Rundblick-Unna » Kein Zaun um die Flüchtlinge: Grüne wollen Kolter beim Wort nehmen – Landesstelle unbegrenzt für Flüchtlinge nutzen

Kein Zaun um die Flüchtlinge: Grüne wollen Kolter beim Wort nehmen – Landesstelle unbegrenzt für Flüchtlinge nutzen

Keine Einzäunung der Flüchtlingsunterkünfte in der Massener Landesstelle; sowie: mehr und bessere Bürgerbeteiligung. Diese Zusicherungen des  Bürgermeisters wollen die Grünen wörtlich nehmen. „Wir werden Werner Kolters Versprechungen praktisch testen“, kündigt die Partei als Bilanz ihres Neujahrsempfangs vom vergangenen Sonntag an, bei dem erstmals Unnas Bürgermeister  Kolter eine – sehr lange – Gastansprache hielt. (Bericht und Bilder zu der Veranstaltung hier auf Rundblick.)

Landesstelle Massen

Zugleich gehen die Grünen mit ihren Forderungen zur Landesstelle noch weiter: Sie müsse dauerhaft – und nicht nur für zehn Jahre – als Flüchtlingsunterbringung festgeschrieben werden.

Den „etwas anderen Empfang“ mit Gastrede des ersten Bürgers wertet das Grüne Mittwochs-Plenum insgesamt als „rundum gute Vorführung Grüner Politkultur“:  Komplizierte Politik „freudvoll und einsteigbar zu inszenieren“ sei „gerade angesichts des kleinkarierten Hickhacks in den meisten Ratsfraktionen Grüne Aufgabe!“ Fraktionsvorsitzende Charlotte Kunert freue sich sichtbar darauf.

Auch Werner Kolters auffällig Grün-freundliche Rede hat dem Grünen-Plenum – nachvollziehbar – gefallen. „Sein Einstiegsversprechen, dass alle Beschlüsse revidiert werden können; und sein mehrmaliges Wertschätzen von Bürgerbeteiligung müssen jetzt praktisch getestet werden“, fordert die Basis allerdings.

So krankt der „Massen-Kompromiss“ (Kolter will erreichen, dass der vertraglich fixierte Trennwall durch die Landesstelle nicht gebaut wird) aus Sicht der Grünen an seiner Entstehung in „bürgerfernen Schreibtischrunden“. „Nachbessern und Schadensveredelungen kosten Kraft und Vertrauen. Frühzeitige runde Tische sparen Geld und Zeit!“

Ortssprecherin Dorothee Kuckhoff hofft auf langfristige Zukunft von Unnas bundesweit bekannten Ortes gelungener Integration. „Der festgeschriebene Ausstieg in 10 Jahren muss weg!“

Die Grünen freuen sich zwar auf Zusammenwirken mit Bürgerverstand und Bürgermeister.  Allerdings: „Wie würdig ein Ein-Kandidaten-Wahlkampf geführt werden kann, ist auch für Grüns noch schwer vorstellbar…“ – Anmerkung: Es können immer noch zwei werden – die CDU erwirkt zur Kandidatenfrage noch einen Mitgliederentscheid.

Kommentare (5)

  • Anette Kaufmann

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    Die Grünen verstehen unter „Integration“ Isolation und Ausgrenzung! Im Übrigen ist es nicht Aufgabe der Politik, „freudvoll und einsteigbar“ inszeniert zu werden, sondern des Bürgers realen Alltag nach seinen Bedürfnissen zu gestalten! Diese zu erkennen, bedarf es mehr als eines runden Tisches, sofern er denn kommt oder einmaliger Visiten vor Ort. Insbesondere die Grünen mit ihren Forderungen – jetzt z.B. die Einrichtung der Landesstelle über zehn Jahre hinaus, ggf sogar dauerhaft – sollten sich mit dem Leben aller Betroffenen wie Anwohner, Beschäftigte und Flüchtlinge sowie Studenten intensivst beschäftigen und auseinander setzen. Dann müβten sie feststellen, dass sie mit ihrer Politik am Bürger vorbei entscheiden!

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  • Manfred Hartmann

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    Sie drücken Ihre Unzufriedenheit aus. Aber was schlagen Sie konkret vor?

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  • Anette Kaufmann

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    Es ist in erster Linie nicht meine Unzufriedenheit, sondern die Sorge um die Entwicklung unserer Gesellschaft, die mich veranlasst, den Artikel zu kommentieren! Es kann nicht sein, dass unsere Politiker uns glauben machen wollen, die Flüchtlinge würden in der Landesstelle menschenwürdig integriert. Wer mit beiden Beinen im Leben steht und sich menschenfreundlich gibt, der sollte wissen, dass die Flüchtlinge uns als Menschen brauchen, sie müssen nicht nur mit uns reden kônnen, sondern brauchen auch unsere konkrete Hilfe, sich bei uns bzw. In Deutschland insgesamt zurecht finden zu können! Dazu kann ich sie aber nicht isoliert am Rande der Stadt unterbringen, noch dazu in heruntergekommenen Häusern und in so groβer Zahl an einem Ort!!! Zum Beispiel las ich heute Morgen, dass im Dortmunder Westen extra eine leerstehende Schule für die Unterbringung von Flüchtlingen umgebaut wurde, und zwar mitten im Ort! So etwas muβ auch in Unna möglich sein. Und wenn man es ernst meint, dann stehen auch Gelder dafür zur Verfügung, insbesondere dann, wenn 70000 Euro für die Lindenbrauerei aufgebracht werden können! Grundsätzlich aber fehlt mir ein klares Konzept, allerdings nicht nur hier in Unna. Daher sollten sich alle Parteien beim Land und beim Bund für eine verantwortbare Flüchtlingspolitik nicht nur, aber auch besonders in Unna einsetzen, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln! Man sollte keine Politik gegen die Bedürfnisse seiner Bürger machen und statt dessen an seine Wiederwahl denken. Die Folgen sind auf Dauer nichtabsehbar!

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  • Jessika

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    Man kann sich aber nur dann um solche Leute kümmern, wenn sie länger in Unna bleiben. Wenn sie von jetzt auf gleich aus Dortmund kommen, nach ein paar Tagen weiterverteilt werden oder nach dem Asylverfahren abgelehnt werden, ist es für die Stadt sinnlos, sich intensiv um sie zu kümmern. Und wo soll man sie unterbringen, wenn auf einmal 50 kommen ? Dann hat man nicht 30 Einfamilienhäuser zur Verfügung. Man muss sie in Gemeinschaftsunterkünfte bringen. Wer vor Krieg und Lebensgefahr geflohen ist, ist damit erstmal voll zufrieden.

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  • Anette Kaufmann

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    Sicher ist der Mensch glücklich über seine gelungene Flucht, „voll zufrieden“ würde ich das aber nicht einschätzen. Ich glaube nicht, dass wir wirklich beurteilen können, wie sich diese Menschen fühlen und maβe mir diebezüglich kein Urteil an. Tatsache aber bleibt, dass diese Menschen dringend Anerkennung und Zuwendung benötigen, d.h. sie brauchen uns als Menschen! Deshalb muβ ein klares Konzept erstellt werden, um dies zu leisten. Stattdessen wird über „Integration“ und „menschenwürdige Unterbringung“ geredet in dem Bewuβtsein, das sie sowieso bald wieder weiterziehen?! Das kann ich nicht unterschreiben!

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