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Kalter Winter nicht nur für Unnas Kultur: Auch Ringlokschuppen Mülheim blickt in den Abgrund

„Ein kalte Winter für Kultur“, titelt Lindenbrauerei-Geschäftführerin Regina Ranft tief besorgt einen Facebookeintrag vom gestrigen Abend zur Lage der kulturellen Einrichtungen in der Region. Während es heute im Kulturausschuss (17 Uhr, Ratssaal) um die Zukunftsfähigkeit der Lindenbrauerei geht, steht mit dem Ringlokschuppen (Bild) in Mühlheim an der Ruhr noch ein weiteres traditionsreiches Kulturzentrum am Abgrund.

Der Trägerverein des Ringlokschuppens ist – wie voriges Jahr die Lindenbrauerei – akut von Zahlungsunfähigkeit bedroht. Derzeit wird mit Hilfe der Stadt und Fördergremien des Landes fieberhaft an einem Rettungskonzept gestrickt. Auf der Homepage des Ringlokschuppen ist eine eigene Seite für „Solidaritätsbekundungen“ eingerichtet, die rasend schnell vollläuft.

„Angefangen als Soziokulturelles Zentrum, hat sich der Ringlokschuppen in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Produktionshäuser der freien Theaterszene entwickelt“, schreibt der Trägerverein auf seiner Homepage. „Daneben präsentiert er in der Reihe Kultur.Gut Kabarett, Konzerte und Comedy in der Mülheimer Stadthalle. Seit seiner Gründung 1995 war die Kostenstruktur des Vereins prekär“ – Ähnlichkeiten zur Lindenbrauerei drängen sich auf: „Die Aufwendungen für Gebäudemiete, Unterhalt und festes Personal übersteigen seit langem den Betriebskostenzuschuss, den die Stadt mit jährlich 555.000,- € leistet, und mussten entsprechend immer durch Projektmittel ausgeglichen werden.“ Zur Erinnerung: Unnas Kulturzentrum bekommt 199 000 Euro Zuschuss.

Das Minus des Ringlokschuppens beträgt 400.000 €. Der kaufmännische Geschäftsführer Peter Krause ist zurückgetreten, auch der Künstlerische Leiter Holger Bergmann mache „den Weg für einen Neuanfang frei“.

Matthias Frense, wesentlicher Mitinitiator des Theaterprogramms, hat laut Trägerverein „zusammen mit dem Kulturdezernat der Stadt einen einschneidenden Konsolidierungskurs entworfen, um den Ringlokschuppen nach einer Übergangsphase bis 2016 auf eine solide Basis zu stellen. Grundsätzlich sollen die Fixkosten von Personal und Miete durch den städtischen Zuschuss gedeckt werden.“ Bedeutet Personalabbau – von 18 auf 10 „Feste“. „Zu unserem Bedauern müssen langjährige und teilweise Gründungsmitglieder den Ringlokschuppen verlassen, was ein schwieriger und schmerzhafter Prozess ist.“

Ähnlich wie die Lindenbrauerei betreibt der Ringlokschuppen seit mehr als 20 Jahren aktive Kulturarbeit.

 

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