Rundblick-Unna » Leiser und sicherer: Stadt kämpft weiter für Tempo 30 – Schützenhilfe von Minister Dobrindt – Flüsterasphalt abgelehnt

Leiser und sicherer: Stadt kämpft weiter für Tempo 30 – Schützenhilfe von Minister Dobrindt – Flüsterasphalt abgelehnt

Die Stadtverwaltung will weiter um die Durchsetzung von Tempo 30-Zonen auch auf Hauptverkehrsachsen kämpfen. Im Stadtentwicklungsausschuss am Mittwochabend kam der sogenannte „Lärmaktionsplan“ erneut auf den Tisch  – zusammen mit dem Antrag der Freien Wähler, auf die strittige Temporeduzierung zu verzichten und statt dessen künftig Flüsterasphalt zu verbauen – flächendeckend bei allen neuen Straßenbau- und Sanierungsprojekten.

Der geräuschmindernde Straßenbelag fand jedoch im Ausschuss keine Anhänger, weder bei der Verwaltung noch bei der Politik. Die Stadt erinnerte an einen Versuch mit Flüsterasphalt vor vier Jahren an der Morgenstraße; dieser sei nicht wirklich zufriedenstellend verlaufen. Die Verwaltung will nun warten, bis eines Tages ein hundertprozentig zertifizierter Belag auf den Markt kommt. Man will keinerlei Experimente wagen. Der geräuschmindernde Asphalt ist schließlich auch eine Kostenfrage (ca. 15 Prozent teurer als herkömmlicher).

Klaus Göldner

Enttäuscht, dass „offenbar niemand unseren Antrag richtig gelesen hat“: FW/FLU-Fraktionschef Klaus Göldner.

„Dass die Entwicklung inzwischen vorangeschritten ist, wollte keiner wissen“, bilanziert FW/FLU-Fraktionschef Klaus Göldner das Abstimmungsergebnis ernüchtert. „Man hatte den Eindruck, dass niemand unseren Antrag richtig gelesen hat. Selbst die Grünen waren dagegen, obwohl wir einen Aufsatz von Dr. Anton Hofreiter (Grünen-Bundesfraktionsvorsitzender; d. Red.) angeführt haben, in dem er sich vor einigen Jahren positiv zu alternativen Fahrbahnbelägen geäußert hat.“

Gegen eine Ausweitung von Tempo 30 sind die Grünen aber natürlich nicht, und auch die SPD will die diesbezüglichen Pläne nicht einfach in den Papierkorb werfen, „nur“ weil sich der Landesbetrieb Straßen.NRW generell gegen 30er-Limit auf Hauptverkehrsstraßen ausgesprochen hat (wir berichteten). Zur Erinnerung: Die Stadt möchte mit gezielt ausgesuchten Tempo 30-Abschnitten die Vorgaben des sogenannten Lärmaktionsplans erfüllen, um die Bürger besser vor Verkehrslärm zu schützen.

Paul Raupach

Kann sich für eine Ausweitung von Tempo 30 auch aus Sicherheitsgründen durchaus erwärmen: Paul Raupach (SPD).

Am preiswertesten – und einfachsten – geht das eben, wenn langsamer gefahren wird. So argumentiert zusammen mit der Verwaltung auch die SPD, deren Ratsherr Paul Raupach sich schon frühzeitig für die 30er-Idee erwärmen konnte.  Einmal wegen des Lärmminderungseffekts – der nachgewiesen und belegbar ist -, zum anderen auch wegen der erhöhten Sicherheit.

Es gehe ja nicht darum, ganz Unna in eine Tempo-30-Zone zu verwandeln, betonte Raupach gestern noch einmal am Rande des Stadtentwicklungsausschusses. Das Land argumentiert aus seiner Sicht willkürlich: einmal mit dem Verkehrsfluss, dann wieder mit der Sicherheit (wie z. B. am Kreishaus-Kreisel). Das erscheint nicht nur Raupach wenig schlüssig.

Auf der Übersichtskarte unten sind die Lärmaktionspläne der Stadt farblich markiert: Tempo 30 auf Stadtstraßen in Hellblau, Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen in Dunkelblau und Abschnitte für Lärmsanierung in Rot. 

KARTE-~1

 

Unna ist nicht allein mit seinem Widerstand gegen das Land. Kamen z. B. will die Lünener Straße nachts – nur nachts – auf 30 reduzieren und für Schwerlastverkehr sperren, um den Anwohnern ruhigere Nächte zu verschaffen. Aber auch hier sagt das Land bisher: Gibt´s nicht. Die Begründungen, sagte uns Paul Raupach gestern noch einmal, wirkten pauschal und wenig schlüssig.

Ganz aktuelle Rückendeckung kommt jetzt aber von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. In einem Interview mit der Rheinischen Post kündigte der CSU-Politiker an, mehr Tempo-30-Zonen auch auf Hauptverkehrsstraßen zu ermöglichen.

