Rundblick-Unna » Kultur-gGmbH schiebt Sonderzuschüssen für Lindenbrauerei künftig einen Riegel vor

Kultur-gGmbH schiebt Sonderzuschüssen für Lindenbrauerei künftig einen Riegel vor

Stadthallenchef Horst Bresan wählte seine Worte augenscheinlich sehr bewusst. „Es geht um die Frage: Was an Kultur können wir uns noch leisten? Und dabei kommt alles auf den Prüfstand.“ Auch die finanzielle Ausstattung der Lindenbrauerei – obwohl diese mit der Gründung der neuen „Kultur gGmbH“ (Fusion von Stadthallen- und Kulturamtsveranstaltungen) formal nichts zu tun hat. Wohl aber sind ihre Zuschüsse von der künftigen Kulturgesellschaft abhängig.

Es wäre schon ein äußerst raffinierter Schachzug von der Stadt – und Teilnehmern der gestrigen Sitzung dürfte jetzt klar werden, wieso Kämmerer Karl-Gustav Mölle die ganze Zeit so zufrieden in sich hinlächelte. Wie die Stadt in der Sitzung im Schaubild darstellte, wird sie den gesamten Kulturetat (bis auf Museum, Archiv, Kulturbüro und Lichtkunst) in die Verantwortung der neuen Kultur gGmbH geben. Der Trägerverein der Lindenbrauerei stellt dann, wie jeder andere kulturelle Verein, seine finanziellen Wünsche an diese gGmbH – und nicht mehr wie bisher an die Stadt Unna. Und die Kultur-Gesellschaft muss streng auf die Gemeinnützigkeit der Veranstaltungen achten, ansonsten käme sie steuerrechtlich in Teufels Küche – wie Jörg Hißnauer (Freie Wähler) bei der Vorstellung der neuen Struktur schon warnend kundtat.

Dadurch, dass das Geld für kulturelle Veranstaltungen künftig aus einem gemeinsamen „Gemeinnützigkeitstopf“ fließt, dürften Sonderzuschüsse fürs Kulturzentrum Lindenbrauerei also künftig schwierig bis unmöglich werden. Denn wenn der Topf der Kultur-gGmbH leer ist, ist er leer. Sie soll im Sommer gegründet werden.

Wie berichtet, waren den 70 000 € extra für dieses und den 75 000 € für voriges Jahr für die Lindenbrauerei hitzige politische Diskussionen vorausgegangen. Den Extrazuschuss für 2015 hatte der Kämmerer aus Hauhaltsresten des Kulturetats 2014 „zusammengekratzt“, deren genaue Auflistung bisher noch nicht vorliegt. Die Stadt stellt auf Anfrage unserer Redaktion dazu fest: „Für die soziokulturelle Arbeit des Kultur- und Kommunikationszentrums gewährt die Stadt Unna über den städtischen Haushalt einen Zuschuss.Ob diesen Zuschuss der heutige städtische Kulturbereich oder die gemeinnützige GmbH auszahlt, ist unerheblich.“

Lindenbrauerei Kühlschiff Party

Beliebt: die Ü 50-Disco im Kühlschiff. Doch unter „Gemeinnützigkeit“ dürften solche Tanzveranstaltungen wohl eher nicht gefasst werden.

Und damit das entscheidende Kriterium der Gemeinnützigkeit erfüllt ist, darf formal kein Euro in kommerzielle Angebote fließen – also auch nicht in die Discos im Kühlschiff. Solche Tanzveranstaltungen würde dann – nach sauberer formaler Trennung, die zwingend gemacht werden muss, damit das Konstrukt der Stadt nicht steuerlich um die Ohren fliegt  – sinnvollerweise die Stadthallen-GmbH organisieren, die für genau solche kommerziell ausgerichteten Veranstaltungen bestehen bleibt: Messen, Märkte, Stadtfeste, Kirmessen oder eben Ü30-Partys…

Möchte die Lindenbrauerei weiterhin auch selbst ihre Discos anbieten, könnte sie das natürlich tun. Ihr Trägerverein entscheidet über das Angebot. Nur muss sie die Kosten dafür selbst erwirtschaften. Aus dem Topf für die „gemeinnützige“ Kultur darf aus steuerrechtlichen Gründen kein Cent fließen. In die soziokulturellen Angebote hingegen schon.

Natürlich kann der Trägerverein der Lindenbrauerei zusätzliches Geld für kommerziellen Veranstaltungen beantragen. Dann müsste jedoch die (für Kommerzielles zuständige) Gesellschafterversammlung der Stadthalle entscheiden, wo umgekehrt gekürzt oder gestrichen werden soll. Eventuell käme dann das Szenerio einer Stadtfest-Verkürzung wieder aufs Tapet – der Sonntag wird gestrichen. Oder nur noch alle zwei Jahre Stadtfest…?

