Rundblick-Unna » Kürzer geht´s nicht – voller auch kaum noch: Kleines Dellwig macht großen Budenzauber

Kürzer geht´s nicht – voller auch kaum noch: Kleines Dellwig macht großen Budenzauber

Melanie Selling wohnt in Strickherdicke und bietet Strickwaren an, leicht zu merken. Leichtes Durchkommen ist zu ihrem Stand wahrlich nicht an diesem Samstagnachmittag – du liebe Zeit, welch Gedrängel vor der malerischen Dellwiger Dorfkirche.

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„Wir sind das erste Mal dabei. Klasse, wieviel hier los ist“, freut sich Sabrina Reiß aus Opherdicke, die mit ihrer Freundin Melanie gemeinsam ihre bunten Handarbeiten auf dem langen Holztisch aufgebaut hat. Plus selbstgemachte Grappawürfel.

Weihnachtsmarkt Dellwig

Noch zwei weitere neue Kreativstände sind hinzugekommen; „insgesamt sind es jetzt schon 18 Buden und Stände“, berichtet Martina Becker, Vorsitzende der Damenkompanie des Dellwiger Schützenvereins. Insgesamt acht Frauen der Kompanie haben am Vorabend vier Stunden lang Obst auf lange Holzstäbe gespießt; in Schokolade getunkt, mit bunten Streuseln überzogen… hmmhh. Preis pro Spieß: lachhaft. Zugreifen bitte. Gerne!

Weihnachtsmarkt Dellwig

War es bei Dellwigs Eintagesweihnachtsmarkt jemals schon sooo proppenvoll? „Sooo voll selten, zumindest in den letzten Jahren“, stimmen zwei Besucherinnen zu und pusten in hre dampfenden Glühweintassen. Sie haben Glück, dass sie versorgt sind. Die Schlange vor dem einzigen (enormen) Glühweintopf ist inzwischen länger als die vor dem Wertmarkenstand, und das will was heißen. Je Wertmarke 60 Cent, das nennt man volkstümlich. Gerade flutet die nächste Besuchergruppe fröhlich schwadronierend den Kirchplatz und sorgt für endgültiges Nichtmehrdurchkommen.“Eng ist´s gemütlich“, urteilt die Damenkompanie kennerisch hinter ihren Schokofruchtspießen.

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Urgemütlich ist es in der adventlich mit Kerzen erleuchteten Kirche. Am Eingang bieten Elke, Stefan und Hilke fair gehandelte Produkte: Kaffee, Tee, Schokolade, Honig, Holzperlenketten… unweit vorn neben dem Alterraum ist – oder besser: war auch das Kuchenbuffet aufgebaut. Über das sind die Besucher bereits am frühen Nachmittag hergefallen wie die biblische Heuschreckenplage im Alten Testament. Als gäb es bis Weihnachten nichts anderes mehr. Aber bitte mit Sahne!

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„18 komplette Torten weg!“, frohlocken um gerade mal 16.30 Uhr – Kaffeestunde – die ehrenamtlichen Damen der Kirchengemeinde. Ist es zu fassen. „Ist immer so“, sagen die Damen vergnügt. Das geplünderte Kuchenbuffet hat noch drei klägliche Stück Marmorkuchen zu bieten, auf dem Teller umkränzt von ein paar kärglichen Krümeln.

Die Kirchengemeinde freut sich. Ihr Förderverein, guter Brauch und Sitte, bekommt stets 50 Prozent des Dellwiger Weihnachsmarktserlöses. Die andere Hälfte beschert immer einem anderen Verein vorgezogene Weihnachtsfreuden, in diesem Jahr dem TuS Jahn Dellwig. Dessen Vorsitzender Andreas Hennemann reibt sich zusammen mit Geschäftsführer Paul Kahlisch schon mal genüsslich die Hände in Vorfreude einer ordentlichen Geldspritze: „Der Boden unserer Mehrzweckhalle muss erneuert werden, da kommt jeder Cent wie gerufen“, erklärt Hennemann.

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Das kochend heiße Dampfgetränk, das die beiden Vereinssportler im Akkord in Tassen zapfen, firmiert als „Jagertee“. Ein lebhafter Gelehrtenstreit entzündet sich: Muss es nicht korrekterweise „JagAtee“ mit zweimal „a“ heißen? Wikipedia weiß: Beide Schreibweisen sind erlaubt. Doch Wiki weiß auch: Jagatee, ob nun mit oder ohne zweimal a, besteht „aus Schwarztee und Inländer-Rum“. Dieses Gebräu hier wird auf schlichter Heißwasserbasis mit Spezial“jager“likör angemixt. Schmeckt wunderbar, ähnlich wie Grog, und wärmt ähnlich wohlig von innen. Zumal man für den Jagertee-Fake nicht anstehen muss wie für Glühwein oder auch Bratwurst, die der wackere Männerdienst gar nicht so schnell nachbrutzeln kann, wie sie in hungrigen Mündern verschwindet.

Als kurz nach Abpfiff der Bundesligabegegnungen noch ein finaler Schwung Fußballfans auf den Kirchplatz schwappt (manche mit langen Gesichtern über schwarzgelben Schals), wird das Unternehmen Dellwiger Weihnachtsmarkt streckenweise unübersichtlich. Aber schön – klasse –  ein tolles Dorffest eben wie in jedem Jahr und in diesem Jahr besonders voll.

Wieso eigentlich nur dieser eine Samstag – warum nicht wenigstens noch den Sonntag dazu? Einige, wie die beiden Neuen Melanie Melanie Selling und Sabrina Reiß, könnten sich „das sehr gut vorstellen, weil es ja auch  viel Aufwand ist mit Vorbereitung und Aufbau.“ Andere, wie Dellwigs Kompaniedamen oder die TuS-Sportler, finden aber gerade: Ein Tag – bzw. nur ein Nachmittag – ist gerade richtig, „damit es hier so richtig super rummelt!“ Und damit jeder eben jeden trifft – sofern man sich findet im fröhlichen Gewühl.

 

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