Rundblick-Unna » Katholische Kirche muss sparen und lässt die Kirche (nicht) im Dorf: „Von lieben Gewohnheiten trennen“

Katholische Kirche muss sparen und lässt die Kirche (nicht) im Dorf: „Von lieben Gewohnheiten trennen“

Fröndenbergs Katholiken müssen den Gürtel enger schnallen. 30 000 Euro sind einzusparen – ohne weiteren Zeitverzug jedes Jahr. Das Gebot der Stunde lautet: „Von lieben Gewohnheiten trennen“.

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Pfarrer Paul Mandelkow wiederholte den Appell gestern Abend im voll besetzten St. Marien-Gemeindesaal so beschwörend, dass er wie ein Mantra klang. Konkret müssen sich die Gemeindemitglieder in Warmen von ihrer Pfarrkirche Christ-König mitsamt Pfarrbüro trennen; das Erzbistum Paderborn übernimmt die Kirche als „Depotkirche“, stellt dort u. a. künftig Kunstikonen aus. Die Hohenheider müssen sich ebenfalls trennen, und zwar von winterlichen Gottesdiensten in der Herz-Jesu Kirche.

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Der Kirchenvorstand sieht sich zu diesen „zweifellos sehr schmerzhaften Einschnitten“ (Mandelkow) gezwungen, um das strukturelle Defizit des Pastoralverbundes aufzufangen „und uns wieder auf Null zu setzen“. Nur so, beschworen Mandelkow und Gemeindereferent Heiner Redeker die skeptisch bis grimmig schauenden Zuhörer, bleibe man handlungsfähig.

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Als schlagendes Argument dienen die Kindergärten, in denen 160 Kinder montags bis freitags qualifiziert betreut würden. Jährlich 5000 Euro Zuzahlungen müsse der Pfarrverbund dafür aufbringen. Jeder gesparte Euro sichere langfristig die Kitas und die caritativen Angebote in den Gemeinden – und all diese Angebote blieben erhalten.

Der Preis erscheint aber namentlich den Palz-Bewohnern unverhältnismäßig hoch. „Zur Sanierung des Gesamthaushalts sollen wir unsere Kirche opfern„, beklagten sich zwei Teilnehmer aus Warmen bitter. Die Aufgabe „ihrer“ Christ-König-Pfarrkirche spart 17 000 Euro im Jahr. „Bei 40 bis 50 Personen, die dort jeden Sonntag zur Kirche gehen, sind 17 000 Euro unverhältnismäßig„, machte Mandelkow seinen Standpunkt unmissverständlich klar. Unverhältnismäßig sei es insgesamt (in Anbetracht des Sparzwangs), für 1400 Katholiken in den Palzdörfern zwei Pfarrheime und zwei Kirchen vorzuhalten. Wenn überhaupt, müsse man hier anfangen.

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In St. Josef wird die 11.30 Uhr-Messe am Sonntag gestrichen – bzw. sie zieht in die St. Marien-Kirche um, die nach dem 10-Uhr-Gottesdienst noch genügend „Abwärme“für nachfolgende Kirchgänger biete. Spart 5000 Euro. Das Pfarrbüro St. Konrad wird aufgelöst (4000 Euro), die Herz-Jesu-Kirche auf der Hohenheide im Winter geschlossen: Sie ist beliebt für Hochzeiten, doch „geheiratet wird im Sommer“, sagt Mandelkow. Zumal: „Im Franz-Stock-Haus brummt es doch weiter. Die Gruppen können und sollen sich wie bisher treffen.“

Der Pastoralverbund gebe über die Hälfte seines Gesamtetats (194 000 Euro) für Personal aus. Und man spare doch besser an Gebäuden als an Angeboten für die Menschen, so die Argumentation. Zumal Christ-König als Kirche ja erhalten bleibe: Man könne froh sein, findet Mandelkow, dass das Bistum an ihr als Depotkirche Gefallen finde. „Die wenigsten gehen rein. Die meisten gucken sie sich von außen an.“

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Trotzdem fühlen sich die Palz-Gemeinden als Verlierer: „Wir werden geopfert, damit andere überleben“, stellte Monika Stute, Küsterin in Christ-König, bitter fest. Und ein weiterer Besucher aus Warmen wandte sich direkt an Pfarrer Mandelkow: „Ich habe auch lieb gewonnene Gewohnheiten: dass ich z. B. jeden Monat Kirchensteuer zahle. Wofür tue ich das, wenn hier nichts mehr ist?“ Die Antwort – verhalten und einen Hauch ironisch – kam aus den Besucherreihen: „Für die Zukunft der Kindergärten.“

 

Kommentare (3)

  • Jama To via Facebook

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    Kirche kassiert soviel Steuern, wäre es nicht Zeit umzudenken! Wenn man sich umschaut was von Luxeriosen Wohnhäuser alle von Pastoren bis Kaplan und Nonnen Bewohnen, was von Autos Die fahren, wenn Die mit dem Zug fahren, dann nur noch erste Klasse! Und nur noch am jammern! Keine redet mehr von den Skandale was geschehen ist! Das Limburger Dom und all die unnötigen Milliarden was ausgegeben sind! Wo ist der Bischof jetzt? Lebt wie Gottes gleichen! Brauchte sich nicht zum Verantworten!

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  • Jama To via Facebook

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    Liste wäre zu groß alles aufzuschreiben!

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  • Steinweger

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    Die heute existierenden Gemeinden haben z.g.T., verantwortungsvolle Mitarbeiter und mehrere gute ehrenamtlich Chargen, welche solch ein Vorkommen, wie in Limburg erkennen und verhindern könnten. Das Limburg kein Einzelfall ist, läßt sich nicht abstreiten, doch wer heute mit offenen Augen das Zeitgeschehen verfolgt, wird nicht verkennen können, dass auf einem hohen Niveau Entscheidungen gefällt werden, welche nicht ohne Verflechtungen, so hätten getroffen werden können.
    Die kath. Kirchen in Fröndenberg haben in einer wohlgesonnenen Zeit gut existieren können, doch was in anderen „Kirchengenossenschaften“ sich bisher getan hat, trifft nun auch Fröndenberg.
    Die kath. Kirchegemeinden in meinem jetzigen Wohnort, wurde aus 6 Gemeinden zusammengefaßt, und von den 6 Kirchen gibt es heute noch 3. Die 3 geschlossenen wurden, mit finanziellen Engpaß und fehlenden Personal“ als Begründung, prunkvoll geschlossen. Wie dem auch sei, die Großgemeinde lebt heute aufschlussreich, offen, mit perspektiven…….. Diese Gemeinde hat sich neu gefunden, welches mit den Worten „weiter so“ , gut zu beschreiben ist!!!
    „Packen Sie es an“in Fröndenberg, es gibt viele Alternativen, die zu erkennen, und nicht immer leicht umzusetzen sind, sollte helfen, Ihren Standort für lange Zeit positiv darzustellen ist, wobei der Grundgedanke für die Zukunft nie außerachtzulassen ist.
    Gutes, für alles offenes , variables Personal, ist für dieses Gelingen jedoch notwendig !!!!!!!!!

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