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Kreispolizei widerspricht: „Haben nicht zu wenige Leute“

Ist die Polizei im Kreis Unna unterbesetzt? Angesichts der regelmäßigen Einbruchs- und jüngst Vandalismusberichte fällt diese Vermutung in den Leserdiskussionen immer häufiger – doch der  Sprecher der Kreispolizeibehörde wies sie am Wochenende gegenüber unserer Redaktion deutlich zurück.

Ob die Polizei im Kreisgebiet zu wenige Leute hat, fragten wir? „Haben wir nicht“, antwortete Ralf Hammerl, Polizeisprecher in Unna.

Aufgekommen war die Frage akut nach dem zweiten Einbruch in kurzer Folge im Bastel- und Malgeschäft Strathoff an der Wasserstraße in Unna. Margarethe Strathoff, die frühmorgens um 2.40 Uhr von lautem Geschepper aus dem Schlaf gerissen wurde, sah noch zwei Männer davonrennen, dunkel gekleidet und mit Rucksäcken, die kurz zuvor mit Brachialgewalt mittels Gerüststangen die Schaufensterscheibe eingeschlagen hatten. Die Beute war vergleichsweise lächerlich, ein paar Wasserpfeifen und weitere Artikel aus der Auslage.

Jedenfalls war Margarethe Strathoff einigermaßen schockiert, als – freilich schnell nach ihrem Anruf unter 110 – nur eine einzige junge Polizistin bei ihr erschien, um den frischen Einbruch aufzunehmen. „Wie hätte diese junge Frau denn allein mit den Täter fertig werden sollen, wenn sie sich noch in der Nähe aufgehalten hätten?“, rätselt die Geschäftsfrau, „mir hat diese junge Polizistin richtig leid getan!“ Das muss sie nicht, versichert Polizeisprecher Hammerl.

„Wir haben sofort nach der Meldung drei Fahrzeuge mit sechs Leuten geschickt. Die Kollegen waren aber in Zivil und fahndeten sofort im Umkreis des Geschäfts nach den Tätern. Es macht keinen Sinn, dass sechs Polizisten betroffen auf ein eingeschlagenes Schaufenster blicken.“ Gefasst wurden die Täter trotz sofortiger Nahbereichsfahndung bisher nicht. Einer unserer Leser, der die beiden Kriminellen mitsamt Fahrzeug möglicherweise vor der Tat sah, teilte seine Beobachtung auf unsere Bitte der Polizei mit, bisher ist noch nicht bekannt, ob der Hinweis zu den Tätern führte.

Ebenso unbekannt sind bis dato die Vandalen, die gestern Nacht ca. 50 Meter Stahlbauzaun an der Hospiz-Baustelle an der Klosterstraße umwarfen, oder auf jene Rowdies, die vor vier Wochen einen Zug der Zerstörung durch die ganze Innenstadt veranstalteten und dabei sogar Stehtische in Schaufensterscheiben schmetterten. Bis heute rätselt auch die Polizei darüber, wieso niemand dieses Getöse früh um 1 Uhr gehört haben will.

Bauzaun umgekippt Kolpingstr

Vandalismus gestern Nacht an der Baustelle fürs Hospiz, Ecke Klosterstraße/Kolpingstraße. Ca. 50 Meter stählerner Bauzaun wurden umgeschmissen. Der Inhaber des Geschäfts „Körbchen“ an der Masssener Straße klagt darüber, dass in derselben Nacht sein Briefkasten demoliert wurde.

Wie ist die Polizei fürs Kreisgebiet ausgestattet (ausgenommen Lünen, das zur Direktion Dortmund gehört)?

Laut Ralf Hammerl mit 3 Streifenwagen an der Wache Unna, 3 an der Wache Kamen, jeweils 2 in Schwerte und Werne.