Es wird damit spannend, mit welchen Inhalten die neue Kultur-gGmbh bis Sommer gefüllt wird…

Die Grünen sehen ihre Vorbehalte gegen die neue Kultur-Organisation offenbar schon unangenehm bestätigt: Ratsherr Michael Sacher postete am Vormittag auf Faebook „Breaking News – stop – Wirtschaftsprüfer stellten gestern im Kulturausschuss innovative Kulturkonzepte vor -stop – minimale Kosten und maximale Sperrigkeit – stop – erste Objekte sind in Unna schon installiert – stop – im Hintergrund die Installation ‚Kulturstadt Unna‘ – abgebildet dazu ist folgendes „Kunstwerk“ …

Kunst Installation Sacher

 

Kommentare (13)

  • Chr.Becker

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    Bauen die Grünen schon wieder Droh- und Angstkulissen auf ??!!??

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  • Helmut Brune

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    Ich werde morgen ein paar Euro zur Umsatzsteigerung des Kühlschiffes beitragen, damit sichselbst beköstigen können. 😉

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  • Oskar B.

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    Was hat der Durchgang der Volksbank zum Prünte Neubau mit Unnas Kultur zu tun ???

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Ein ironisches Sinnbild dessen, was künftig an Unnaer Open Air Kultur evtl. noch möglich sein könnte, Oskar B. …? 😉

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  • Rudolf Fröhlich

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    Sehr geehrte Frau Rinke,
    zu Ihrem Artikel muss man folgendes klar stellen:
    1. Die Bezuschussung des Bereiches „Geschäftsbetrieb“, wozu der Schalander und die Diskos zählen, aus Mitteln des Kulturetats ist auch heute schon unzulässig. Insoweit wird sich nichts ändern.
    2.Frau Ranft hat als Geschäftsführerin des Kulturvereins e.V. in der letzten Sitzung des „Beirats Lindenbrauerei“ eindeutig dargestellt, dass der Bereich „wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb“ (also Schalander pp.) Deckungsbeiträge erwirtschaftet. Wenn das so ist (woran ich keine Zweifel mehr habe), dann können dort auch künftig Diskoveranstaltungen und Konzerte, die nicht den Stempel der Gemeinnützigkeit tragen, weil dort die Gewinnerwirtschaftung im Vordergrund steht, stattfinden!
    3. Durch die neue Struktur unter dem Dach einer gemeinnützigen GmbH sollen ja gerade durch Synergieeffekte, Abbau von Doppelstrukturen und ja, auch durch steuerliche Effekte, Gelder eingespart werden. Diese werden es ermöglichen, die viel zitierte „strukturelle Unterfinanzierung“ der Lindenbrauerei dauerhaft zu beheben.
    4. Die Gemeinnützigkeit des kulturellen Zweckbetriebes muss die Lindenbrauerei auch heute schon dem Finanzamt gegenüber nachweisen. Was ändert sich also unter dem neuen Modell? Antwort: In d e r Beziehung gar nichts.
    5. Das (auch gestern in der Sitzung) deutlich formulierte Ziel von Politik und Verwaltung ist: Das bisherige Niveau der Unnaer Kultur soll erhalten bleiben. Der Kulturausschuss und die Gesellschafterversammlung der künftigen gGmbH sollen personenidentisch besetzt werden. Damit behält die Politik bzw. der Kulturausschuss auch die Kontrolle! Es ist k e i n Beherrschungsvertrag zwischen WBU als „Holding“ und der Stadt Unna beabsichtigt!
    6. Wenn das alles so klappt, werden „Sonderzuschüsse“ an die Lindenbrauerei nicht mehr erforderlich sein, weil das „strukturelle Defizit“ dauerhaft geschlossen wird.

    Wie auch immer: Es bleibt spannend!

    Rudolf Fröhlich, Kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion

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    • Silvia Rinke

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      Sie sagen es, Herr Fröhlich: Es bleibt spannend! Ich stelle fest, dass unsere Darstellung der Ihrigen nicht widerspricht; die Ihrige geht zuversichtlich davon aus, dass der gestern skizzierte Idealfall eintreten möge, was wir alle nur begrüßen würden. Von einem „Beherrschervertrag“ der WBU ist in unserem Bericht übrigens mit keinem Wort die Rede. Warten wir ab, was nun die Ausgestaltung der Satzung der neuen gGmbH erbringt – wenn sie denn im Sommer so beschlossen wird. Freundlichen Gruß.

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    • regina ranft

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      herzlichen dank für die richtigstellung! die lindenbrauerei betreibt seit 25 jahren eine kulturinstitution unter den regeln des gemeinützigkeitsrechts und ist bis zum heutigen tage damit von den finanzbehörden anerkannt.
      ich stimme herrn hißnauer zu,dass dies kein leichtes unterfangen war und ist. die zu gründende gemeinützige GmbH müsste sich exakt an die selben spielregeln halten.
      wir können da gerne unser know-how zur verfügung stellen, glaubenaber, dass die stadt seitens der fachfirma schon gut beraten ist.
      nur wegen der erforderlichen genauigkeit bei diesem thema,möchte ich folgendes feststellen: disco-veranstaltungen zählen zum wirtschaftlichen geschäftsbetrieb und werden mit den üblichen 19% versteuert. im rahmen einer gemeinnützigen institution dürfen sie nur dann veranstaltet werden,wenn sie gewinn abwerfen,der dem satzungsgemäßen,ideellen zweck zugeführt wird. dies wird vom finanzamt jährlich überprüft! Tipp: wer sich über die konstuktion einer gGmbH informieren möchte, kann sich mit dem soziokulturellen zentrum „zakk“ in düsseldorf beschäftigen. auch unser landesverband gibt gerne dazu auskunft,ist doch die gemeinnützigkeit seit bestehen von
      soziokulturellen zentren,eines ihrer wesentlichen merkmale und dabei ist es steuerrechtlich egal,ob als e.V oder GmbH.

