer des „Gemischtwarenladens“: Bis 14 Uhr verkaufen sie weiche Drogen, nachmittags und abends auch Crystal Meth und Heroin für vier bis sieben Euro pro Rausch. Außerdem schlechtes Koks. Wer gutes will, muss die Mallinckrodtstraße einen Kilometer weiterfahren, bis zum Borsigplatz. Wo einst der Fußballklub Borussia Dortmund gegründet wurde, ist heute das Territorium der Libanesen. Dort gibt es das bessere Kokain, für 30 Euro und mehr pro Gramm.“

Der Libanesen-Jäger heißt Markus Wick, 46 Jahre alt. Er ist Polizeihauptkommissar und leitet den Schwerpunktdienst Nordstadt. 16 Polizeibeamte unterstehen ihm, sie sollen gegen Drogendealer vorgehen, Cafés kontrollieren, das Quartier entkriminalisieren, so weit das möglich ist. Das Wort „No-go-Area“ lässt Wick nicht gelten. „Wir gehen da ja rein“, sagt er. Tag für Tag. Klar, es sei ein schwieriges Pflaster. Menschen aus 150 Nationen, viele arm, viele kriminell, das sei schon ein Moloch, sagt Wick.

„Während drinnen der Oberbürgermeister vom Potenzial des Viertels schwärmt, von den schönen Altbauten, den traumhaften Parks, steht draußen auf der Mallinckrodtstraße, direkt vor der Tür der Behörde, ein junger Mann, das Gesicht von der Kapuze seines Pullovers verdunkelt, und fragt: „Koka? Shore? Pillen?“ Jedem, der nach potenziellem Kunden aussieht, bietet er an, was er bei sich hat, Kokain, Heroin, Ecstasy-Tabletten. Ein dürres Mädchen holt einen 10-Euro-Schein aus der Hosentasche. Der Mann nickt. Keine Worte, nur Gesten, rasch und vertraut. Er nimmt den Schein, steckt ein abgepacktes Beutelchen zwischen ihre Finger. Fertig.“

„Es gibt eine Studie der Soziologen Sebastian Kurtenbach und Aladin El-Mafaalani, die sich gefragt hatten, warum es trotz dieses Engagements nicht aufwärtsgeht mit dem Viertel. Das Ergebnis: Die Investitionen, wie beispielsweise in Hausaufgabenbetreuung, Jugendarbeit und Musikprojekte, lohnen sich. Aber nur für den Einzelnen. Dem Stadtteil helfen sie nicht. Denn die Geförderten ziehen fort, sobald es ihnen besser geht. So werden Aufsteiger zu Aussteigern. Zurück bleibt die Nordstadt.“

Kommentare (5)

  • Helmut Brune

    |

    Es ist für mein Empfinden völlig Unverständlich, warum die Probleme, verursacht durch die Einwanderungspolitik entweder Totgeschwiegen oder Schöngeredet werden. Die Politik hat da etwas zu verbergen und versucht auf diese Weise das Problem zu Verharmlosen. Die Bevölkerung wird hier ganz deutlich Vera*scht.

    Antworten

  • Dagobert

    |

    Wenn Oberbürgermeister Sierau (SPD) und Polizeipräsident Lange(SPD) aus der SPD austreten würden und der AfD beitreten würden, hätten sie am Sonntag meine Stimme . :-)

    Antworten

  • Willy

    |

    Was denn?
    Kulturelle Vielfalt wie sie sich die hohe Politik, die Sonntag bestätigt wird, wünscht.

    Antworten

  • Mike

    |

    Immer schön die Augen vor der Realität verschliessen und alles schönreden anstelle zu Handeln, das ist unsere Politik.

    Antworten

  • Petter Uhlenbusch

    |

    Bleibt zu hoffen, das Sieraus Zeit abgelaufen ist. !!!

    Antworten

Kommentieren