Fröndenberg hat nur noch eine teilbesetzte Wache, die Ruhrstadt wird außerhalb der Dienstzeiten von Unna aus mitversorgt. An dieser Regelung gibt es unter Fröndenbergern immer wieder Kritik – so auch gerade aktuell am heutigen Sonntag wieder: Da die Polizei bei einer abendlichen oder / und wochenendlichen Alarmierung erst über zehn Kilometer von Unna nach Fröndenberg fahren müsse, dahin seien die Ganoven – wie heute Nacht beim erneuten Einbruch im Juweliergeschäft Wiek – beim Eintreffen der Streife längst über alle Berge.

Zum Thema Präsenz: Die Streifenwagen fahren, so wie ihr Name impliziert, Streife in ihren Einsatzstädten, können dabei natürlich nicht überall gleichzeitig sein. Dies betonte die Polizeipressestelle bereits bei der Serie von BMW-Aufbrüchen im März / April. Bei Großeinsätzen herrscht zuweilen ebenfalls akute Personalknappheit. Die sei aber eben immer „akut“ und keineswegs „chronisch“.

Die Kreispolizei bittet grundsätzlich alle Bürger, nicht wegzusehen und wegzuhören, sondern verdächtige Beoachtungen umgehend unter 110 zu melden. „Je schneller wir von einer Tat erfahren, desto größer ist die Chance, dass wir die Täter fassen.“


 

Eine aktuelle Reaktion der CDU Oberstadt vom heutigen Sonntagmittag: http://rundblick-unna.de/cdu-schaltet-landrat-wegen-vandalismus-ein-polizei-muss-mehr-tun-versammlung-geplant/

Kommentare (29)

  • Martina Ta via Facebook

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    ….fragt doch mal nach was man machen soll wenn man genau weiß, dass die Polizei bis zum eintreffen mindestens 10-15 Minuten braucht….bis dahin sind die doch längst weg wenn man nicht gegensteuert, oder?

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Martina – man soll defensiv beoachten und nicht tollkühn den Helden spielen. Tja, das sagt sich alles so leicht… :-/

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    • Martina Ta via Facebook

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      keine Bange…. aber man muss ihnen es so schwer wie möglich machen, kostet zwar Geld, aber bisher „TOI TOI TOI“ hat es geholfen :-)

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  • Helmut Brune via Facebook

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    Kann man verstehen, finde ich. Auf jeden Fall gut, daß das Interview hier veröffentlich wird. Das könnte zu mehr Verständnis bei den Lesern führen.

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    • Martina Ta via Facebook

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      also ich habe schon lange Verständnis für die Polizei, die können bei der Anzahl an Verbrechen einfach nicht überall sein…das steh ich zu!

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  • Tobias Habekost via Facebook

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    Natürlich MUSS die Kreispolizei behaupten, daß ausreichend Personal vorhanden ist – alles andere wäre eine Einladung an die Ganoven, sich noch mehr im Kreis Unna und vor allem seinen „Randerscheinungen“ (z. B. Fröndenberg) bedienen zu können, ohne Gefahr zu laufen, erwischt zu werden…

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  • Willi

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    Wow 10 Streifenwagen für eine Fläche von Ca. 430 Km² da können wir uns ja sicher fühlen

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  • Sabine Neuhaus via Facebook

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    Ich habe grössten Respekt vor der Arbeit der Polizisten/-innen, die versuchen, mit wenig Personal das Beste zu leisten und Überstunden ohne Ende leisten. Beschwerden über zu wenig Polizei sollten an den Innenminister gehen, der für Neueinstellungen zuständig ist. Aber bei dem wurde bestimmt noch nie eingebrochen! Und manch Mitbürger sollte vorher überlegen, ob es jedesmal nötig ist für jeden Quatsch die Polizei zu rufen….

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  • Edmont Dantés via Facebook

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    Jetzt mal im Ernst,wenn ein Schüler eine Klassenarbeit vergeigt,und man fragt ihn warum,sagt er dann: weil ich zu dämlich bin?