Alexander Dobrindt

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).

 

„Wir schaffen jetzt den Rechtsrahmen, damit die Straßenverkehrsbehörden ohne größere bürokratische Hürden Tempo 30 vor Schulen und Kindergärten auch an Hauptverkehrsstraßen anordnen können“, wird der Bundesverkehrsminister zitiert. Bislang ist das generell nur in Wohngebieten möglich. In Ausnahmefällen auch auf Hauptverkehrsstraßen (wie in Unna z. B. der Friedrich-Ebert-Straße) – wenn sich dort z. B. Unfälle häufen. Auch Straßen vor Seniorenheimen will Dobrindt einbeziehen.

Auch bei der Konferenz der Länderverkehrsminister bis heute in Rostock kommen  Tempo-30-Zonen auf den Tisch: Für eine Erleichterung bei Tempobeschränkungen setzen sich vor allem Niedersachsen und Schleswig-Holstein ein.

Kommentare (12)

  • Sebastian Tubby via Facebook

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    War klar das Dobrindt dafür zu begeistern ist. Bullshit ist genau sein Ding. Wie wäre es wenn wir das ganze Verkehrsnetz in Unna in eine Spielstraße verwandeln?

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  • Alex Brandt via Facebook

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    Dann fahr ich nur noch im ersten Gang durch die Stadt…

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  • Tina Müller

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    Es ist eine Kathastrophe – Tempo 30 in der Stadt. Wie lange soll man denn fahren um von A nach B zu kommen.
    Tempo 30 ist eine Erfindung „alter“ Menschen – unsicher im Straßenverkehr.. oh man schaue sich mal den Altersdurchschnitt in Deutschland an…

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  • Andre Heyn via Facebook

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    Das mit dem leiser kann ich denen gerne direkt persönlich wiederlegen.
    Dazu kommt das sich noch mehr Abgase stauen.

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  • Helmut Brune

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    Das sind ja ziemlich lange Straßenabschnitte, die mit Tempo 30 „ausgestattet“ werden sollen. Wenn das auf den viel befahrenen Straßen mal nicht zu Staus führt.
    Oft ist es auch so, daß in 30 Km/h Zonen nachträglich alle 100 Meter irgendwelche tempoverringernden Maßnahmen getroffen werden, wie Schikanen oder Hügel. Das kostet auch jede Menge. Wie auch immer, unsere Politiker sind sowieso nicht mehr die Leute, die nah am Volk stehen, die leben in ihrer eigenen Welt.

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  • Philipp Paul via Facebook

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    Andre .. Kriegen wir hin bei Tempo 30 lauter zu sein als bei 50 oder

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  • Ernst

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    Deswegen ist die Idee mit dem Flüsterasphalt bei Beibehalten von 50 km/h doch sehr gut.
    Was das für Nerven kostet, mit 30 über die Friedrich-Ebert-Str. zu zuckeln !! Ich habe das mal getestet. Einfach ätzend und vielleicht dann anschl. noch auf dem Ring ?!? Nee, dann müssen wir demnächst nachts aufstehen, um pünktlich auf der Arbeit zu sein, wegen des täglichen Staus ?!?

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  • Jens Boenigk via Facebook

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    Also ich wäre ja mal für heile Straßen und einen rollenden Verkehrsfluss…..dann kann man sich das mit die Diskussion mit dem Lärmpegel sparen und die momentane Verkehrssituation am Kreisverkehr Friedrich-Ebert-Straße ist der Witz des Jahrhunderts. Nur weil irgendwelche Rentner und Hausfrauen nicht mit zwei Fahrspuren im Kreisel klarkommen,ist hier jeden Tag Rückstau bis geht nicht mehr. Da wird stolz über eine Fahrradautobahn durchs Ruhrgebiet gefaselt und in Königsborn gibt es Gehwege aus denen die Wurzeln sprießen.

    Willkommen im Landkreis Schilda.

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  • Sabine Krüger via Facebook

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    Und ich wäre für den „TÜV“ für alle Fahrer, nicht nur für die Fahrzeuge, denn dann würde sich die Anzahl der Autofahrer erheblich reduzieren! Wenn wir alle mit zunehmendem Alter Augen, Beweglichkeit (vor allem beim einparken) und Reaktionsfähigkeit testen müssten, würden viele bescheinigt bekommen, dass Sie ein Risiko für Ihre Mitmenschen darstellen.

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  • Christina Felly via Facebook

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    Dann werde ich mir ein von diesen lauten Teenager Rollern kaufen .rrrrrrhhhmmmdie machen ein scheiß Lärm.

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  • Denise Czaja via Facebook

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    Schwachsinn hoch 3 – dann fahren die Unsicheren nur noch 15-20 Km und der Miefpegel steigt …

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  • Gero Bangerter via Facebook

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    Die Kluft zwischen Politik und Bürgern wird immer größer, was man auch wieder an den Kommentaren sieht.

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