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Keine Tafel im Taubenschlag – und noch zwei weitere Optionen in Königsborn zerschlagen

Rückschlag für die Tafel. Auf ihrer Suche nach neuen Räumen für die zentrale Lebensmittelausgabe zerschlugen sich am Wochenende gleich drei Optionen. Alle drei Objekte liegen zentral in Königsborn – in Wunsch- und Ideallage der Tafel: das Kinder- und Jugendhaus Taubenschlag (Kamener Straße), der frühere Lidl und der frühere Aldi-Markt (beide an der Dorotheenstraße). „Keine der Immobilien kommt für uns in Frage. Leider“, bedauerte die ehrenamtliche Tafel-Chefin Ulrike Trümper am Samstagnachmittag gegenüber unserer Redaktion.

Die beiden früheren Discounter-Gebäude werden verkauft; das eine für 300 000, das andere für 500 000 Euro. „Das ist natürlich für uns utopisch“, erklärte Ulrike Trümper, nachdem sie mit beiden Eigentümern Gespräche geführt hatte.

Königsborn Ortsschild

Wunschstandort der Tafel ist und bleibt Königsborn. Der größte Unnaer Stadtteil hat den mit Abstand größten Anteil an Hilfeempfängern: Jeder vierte Bewohner bezieht Sozialleistungen bzw. zählt zum Bedürftigenkreis. Nur in Königsborn bietet die Tafel, die zehn Ausgabestellen kreisweit von hier aus beliefert, zwei Lebensmittelausgaben pro Woche an. Die Behinderten und Älteren, sagt Tafel-Chefin Ulrike Trümper, würden sonst in der Masse der Wartenden buchstäblich unter die Räder kommen.

 

Als Utopie erwies sich leider auch die verlockende Idee „Tafel im Taubenschlag“. Mit einem Architekten, den übrigens Unnas Grüne der Tafel kostenlos zur Verfügung gestellt hatten, besichtigten die Ehrenamtlichen am Freitag ausführlich den Altbau an der Kamener Straße. Dessen bisherige Nutzung als Kinder- und Jugendhaus wird die Evangelische Kirchengemeinde Königsborn zum 30. Juni 2016 aufgeben. Das 100 Jahre alte Gebäude schien ideal zu passen, gerade auch weil es so zentral an der Hauptverkehrsstraße liegt.

Doch bei der Begehung mit dem Architekten stellten sich die anfänglichen Befürchtungen der Tafel-Chefin leider als berechtigt heraus. Die Sanierungskosten wären nicht zu stemmen. „Allein für eine neue Treppe müssten wir 15 000 Euro einrechnen“, zählt Ulrike Trümper nur einen Kostenblock von vielen auf. „Die elektrischen Leitungen müssen komplett erneuert werden, weil die vorhandenen für unsere Lebensmittelkühlung nicht ausreichen. Dazu kämen weitere Sicherheits- und Brandschutzauflagen.“ Zudem habe sich das Gebäude bei der Innenbesichtigung kleiner herausgestellt als gedacht. „Es würde eng“, bilanziert Ulrike Trümper.

Dass es mit dem Taubenschlag nicht klappt, findet sie auch persönlich sehr schade, da sich in den charmanten Altbau schon verliebt hatte. „Aber so ist es im Leben. Nicht jede Lösung, die einem scheinbar auf dem Tablett präsentiert wird, stellt sich am Ende dann auch als realisierbar heraus“, zieht die Tafel-Chefin realistisch Bilanz dieser Häufung von Fehlschlägen.

Die Politik in Königsborn kümmert sich jetzt immerhin. Die beiden großen Parteien scheinen wach gerüttelt zu sein, bestätigt Trümper. Mit Rudolf Fröhlich, dem neuen Vorsitzenden der CDU-Ortsunion Königsborn, hatte sie bereits ein Gespräch und für Montag ein weiteres ausgemacht. „Es ist das erste Mal überhaupt, dass die CDU auf uns zugeht, schon allein das finde ich bemerkenswert“, zeigt sich Ulrike Trümper dankbar für die Unterstützung. Auch mit Sebastian Laaser (SPD) stehe sie in Kontakt: „Er konnte mir bei unserem letzten Gespräch versichern, dass unsere Überlegung, notfalls nach Lünen zu gehen, problemlos umzusetzen wäre.“

Rudolf Fröhlich

Versucht zu helfen: Rudolf Fröhlich (CDU).

Wolfram Kuschke und Team im Landtag Düsseldorf

Sondiert ebenfalls Möglichkeiten: Sebastian Laaser (SPD).

 

Mit Lünen – wo eine passende Immobilie zu guten Konditionen zur Verfügung stände – hat Trümper allerdings selbst große Probleme: „Wir müssten hier sämtliche Strukturen aufgeben, die wir uns  in den ganzen Jahren in Unna und speziell in Königsborn aufgebaut haben“, nennt sie die gravierenden Konsequenzen eines Wegzugs der Tafel. Alle Lieferanten seien auf Königsborn ausgerichtet; alle 30 Tafel-Mitarbeiter – die über das Jobcenter für 1,25 Euro pro Stunde teils seit Jahren engagiert mit anpacken – verlören ihre Arbeit, da Lünen ein eigenes Jobcenter hat. Da nun aber immer mehr Öffentlichkeit für das Problem der Tafel sensibilisiert ist und auch die Politik rührig wird, hofft Ulrike Trümper weiter auf ein gutes Ende.