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  • Andre Sander via Facebook

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    Das sehen die Beamten, mit den ich gesprochen habe, komplett anders. Auch das NRW Innenministerium schrieb mir, das in den nächsten Jahren die Zahl der Anwärter aufgestockt wird. Das bedeutet aber nicht, das zwangsläufig mehr Polizisten die Laufbahn ausüben. Fakt ist, die Polizei im Kreis Unna ist komplett unterbesetzt. Allein für Schwerte Fröndenberg und Holzwickede stehen nur zwei Fahrzeuge mit Besatzung zur Verfügung. Wenn allerdings auf der Autobahn ein Unfall passiert, können auch diese Fahrzeuge abgezogen werden. Wenn das, aus Sicht der Kreispolizeibehörde ausreichend ist, stelle ich mir ganz andere Fragen.

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  • Re Gina via Facebook

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    Bei der Polizei soll es doch auch bald Personaleinsparungen geben, habe ich irgendwo gelesen. Also noch weniger Polizeibeamte. Und die restlichen Polizisten haben dann für „Bagatelleinsätze“ kaum/keine Zeit mehr. Das heißt, es können noch mehr Straftaten verübt werden…..Polizei kommt erst, wenn alles zu spät sein kann……..Tatsache ist, dass wir mal mehr als eine Stunde auf die Polizei warten mussten, weil eine Beamten/Streifenwagen frei waren. Irgendwo war ein Großeinsatz und alle mussten hin. Das heißt, für unser Problem war keine Zeit und kein Polizist konnte kommen…..Was soll man also im Notfall tun, wenn kein Beamter/Streifenwagen frei ist ? Die Feuerwehr rufen ? Achtung : Ironie —> Oder lautstark (am besten mit Megaphon) „Frei-Bier“ schreien, damit genügend Nachbarn zusammen kommen, um eventuell so die Täter von ihrem Vorhaben abzuhalten ?

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  • Ildi Bildi via Facebook

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    …tja,warum passiert dann so wenig von der polizeilichen Seite!

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  • unna1983

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    In Zukunft werden immer mehr Polizeibeamte eingespart. Streifenwagen auf den Straßen immer weiter reduziert. Und bei Notfällen kann essentiel deutlich länger dauern.

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  • cyber007

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    Deutlich weniger Polizisten in Zukunft im Kreis Unna. Deutlich weniger Streifenwagen auf den Straßen. Immer längere Wartezeiten. Auch im Notfall. Nur noch ein Polizist im Funkwagen unterwegs im Streifen und Einsatzfall. Das ist die ferne Zukunft der Polizei in NRW besonders im ländlichen Bereich. Ich freu mich drauf.☺??

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  • NRW PATRIOT

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    In Zukunft sollen ja mehr Polizisten ausgebildet werden als bisher ausgebildet werden. Aber da es nicht ausreichend Geld, ausreichend Material und ausreichend Plätze gibt, stelle ich mir die Frage, wieso man nicht ehrlich sagt, es wird langfristig nicht mehr Polizisten geben. Das ist alles nur Schönrederei um die Medien und die Bevölkerung zu beruhigen. Aber die Realität sieht ganz anders aus. Und das merkt man spätestens in wenigen Jahren. Zu wenige junge Polizisten aber umso mehr ältere und alte Polizisten. Das sieht man ja öfters schon heutzutage. Wenn ein älterer Polizist alleine Streife fahren muss, weil kein Kollege verfügbar ist. Herr Jäger sollte mal die Wirklichkeit ehrlich einsehen und Klartext sprechen.

