Rundblick-Unna » Kirche in Wehmut: Schon wieder Abschied nehmen – diesmal vom Bonhoefferhaus

Kirche in Wehmut: Schon wieder Abschied nehmen – diesmal vom Bonhoefferhaus

Am Ende wurde das hölzerne Kreuz von seinem Platz über dem Altar abgenommen und zusammen mit weiteren vertrauten Gegenständen – den schlichten Abendmahlskelchen, der bunten Kerze der Krabbelgottesdienstkinder – langsam aus dem Saal getragen.

Entwidmung BonhoefferhausEntwidmung Bonhoefferhaus

Zum dritten Mal in drei Monaten musste die Fröndenberger Kirchengemeinde Abschied nehmen. Erst von Pfarrer Hartmut Görler, dann von Pfarrer Achim Heckel und am heutigen Sonntag vom Bonhoefferhaus. Das Gemeindehaus auf der Hohenheide wurde in einem letzten Gottesdienst „entwidmet“ und ist damit kein kirchliches Gebäude mehr. Die Gemeinde gibt es, kein leichter Entschluss, auf, ebenso wie das Haus der Mitte in Stentrop.

Entwidmung Bonhoefferhaus

„Eine Entwidmung ist keine schöne Aufgabe“, bekannte Pfarrer Hans-Martin Böcker aus Kamen stellvertretend für Superintendentin Annette Muhr-Nelson. „So schmerzhaft dieser Tag aber ist: Wir nehmen Abschied von einem Gegenstand. Von einem Gebäude, von Steinen. Kirche,  das sind wir,  als Gemeinschaft von Menschen.“

Von guten Mächten wunderbar geborgen… die berühmten Verse Dietrich Bonhoeffers, der dem Gemeindehaus auf der Hohenheide den Namen gab, wirken tröstlich und ermunternd, gab Böcker der Gemeinde auf den Weg. Seine Predigt hielt er als „Plädoyer für die Bedeutung des Abschieds“: Jeder Neuanfang könne nur gelingen, wenn man zuvor bewusst Lebwohl gesagt habe.

Doch sein Eindruck, so Böcker, sei eher der, „dass wir heute eher Abschied vom Abschied nehmen“: Selbst Bahnhöfe – früher klassische Orte tränenreichen Abschieds mit flatternden Taschentüchern im Wind – böten inzwischen kaum noch Gelegenheit dazu. „Händchenhalten durch geöffnete Zugfenster ist gar nicht mehr möglich; entweder sie lassen sich nicht mehr öffnen – in den modernen Zügen – oder sie klemmen.“

Entwidmung Bonhoefferhaus

Ein bisschen Fröhlichkeit schwang also schon mit in diesem schlichten, ruhigen Gottesdienst, in dem Pfarrer Böcker und Pfarrerin Janine Hühne einem breiten Spektrum von Empfindungen Raum gaben: Trauer (auch mit Unverständnis, ja Wut gemischt, erkannte die junge Pfarrerin an), aber auch Hoffnung darauf, dass etwas Gutes kommt.

Und vor allem Dankbarkeit für die schöne und erfüllende Zeit: 26 Jahre wurde im Bonhoefferhaus Gemeinde gelebt – mit Singen und Beten, in Gottesdiensten, Festen, Konzerten und nicht zu vergessen einer umfangreichen Jugendarbeit.

Alle Gruppen – auch dies ein Trost – haben neue Räumlichkeiten gefunden. Die lebendige Gemeindearbeit kann also weitergehen. Nur eben in anderen Gebäuden.

Entwidmung Bonhoefferhaus

In einer Zeit des Aufbruchs wurde das Bonhoefferhaus vor 26 Jahren unter großer Beteiligung Ehrenamtlicher gebaut und am 11. Juni 1988 als evangelisches Gemeindehaus eingeweiht. Die emsige Bautätigkeit auf der Hohenheide hatte einen neuen Stadtteil hervorgebracht und mit ihm den Wunsch nach einer eigenen Predigtstätte. Aufgrund der demografischen Entwicklung sowie der schwierigen finanziellen Lage beschloss die Gemeinde in einem zweijährigen Prozess, sich vom Bonhoefferhaus sowie dem Haus der Mitte in Stentrop zu trennen. Beide Gebäude werden neuen Bestimmungen zugeführt. Die Gemeindearbeit konzentriert sich künftig auf das Gemeindehaus Stift.

 

 

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