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Kaufpreis 4 Mio.: Glunz-Dorf in Hamm soll Vorzeigeprojekt städtischer Flüchtlingsarbeit werden

Zu einem „Vorbild städtischer Flüchtlingspolitik“ soll das Glunz-Dorf in Hamm werden. Dafür hat die Stadt rund 4 Mio. Euro investiert und die attraktive Immobilie – Innenstadtlage mitten in einem Park – aufgekauft. Bisher war die Stadt Mieterin der Gebäude, was langfristig aber erheblich teurer geworden wäre, sagte der Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann zu dem Kaufentschluss.

Das Glunz-Dorf besteht aus kleinen Häusern aus Holz und Glas. Diese bieten natürlich deutlich mehr Komfort als Container: Im Keller gibt es Duschen und eine Großküche. Bald sollen bis zu 250 Flüchtlinge in der Anlage im Ahse-Park wohnen. Eine Kita (nicht nur für Flüchtlingskinder) soll die laut CDU-OB Vorzeige-Unterkunft ebenfalls bekommen, dazu wird das bisherige Fitnesscenter im Zentrum des Dorfs umgebaut.

Wie der WDR in einem Bericht erwähnt, habe das Glunz-Dorf in den 90er Jahren „als Vorbild für humane Arbeitsplätze“ gegolten und soll nun eben für die Flüchtlingspolitik von Hamm Vorbild sein. Just als „vorbildlich“ lobte bereits im Frühsommer das gemeinnützige Recherchezentrum „Correctiv“ die Flüchtlingsarbeit in Hamm. Die Geflüchteten und Zugewanderten würden in der Stadt kostengünstig, aber dennoch menschenwürdig untergebracht, heißt es in der Bewertung. Wörtlich schreibt „Correctiv“:

„Was kostet die Unterbringung pro Flüchtling? Diese Frage zu beantworten, sei sein Job, sagt Markus Kreuz, Kämmerer der Stadt Hamm. Als Betriebswirt mit einem Lehrauftrag an der Fachhochschule Münster, war ihm klar: Um die genauen Kosten pro Flüchtling zu errechnen, braucht die Verwaltung … Unterstützung. Die fand Kreuz in einem Team von der Fachhochschule Münster. Zusammen mit der Stadt Hamm stellten sie ein Modell auf und errechneten: Für die Grundversorgung, also Unterbringung, Bewachung, soziale Betreuung und Lebensmittel zahlt die Stadt im Monat pro Person 973 Euro. Ein Fazit von Kreuz: Die Unterbringung in Wohnungen ist in seiner Stadt viel günstiger als in Sammelunterkünften. Aus solchen Schlüssen könnten andere Kommunen lernen.

Dass bisher nur wenige Kommunen ihre genauen Kosten beziffern können, findet Kreuz problematisch, da gleichzeitig lautstark mehr Geld gefordert werde. Er plädiert für eine Endabrechnung mit Bund und Ländern, also denen die die Pauschalen zahlen. Somit könne man unterschiedlich hohe oder geringe Belastungen berücksichtigen. Und keine Kommune bekomme zu viel oder zu wenig. „

Als Negativbeispiel glänzt hingegen unrühmlich die Landeshauptstadt Düsseldorf: Hier lasse sich ablesen,  zu welchen Preisen die Kombination aus angespanntem Wohnungsmarkt und schneller Unterbringungsnot führen könne, kritisiert „Correctiv“. „Während die Stadt pro Person und Monat in angemieteten Sammelunterkünften nur 226 Euro zahlte, waren es in Wohnmodulanlangen 571 Euro im Monat, in Hotels (auch die mietete Düsseldorf an) 1114 Euro pro Person und Monat und in Messehallen, Schulen oder Turnhallen sogar rund 1500 Euro pro Person und Monat. Ausgerechnet die Unterkunftsart, die für die Flüchtlinge die unangenehmste ist, ist auch die teuerste.“

Im Kreis Unna werden derzeit sukzessive ebenfalls wieder Asylsuchende zugewiesen. Selm hat sich in den kommenden Monaten auf bis zu 300 Menschen einzustellen (pro Woche ca 20), Schwerte und Lünen bekommen ebenfalls neue Zuweisungen von der Bezirksregierung Arnsberg. Der Stadt Unna werden die Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) in Massen angerechnet, so dass Zuweisunge in die Stadt selbst bisher nicht erfolgen. Kommen allerdings in der Landessstelle unbegleitete Minderjährige an – die sogenannten UMF – werden diese sofort dem Jugendamt überstellt, das die jungen Leute entsprechend unterbringt. Die Kosten pro unbegleitetem Flüchtling liegen für die Stadt bei rund 5000 Euro im Monat. Derzeit leben ca. 70 im Stadtgebiet.