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  • Dieter

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    Also immer diese schönen Scheinheiligkeiten. Gut, wenn man 1900 neue Polizisten pro Jahr einstellt muss man auch wieder die 8-10 Prozent Abbrecher und Durchfaller mit berechnen. Dies wird natürlich nicht gemacht, da die Polizei ja jeden auch wirklich einstellen möchte, der sich meldet. Mit der 10 Prozent Quote wären es dann wieder grob 200 Polizisten weniger und dann kommt man wieder auf nur noch 1700 pro Jahr. Also wieder weniger als notwendig wäre. Außerdem gibt es auch noch Abgänge, die nicht in der Berechnung einfließen. Würde man 2000 oder 2200 Polizisten einstellen, wäre das Problem behoben aber diese Größenordnung ist vor allem finanziell nicht zu verwirklichen. Schönrederei war schon immer ein Zweck des Erfolges im Misserfolg.

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  • Igor

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    Die ganze Polizei in NRW ist unterbesetzt. Es sollen ja ganz viele Polizisten eingestellt werden, aber werden eh nicht, weil die Politik auch zukünftig bei der Polizei sparen will und wird.

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  • Sebastian K.

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    Igor hat vollkommen recht. Er sieht die Realität absolut im richtigen Blickfeld. Die Politik verspricht mehr Polizeistellen zu schaffen, aber dieses wird auch langfristig nicht passieren, da man schon beschlossen hat, die Stellen bei der Polizei weiter abzubauen. Also Schönreden kann ich selber auch vieles wenn andere dich auf etwas freuen, dieses aber nicht sehen bzw. bekommen werden.

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  • jöergen

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    Scheiss verdammte Lügner. Hauptsache ihre Diäten werden nach Lust und Laune erhöht aber Geld für mehr Polizeistellen gibt es nicht. Immer weiter Personal abbauen und den Beruf weiter unattraktiver gestalten. So soll es wohl sein. Naja. Fehlen mir die Worte. Die Politiker checken einfach nichts. Nicht mal nach dem viele Wohnungseinbrüchen spielen die schön alles runter. Jäger und die KPB Unna lügen uns was vor. Keiner ist besser. Leute schützt euch selber, von IHRER Polizei ist nicht mehr viel zu erwarten.

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  • Florian

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    Die Kreispolizeibehörde ist mit Sicherheit unterbesetzt. Fast 6 Prozent zu wenig Beamte. Und mit den neuesten Einstellungen des Herrn Jägers wird sich keine Besserung des Personals ergeben. Der Wille und die Intelligenz der Politiker fehlt wohl an vielen Stellen. Nunja. Man nehme was man bekomme.😅😅

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    • Redaktion Rundblick-Unna.de

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      Das Thema scheint Sie umzutreiben, Florian – zahlreiche andere Bürger auch, auch wenn diese nicht so unermüdlich schreiben, aber umtreiben tut es sie.

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  • Florian

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    Naja es geht. Eigentlich können wir alle nicht viel bewirken. Es wird in der Politik entschieden. Aber wenn der Weg so weitergeht wie bisher, will kaum noch jemand zur Polizei. Dann lieber woanders hin und sich besser fühlen. Nur irgendwann haben wir eine sehr veraltete Polizei und dann wird man auch dann nicht den ernst der Lage erkennen. Vielleicht geschieht ein Wunder und alles wieder besser.

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    • Redaktion Rundblick-Unna.de

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      Wunder geschehen… manchmal.. schönen Abend, Florian!

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  • Florian

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    Liebe Redaktion,

    was habe ich heute gelesen. Die Kreispolizeibehörden müssen mit weniger Personal in den nächsten Jahren auskommen als vorher. Wieso? Weil Schwarz Gelb ja mehr Beamte versprach aber doch nun weiter Stellen streicht. Habe ich schon wieder vermutet. Neue Regierung und alte Milch. Innenminister Reul lässt keine Kritik zu. 🙈🙈🙈🙉🙉🙊🙊🙊

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  • Florian

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    Danke für den Link. Nein der Artikel war mir neu. Es entsetzt doch wirklich, dass bald die Kriminalpolizei auf Streife gehen soll. Laut Schwarz Gelb soll es doch viel besser werden. Nunja. Wer das glaubt.😅

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