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"Kritik an zu hohen Handwerkerkosten ist perfide"

Werner Bastin, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Foto: Verena Wilmes

Werner Bastin, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Foto: Verena Wilmes

Handwerk hat goldenen Boden? „Bei solchen Preisen logisch!“, schimpft mancher Kunde entsetzt mit Blick auf seine Maler- oder Klempnerrechnung. Doch nur wenige Kunden wissen, dass ein kleinerer oder mittelständischer Handwerksbetrieb für seine Preisgestaltung kaum Spielräume hat. Wir sprachen darüber mit dem langjährigen Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Soest-Hellweg, Werner Bastin.

Herr Bastin, welchen gesetzlichen Bestimmungen belasten die regionalen Handwerksbetriebe besonders?

Werner Bastin:  Schon ab 17 500 Euro Jahresumsatz – und das gilt für 98 Prozent aller Unternehmen – unterliegen sie denselben gesetzlichen Bestimmungen wie ein Großkonzern wie Siemens. Egal ob fünf oder 500 Mitarbeiter: Für alle gelten n dieselben Termine für die Sozialversicherung, für Steuergeschichten… der Handwerker muss ebenso Betriebsprüfungen vom Arbeitsamt und Rentenversicherung erwarten wie ein Großkonzern. Er hat aber – anders als der  Konzern – keine Abteilungen, die diese Aufgaben erledigen. Nein, in der Regel macht er alles allein. Ein mittlerer Betrieb mit zwei, drei Beschäftigten ist schon nahezu überfordert, wenn er sich nicht Hilfe bedient.

Die Hilfe kommt dann meist…

Werner Bastin: … von der Ehefrau – das ist der Klassiker: die Frau macht die Buchführung. Oder eben der Ehemann, wenn die Frau den Betrieb führt. Ganz egal aber, wer es im Endeffekt macht: Dieser Bürokratiewust ist eine Katastrophe. An einer Stelle baut er ab, und an drei Stellen kommt Neues.

 Was entgegnen sie dem Vorwurf, die Handwerkerkosten seien zu hoch?

Werner Bastin: Eine perfide Diskussion. Die Lohn- und Lohnnebenkosten sind das Problem! Nicht, dass ich falsch verstanden werde. Es ist völlig legitim, dass Mitarbeiter höhere Löhne bekommen. Nur: Dann muss der Betrieb auch seine Stundenverrechnungssätze erhöhen. Er hat gar keine andere Chance, diese Mehrbelastung auf die Kunden umzulegen. Denn in den Verrechnungssätzen sind alle Betriebskosten enthalten. Und wo soll ein Handwerker sparen? Am Einkauf kann er nicht groß sparen? Er kann ja keine Großmengen abnehmen, da er seine Kunden individuell bedient und nicht am Fließband abfertigt.

 Ist die Zahlungsmoral hier in der Region ein Problem?

Werner Bastin: Wenn das so wäre, dann hätten wir nicht so viele erstklassig positionierte Betriebe. Nein, der weit überwiegende Teil unserer privaten und auch  gewerblichen Auftraggeber zahlt glänzend. Öffentliche Auftraggeber brauchen meist etwas länger, das liegt aber an ihrer längeren Prüfdauer. Bei 1200 Inkassoverfahren in unserem Kammerbereich pro Jahr ist schlechte Zahlungsmoral wirklich nur ein Randproblem. Und wenn, dann sind es eher die Leute, die sich einen Sport daraus machen, die Rechnung nur teilweise zu bezahlen: statt  325 Euro überweisen Sie ihrem Handwerker z. B. nur 300. Sie kalkulieren damit, dass der Handwerker wegen 25 Euro keinen Aufstand macht. Solchen kleinen Summen hinterherzurennen ist aber ausgesprochen lästig und zeitaufwändig. Umso erfreulicher wirklich, dass die allermeisten Kunden  vorbildlich zahlen: Es gibt welche, die fahren persönlich zum Betrieb und bringen den Scheck vorbei.

Das Interview führte Silvia Rinke

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