(Archivfoto)

 

Kommentare (9)

  • Helmut Brune

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    Was ich beim Lesen dieses Artikels denke, stimmt mich nicht gerade fröhlich. Das liegt nicht am Verfasser dieses Artikels sondern an den Zahlen, die darin aufgeführt sind.

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  • Hanno

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    Das wäre doch mal was für die 325.000 deutschen Obdachlosen…ach, die sind es der Merkelpartei und Politik nicht wert….1000 für jeden Obdachlosen, das würde denen auch helfen….

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  • Willy

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    Auf die ersten Berichte von der neuen, bunten Atmosphäre im Park bin ich gespannt. Ich hoffe mal das Beste, wäre prima wenn es klappt.

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  • Dagobert

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    Ich bin mir absolut sicher, dass die kompletten Kosten niemals exakt berechnet werden. Flüchtlinge, die in den Hartz IV-Status fallen, werden nicht mehr als Flüchtlingen gerechnet. Die extrem hohen Behandlungskosten für medizinische Betreuung( z.B. psychiatrische Behandlung in LWL-Kliniken und medikamentöse und ärztliche Behandlung von Tuberkulose, Krätze und Hepatitis) werden verschleiert.
    http://rundblick-unna.de/kreishaushalt-2017-sieht-steigende-belastungen-vor-lwl-umlage-erstmals-hoeher-als-alg-ii-kosten/
    Wenn das Land Steuergelder weiterreicht, werden diese „umgebucht“
    http://rundblick-unna.de/cdu-empoert-rotgruen-in-nrw-behaelt-integrationsgelder-ein-eine-frechheit/
    Außerdem werden Kosten für Gefängnisunterbringung ,Rückführungen, Soziarbeiter, etc. nicht berücksichtigt.
    Bei einer Sache können wir sicher sein: In den nächsten Jahren werden die Steuern massiv steigen und uns wird vorgerechnet werden, dass die Flüchtlinge nichts damit zu tun haben.
    Als Betriebswirt mit Lehrauftrag sollte man auch die versteckten Kosten kennen und benennen können.

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  • Hanno

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    Dagobert, Du hast völlig recht. In Unna wird uns doch auch nicht gesagt, was es kostet, die 100 jugendlichen sogenannten Flüchtlinge, eine Rundum Versorgung zu gönnen. Uns wird auch nicht gesagt, wie viele von denen bereits einer Arbeit nachgehen und auf eigenen Füßen stehen.

    Wie gesagt, ich würe mich freuen, wenn man die Obdachlosen auch in feste Nterkünfte unterbringt.

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    • Silvia Rinke

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      Hanno, die Kosten für die Unterbringung der unbegleiteten Flüchtlinge in Unna sind im Bericht erwähnt.

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  • Silvia Rinke

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    Facebook-Kommentare:

    Christiane Kramer Jahrelang hat man uns vorgegaukelt das kein Geld da sei – für Infrastruktur, Schulen, Kitas, Kultur etc! Die Armutsberichte wurden geschönt und die Bedürftigen bewusst knapp gehalten! Renten sind nur noch ein Witz!!! Und jetzt plötzlich sind Milliarden da für Merkels Gäste…. Man muss kein Mathematiker sein um zu verstehen was gespielt wird!

    Robert Rohmert Freue mich schon auf die Neuen, vielleicht können die ja was…irgendwas….

    Sina Rohmert So ein Bullshit! Da wird Geld ausgegeben, nur weil Flüchtlinge dort zugewiesen sind und im Witten stehen knapp 800 Plätze leer! Das soll mal jemand verstehen… Ist ja nicht deren Geld 😠

    Stefanus Maxus Überall in der BRD ist das so: https://einprozent.de/skandal-in-sachsen-asylindustrie…/

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  • Hanno

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    Ich wollte die Kosten für Unna wissen. Dazu gibts keine Infos der Zeitung.
    Bezugnehmend auf den Kommentar von Stefanus Maxus: In Unna gibts den runden Tisch gegen Gewalt. Den kann man wohl zur Aufzählung hinzuzählen. Auch hier weiß man nicht, wieviel Geld er für seine „Arbeit“ bekommt.
    Erinnert mich irgendwie alles an das Buch „Die Asylindustrie“…..

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    • Silvia Rinke

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      Kosten für Unna kannst du anhand unserer Erwähnung pro einzelnem Jugendlichen doch ausrechnen. Hanno. Was „in der Zeitung“ steht, weiß ich nicht… 😉

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