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Kultur bezahlbar erhalten: Stadthalle und Kulturamt sollen fusionieren – Lindenbrauerei bleibt außen vor

Stadthalle und städtisches Kulturamt sollen im Veranstaltungsbereich fusionieren. Das Ziel: Kräfte bündeln, um Geld zu sparen. Um Unnas Kulturangebot trotz knapper Kassen so vielfältig wie möglich zu erhalten.

Die geplante Neuorganisation der Unnaer Kultur wurde ame Abend im Ratssaal vorgestellt; im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung des Kulturausschusses und der Gesellschafterversammlung der Stadthalle.

Kern ist die Gründung einer gemeinnützigen Kultur-GmbH. Diese soll – unter dem Dach der Wirtschaftsbetriebe Unna (WBU) angesiedelt – alle Kulturveranstaltungen unter ihrem Dach vereinen, die derzeit „doppelt gemoppelt“ beide für sich organisieren: einmal das Stadthallenmarketing, dann der Fachbereich Kultur im Rathaus

Die bisherige Stadthallen-Gesellschaft unter ihrem Chef Horst Bresan wird es freilich weiter geben, doch kümmert sie sich fortan ausschließlich um kommerzielle Veranstaltungen: Stadtfest, Festa Italiana, Autoschau, Messen, Märkte. Und auch den Kulturbereich im Rathaus gibt es auch künftig noch: Dieser soll sich z. B. Stiftungen und städteübergreifenden Veranstaltungen widmen, wie der Reihe „Mord am Hellweg“.

Unberührt von dieser neuen „Kultur-gGmbH“ bleibt – formal – das Kulturzentrum Lindenbrauerei. Es bietet weiterhin (Sub-)Kultur unter Federführung seines eigenen Trägervereins an.

 

Stadtfest

Messen, Märkte oder Feste wie hier das Stadtfest: All diese kommerziellen Veranstaltungen organisiert die Stadthallen-Gesellschaft weiterhin selbstständig. In die geplante Kultur-gGmbH gehen hingegen ihre kulturellen Veranstaltungen über: Theater, Konzerte, Comedy…

 

„Wir wollen Konkurrenzveranstaltungen vermeiden, fachliches Knowhow und Kräfte bündeln„, beschrieb Stadthallenchef Bresan das Ziel der „Teilfusion“ mit den Kulturamts-Kollegen im Rathaus. Doppelte Verwaltung, doppeltes Marketing, doppelte Öffentlichkeitsarbeit – alles bisher doppelt Gemoppelte solle künftig straffer gebündelt und konzentriert werden.

Nicht zuletzt aufgrund steuerlicher Vorteile – denn Gemeinnützigkeit ist aus Steuersicht günstiger, das leuchtet ein. Eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Intecon, wurde von der Stadt mit der Ausarbeitung dieser komplexen Materie beauftragt. Ihre Vertreter, Dr. Torsten Prasuhn und sein Kollege Lars Schirmbeck,  ließen den Unnaer Politikern eine 45minütige Vorlesung in Steuerrecht angedeihen, die es in sich hatte. Vielen schwirrte danach der Kopf.

„Ich bin erschlagen“, bekannte Annette Borowski (SPD) stellvertretend wohl für die meisten. Doch an steuerlichen Fragen hängt (nicht zuletzt) der Einspareffekt durch die neue gGmbH, von daher war es für manche Ratsvertreter verwirrend bis äußerst unbefriedigend, dass noch gar nicht beziffert werden kann, wieviel überhaupt durch diese Umstrukturierung gespart wird.

Für Pirat Christoph Tetzner war das besonders irritierend, weil im Doppelhaushalt 2015/16 doch schon eine ganz konkrete Summe eingepreist ist. 100 000 Euro soll die „Kultur gGmbH“ der Stadt jährlich sparen. Viele wie Tetzner dachten vorher: durch Steuererleichterungen. Das sei aber noch völlig unabwägbar, stellte Steuerexperte Prasuhn nun deutlich fest.

Auch Bürgermeister Werner Kolter unterstrich: Es gehe nicht primär um Steuerfragen. Ja, aber woher soll die Ersparnis denn dann herkommen? Nicht nur Christoph Tetzner fragte (sich) das, sondern auch Michael Sacher, der den grünen Finger in die Wunde legte: Vermutlich durch Personaleinsparungen?

„Wie z. B. bei Museum und Archiv: aus anderthalb Stellen eine machen. Das führt zwangsläufig zu Qualitätsverlust“, monierte Sacher. Zudem fürchten die Grünen, dass „unrentable“ Kulturveranstaltungen künftig durchs Rost fallen, „Nischenkultur“, die nicht die großen Besuchermassen zieht, aber die gerade Unnas Kulturangebot ausmacht. Auch SPD-Frau Borowski kam „ein bisschen ins Grübeln“, doch Kürzungen im Angebot, sagte Bürgermeister Kolter, seien „nicht vorgesehen“.

Damit kein Zuständigkeitswirrwarr entsteht, soll als politisches Gremium der Kulturausschuss über der Kultur-gGmbH  wachen. Dies auch, um deutlich zu machen: Unnas Kultur wird auch künftig nicht von Wirtschaftsinteressen diktiert, versuchte Kolter derartige Befürchtungen auszuräumen. Denn genau wegen dieser Sorge – Kultur wird nur noch an dem bemessen, was sie finanziell abwirft – hatten die Grünen den Doppelhaushalt 2015/16  mit der neuen Kultur-gGmH abgelehnt. Der hier eingestellte Einspareffekt: 100 000 Euro. Und wenn diese nicht erzielt werden? Dann müsse man umschichten, erwiderte Kämmerer Karl-Gustav Mölle knapp auf diese Frage von Pirat Tetzner.

Jörg Hißnauer, fraktionsloser Freier Wähler, warnte seinerseits nachdrücklich vor der Gründung einer gemeinnützigen GmbH: Gemeinnützigkeit sei im deutschen Steuerrecht eine derart komplexe Materie und berge so tückische Fallstricke, dass die Stadt seiner Ansicht nach in ein unabwägbares Risiko hineinstolpert. „Da muss bei einer ,gemeinnützigen´ Veranstaltung bloß einer Popcorn und Cola anbieten – schon brennt der Baum lichterloh. Ich sehe große Gefahren. Wir sollten das nicht machen.“ Es wird jetzt zumindest bis zum Sommer weiter voran getrieben, beschloss die Politik mehrheitlich. Dann erfolgt die schlussendliche Gründung – oder eben auch nicht.

Unbeantwortet blieb bei der Auftaktvorstellung am Abend die Frage, wieviel der geplanten Kostenersparnis durch die Hilfe externer Steuerfachleute gleich wieder aufgezehrt wird.

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