Rundblick-Unna » „Keine Abrechnung“, doch klare Worte zum Abschied – Superintendentin Muhr-Nelson wendet sich der Mission zu

„Keine Abrechnung“, doch klare Worte zum Abschied – Superintendentin Muhr-Nelson wendet sich der Mission zu

Jetzt ist sie weg. Auch sie: Im Kirchenkreis Unna geht es momentan gehäuft um Abschiednehmen. Auf den Tag genau vier Wochen, nachdem Annette Muhr-Nelson  den langjährigen Stadtkirchenpfarrer Jörg-Uwe Pehle verabschiedet hatte, nahm die Superintendentin des Kirchenkreis Unnas am Samstagnachmittag selbst Abschied in und von der Stadtkirche. Und sie fand in ihrer abschließenden Predigt ebenso klare Worte des Rückblicks wie am 28. Februar im versöhnenden Verabschiedungsgottesdienst für ihren Pfarrerskollegen.

Zum klangvoll von der Nicolai-Kantorei untermalten Gottesdienst hatten sich Besucher und Würdenträgern aus dem gesamten Kirchenkreis in der Kirche versammelt. Annette Muhr-Nelson verlässt den Kirchenkreis nach elf Jahren zeitgleich mit Pfarrer Jörg-Uwe Pehle nach 20 Jahren: Zum 1. April (Mittwoch) übernimmt sie in Dortmund die Leitung des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung der Ev. Kirche von Westfalen, kurz MÖWe. Dieser Entschluss kam für alle überraschend. Er falle ihr nicht leicht, bekannte Muhr-Nelson, als sie ihren Abschied vor zwei Monaten bekannt gab. Doch sie knüpft mit ihrer neuen Tätigkeit „an Themenfelder an, die mich seit dem Studium begleiten und immer ein Herzensanliegen waren“: die Mission.

Das Wort des Evangelisten vom barmherzigen Samariter, der als einziger dem unter die Räuber gefallenen Schwerverwundeten hilft, griff die scheidende Superintendentin in ihrer Predigt auf. Seit 2004, schilderte sie, begleite sie eine Lithographie von Ernst Barlach – die auch auf dem Text- und Liederzettel des Abschiedsgottesdienstes abgedruckt war. Der Barmherzige kniet vor dem Hilfsbedürftigen, hält seinen Kopf, als wolle er ihn ansehen.

Seit ihren Missionsreisen, sagte Muhr-Nelson, habe sie Bilder von Bedürftigen immerzu vor Augen. Und genau darauf, Bedürftigkeit, zielte ihr Anliegen zum Abschluss an die Gemeinde ab. Wahre Bedürftigkeit, erklärte sie, begegne uns gerade jetzt im Moment angesichts des weltweiten Flüchtlingselend vor Ort in den Gemeinden: Menschen, die alles verloren haben, vor Krieg und Todesbedrohung zu uns fliehen.

Superintendentin Annette Muhr-Nelson

„Immer wieder kommt mir zu Bewusstsein, wie reich wir hier sind, wie sicher.“ Annette Muhr-Nelson wendet sich mit der Leitung des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe) einem Thema zu, das ihr seit ihrer Studienzeit ein Herzensanliegen war.

 

Verglichen damit die vermeintlich argen Sorgen, die uns hier plagen… „Bitte verstehen Sie mich nicht falsch“, appellierte Annette Muhr-Nelson eindringlich an ihre Zuhörer. „Es ist auf keinen Fall die Abrechnung, die ich Ihnen am Ende mitgeben will. Aber mir kommt immer wieder ins Bewusstsein, dass wir hier so reich sind – so sicher sind. Und wir jammern, weil es weniger wird und weil wir aus Kostengründen Häuser schließen müssen. Ich weiß, wie schmerzlich diese Prozesse sind; es tut weh, aufzugeben, was man sich erarbeitet hat.“ In ihren elf Jahren als Superintendentin hatte Annette Muhr-Nelson maßgeblich die Umstrukturierungsprozesse der evangelischen Gemeinden initiiert und vorangebracht. Ihre Aufforderung an die Mitarbeiter und Gemeindeglieder, „fröhlich kleiner“ zu werden, brachte ihr seinerzeit nicht nur Zustimmung ein.  Und doch – zum Evangelium des barmherzigen Samariters zurückzukommen: „Jesus würde dazu vielleicht auch ein deutliches Wort verlieren.“

Die Nachfolge Annette Muhr-Nelsons, die am Samstag im Gottesdienst von Kirchenrat Gerhard Duncker entpflichtet wurde, soll sich in den nächsten Monaten entscheiden. Evtl. wird  zur Sommersynode im Juni eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger feststehen. Das ist aber noch nicht sicher.

Kommentare (2)

  • Rolf Stöckel

    |

    Schade, Unna ist mal wieder um eine warmherzige und kluge Persönlichkeit ärmer. Frau Muhr-Nelson hat großen Respekt für ihre Haltung, ihr Handeln und ihre Entscheidung verdient. Diesen Respekt habe ich auch als Abgeordneter von ihr bekommen. Das galt nicht für alle Vertreter Ihrer Kirche.

    Antworten

Kommentieren