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  • Thomas Mock

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    Liebe Frau Rinke,

    in Ihrem Beitrag heben Sie durch Fettdruck eine Unterstellung hervor, Zuschüsse der Stadt Unna seien in kommerzielle Angebote der Lindenbrauerei, wie z.B. die Discos im Kühlschiff geflossen.
    Die Absurdität dieser Unterstellung erkennen Sie unschwer aus der von Ihnen dann im folgenden getroffenen Feststellung „Aus dem Topf für gemeinnützige Kultur darf aus steuerrechtlichen Gründen kein Cent fließen“.
    Diese steuerrechtliche Anerkennung wird der Lindenbrauerei seit nunmehr über 25 Jahren uneingeschränkt attestiert und wird jährlich durch unabhängige Wirtschaftsprüfer bestätigt.
    Wo also drückt der Schuh ?
    Im vorigen Jahr besuchten über 48.000 Gäste die 382 klassischen Kulturveranstaltungen der Lindenbrauerei (also ohne Discos o.ä.).
    Ich denke, dass dieses kulturelle Programm und Engagement eine inhaltlich seriöse, positive Berichterstattung verdient hat und unserer Stadt mit „Weitblick“ über ihre Grenzen hinaus gut tun würde.
    Ein „Rundblick“ mit einseitig aufgetragenem Populismus schadet dem Ansehen der Kultur und Bürgerschaft unserer Stadt eher nur.
    Eine kompetente Berichterstattung wäre daher sicherlich im Interesse aller Bürger, denn bekanntermassen ist Inkompetenz das Fremdwort für die Fähigkeit, alle Energie grundsätzlich auf das Unwichtigste zu richten.

    Mit freundlichen Grüßen

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    • Silvia Rinke

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      Lieber Thomas Mock – das kulturelle Programm und Engagement der Lindenbrauerei wird von unserer Redaktion DERART SERIÖS und DURCHGEHEND POSITIV dargestellt, dass Ich Ihre diesbezüglichen Anwürfe tatsächlich als grotesk empfinde und Ihnen dringendst einmal eine aufklärende Querlektüre unserer Kulturberichterstattung der vergangenen Monate empfehle. Ich leite Ihnen dazu auch gern ca. ein Dutzend Links weiter, da Sie diesbezüglich offenbar Nachholbedarf haben. Über die Frage der Gemeinnützigkeit der einzelnen Veranstaltungen entscheiden fortan weder Sie noch ich, sondern kompetente Steuerfachleute. Im Übrigen lasse ich Ihren oberlehrerhaften Schlusssatz zusammen mit Ihrem „freundlichen Gruß“ hier im Raume stehen, beides spricht für sich. Guten Tag.

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  • Ohm

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    Was ist das hier eigentlich ? Prügel für Berichterstattung ? Belehrungen von Journalisten ?
    Jeder Erwachsene wird Nachrichten lesen , auch woanders oder spricht mit Leuten und bildet sich dann eine Meinung dazu. Worte auf die Goldwaage zu legen finde ich übertrieben. Ist es wichtiger, welche Worte fett dargestellt sind oder zählt die Nachricht dahinter ? Seit wann greift man Journalisten für die Nachrichtenübermittlung an oder tritt als Oberlehrer auf ? Ist das jetzt die neue Dimension ?
    Hier müssen aber einige mal gehörig entspannter werden. Wer anfängt Fehler in Sätzen zu suchen und sich bei Journalisten nur zu beschweren, schwingt sich unberechtigt zum Moralapostel auf.
    Also entspannt Euch!
    Und morgen gibts wieder neue Infos, die uns ein Stück weiter aufklären…..

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    • Silvia Rinke

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      Verehrter Ohm, vielen Dank. In einem offenen Kommentarforum ist mit Eingaben wie der obigen zu rechnen.

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  • Margarethe Strathoff

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    um was geht es hier? Ich verstehe erstmal gar nichts und finde, was hier vorgestellt wurde ist sinnvoll!! Fakt ist, das sich eine gGmbH an Spielregeln halten muss und wo ist das Problem, das sich Vereine – Organisationen – erklären müssen – oder gar sich offenlegen??? Sinn macht es doch, die komplette Kultur – Etat – unter einem Dach – einem Tisch – zusammen zu holen und dann festzulegen, wann, wofür und geht es?? Da sollten doch alle zusammen kommen und keinen Verein ausspielen – sondern geregelt klare monitäre Spielregeln – festlegen.. sonst machen wir ein Schaubild und fragen ab: WER IST FÜR WAS?

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