Rundblick-Unna » Königsborner Pfarrerin kritisiert Unnaer Politik: „Kirche ist nicht allein in sozialer Verantwortung“

Königsborner Pfarrerin kritisiert Unnaer Politik: „Kirche ist nicht allein in sozialer Verantwortung“

„Wir helfen den Menschen, wo wir können. Wir haben das in all den Jahren gerne gemacht. Aber wir tragen als Kirche nicht allein die soziale Verantwortung!“ Das sagt, sehr deutlich und hörbar verärgert, Pfarrerin Hannelore Hollstein (Bild) von der Evangelischen Kirchengemeinde Königsborn.

Und sie spricht Klartext an die Adresse der Lokalpolitiker:  „Politisch geschieht seit Jahren nichts, um die soziale Not im Stadtteil zu lindern. Bei uns steht das Elend vor der Tür. Wir tun alles, was in unseren Kräften steht.“

Aber dass die Kirchengemeinde „dann noch die moralische Keule bekommtausgerechnet von der SPD, die sich dem Sozialen verpflichtet fühlt – das tut besonders weh“, macht Hannelore Hollstein ihrem Ärger und ihrer Verletztheit Luft.

Hintergrund sind Äußerungen aus dem Königsborner SPD-Vorstand: Dieser hatte die Kirche vorige Woche in einem Pressebericht an ihre humanitären Aufgaben im Stadtteil ermahnt. Wie berichtet, wird die Kirchengemeinde ihr Gebäude an der Fliederstraße aus Kostengründen aufgeben müssen – die Tafel Unna, die dort ihre zentrale Ausgabe betreibt, hat deswegen zum 30. September ihre Kündigung bekommen. Und auch das Kinder- und Jugendhaus Taubenschlag an der Kamener Straße kann die Kirchengemeinde aus Kostengründen nicht weiter betreiben; die Jugendeinrichtung läuft deshalb zum 1. Juli kommenden Jahres aus. Immerhin ist es aktuell als mögliche neue Tafel-Unterkunft im Gespräch, das muss eine Begehung in der folgenden Woche klären.

Taubenschlag Köbo

Aufgabe Mitte 2016: das Kinder- und Jugendhaus Taubenschlag an der Kamener Straße.

 

Pfarrerin Hollstein, die Königsborn als eine von vier Hauptamtlichen mit hohem persönlichem Engagement seelsorgerisch betreut -gemeinsam mit den Pfarrerinen Susanne Stock und Katrin Cametta sowie Pfarrer Andreas Taube – unterstreicht mit Nachdruck die gesellschaftliche Gesamtverantwortung für größten Stadtteil.

„Hier in Königsborn lebt die Not“, weiß sie. „25 Prozent der Menschen beziehen Hilfeleistungen!“ Sprich: Jeder vierte Königsborner ist bedürftig. Er ist arm. „Im Unnaer Süden wohnt die Armut nicht. Sie wohnt hier bei uns. Sie steht bei uns vor der Tür“, warnt die Pfarrerin, in Sorge vor einer bedrohlichen sozialen Schieflage in Unna. „Wir sind an den Grenzen unserer Möglichkeiten.“

Aus der Politik kann die Kirchengemeinde bisher keinerlei Unterstützung erkennen: weder von der SPD, die das Soziale, noch von der CDU, die das Christliche im Namen führt.

 

Kommentare (5)

  • Kirsten Hoffmann via Facebook

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    Recht hat sie!!!!

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  • Hans Bergmann

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    Tse tse.
    Hat doch die soziale Partei gerade in Königsborn seit Jahrzehnten die satte Mehrheit. Haben die Kümmerer nichts getan ? Und die jahrelange Cdu Vertreterin für Königsborn hat dort doch nicht gewohnt und wusste deshalb nicht, was da passiert. Also wundert Euch doch nicht.
    Angeblich hat Herr Laaser doch große Gespräche mit allen geführt. Oder stimmt das etwa nicht ?!? http://www.spd-unna.de

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  • Petter Uhlenbusch

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    Ja, traurig aber wahr, das steuerliche Füllhorn geht zu Neige. Woher soll das Geld denn noch kommen? Die Steuerabgaben sind zumindest in Unna schon voll am Anschlag. Das Problem liegt da, wo die Kirche es bestimmt nicht sehen möchte; Die unendlichen Finanzierungswellen für Griechenland und die ausufernde Aufnahme von Flüchtlingen und solchen die es vorgeben zu sein. Das kann sich doch jeder an seinen zwei Händen ablesen, das diese Art der Miß-Wirtschaft/Politik irgendwann bis unten hin (bis Unna) durchschlägt. Willkommen im „Jetzt“… und besser wird es nie mehr werden.

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  • Schwede

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    Bravo,Hannelore! Mein Kompliment für deinen Mut, das endlich mal auszusprechen!
    Wenn man an seine Grenzen kommt und weit darüber hinaus, dann muss man leider irgendwann Konsequenzen ziehen. Vielleicht wird sich die Politik dann mal auf ihre eigene soziale Verantwortung zurückbesinnen. Es wurde ja viel eingespart in den letzten Jahren. Ich sag z. B. nur „Schwimmbäder?!“

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  • Anette Kaufmann

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    Frau Hollstein hat nicht nur recht, ich finde es ist bitter, dass nicht alle Gemeinden lautstark die Verantwortung der Kommunen für die Armen in unserer Mitte einfordern! Schlieβlich ist auch das ihre Aufgabe ………. sich in jeder Form um die Notleidenden kümmern!

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