An die Evangelische Kirchengemeinde – die der Tafel die Räumlichkeiten an der Fliederstraße zum 30. September gekündigt hat – richtet Trümper nur dieses Wort der Kritik: „Ich fand nicht in Ordnung, dass wir die Kündigung so kurzfristig bekamen – nur mit einen halben Jahr Frist. Jetzt ist schon der April halb um. Die Zeit läuft uns weg.“ Gesucht sind Räumlichkeiten möglichst in Unna, idealerweise Königsborn, mit mindestens 500 Quadratmetern nutzbarer Fläche, verkehrsgünstig gelegen und gut zu erreichen von den Kunden der Tafel – und zudem für die Kühlung und Lagerung großer Mengen Lebensmittel tauglich. Bezahlen kann die Tafel – maximal – 1000 Euro Miete im Monat. Damit ist Ende der Fahnenstange.

Kommentare (17)

  • Margarethe Strathoff via Facebook

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    …problemlos nach Lünen umsetzen? Verstehe ich nicht ganz… kann jemand aufklären.?… Hat Frau Trümper ein Angebot aus Lünen oder nicht?

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  • Becker

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    ich war selbst bei der tafel, und es hat mir riesigen spass bereitet mal aus dem alltag raus zu treten. im endeffekt müssen evtl. auch alle ehrenamtliche das segel streichen, weil sie die spritkosten nicht tragen wollen. und soweiter und soweiter. die ganze sache wird einen rattenschwanz nach sich ziehen, die die tafel nicht verdient hat. ich weiss wovon ich rede.

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    • Becker

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      es wir doch wohl eine istitution geben die der emens lebenswichtigen tafel gerechtfertigt wird. es kann doch nicht sein, das brücken, unwichtige kreiselendscheidungen der tafel vor-gezogen werden. sorry, liebe politiker, bzw. LEUTE VOR ORT, das is euer ding.
      es währe schade , wenn sowas den bach runter geht, nur weil geld da eine rolle spielt. man kann mit wenig erreichen, wenn man WILL .

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  • Christian dobrowolski

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    schaut euch doch mal in der dorotheen strasse um, da gibt es doch noch einen leer stehenden raum, das früher die bäckerei uffelsmann hatte. steht schon einige zeit leer. vielleicht ist das ja der passende raum für euch.

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  • Jama To

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    Und wenn es die Option in Lünen wäre, dass hilft kein Menschen aus Unna! Wie sollen Sie hinkommen? Bei diese Benzin oder Bus Preis! Und wenn Wir Menschen (Tafel Kunden uns Benehmen würden, unsere Tabak Kippen nicht überall hin schmeißen unsere Tüten und Resten nicht überall weg schmeißen würden, wäre das Problem nicht vorhanden! Alle geben die Schuld an der Politik! Ich würde mich fragen ob es evtl am Uns liegt! Welche Eigentümer möchte das Dulden? Würden Sie es tun? Das heißt auch die Leute Aufklären! Um Benehmen bitten! Und um Sauberkeit! Die Leute lassen alles was Sie nicht brauchen einfach liegen! Und vor allem die Zigaretten Kippen! Unverschämtheit!

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  • Chrissy Westh via Facebook

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    Optionsmöglichkeit evtl. Zechenstr. – wo früher der Metzger Jokiel war. Wäre das nix???

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  • Fürst

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    Hilfe/Geld für Ausländer sprudeln nur so.
    Hilfe/Geld für deutsche Bedürftige: null.
    Übrigens:
    Es gibt -LEIDER- auch in Deutschland hungernde Kinder!
    Kinder, die ohne Pausenbrot zur Schule müssen.

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  • Rudolf Fröhlich

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    Ich finde es hervorragend, wie hier die Leute versuchen, Hinweise und Tips für mögliche Optionen zu geben. Das stärkt meinen Glauben daran, dass wir alle gemeinsam eine Lösung für die Tafel finden werden. Ich stehe zwischenzeitlich auch im Gespräch mit dem Bürgermeister und mit der Verwaltung, habe das Problem auch in Form einer öffentlichen Anfrage letzte Woche im Hauptausschuss angesprochen. Man hat mit versichert, dass auch die Stadt mit Hochdruck nach einer Lösung sucht und man auch bereits die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) eingeschaltet hat. Es scheint sich was zu regen!

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  • Christel

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    Interessant, was Jama To schreibt.
    Wenn nach der Ausgabe erstmal der „Vorgarten“ gereinigt werden muss. Man las auch viel über Beleidigungen von Tafel Mitarbeitern zB in Dortmund.
    Da wird ein möglicher Vermieter vielleicht fünfmal überlegen, bevor er sich darauf einlässt. Das macht eine Suche nicht leichter.
    Zudem frage ich mich, warum das überhaupt nötig ist. Lebensmittel in Deutschland sind die günstigsten im EU Vergleich, es gibt immer Sonderangebote und reduzierte Lebensmittel zubekommen oder ideologisches Containern an Supermärkten.
    Hat schon mal jemand beim Supermarkt nachgefragt, ob er die Sachen, die entsorgt werden sollen nicht geschenkt bekommt ?
    Eigeninitiative der Betroffenen würde die Herausforderung der Tafellogistik überflüssig machen.

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