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Jung, wild, herrlich schräg – Open Air: 400 Freiluft-Kinogänger genossen „Young and Wild“

Er ist jung und wild, schrill und schräg, streckenweise zum Schreien witzig und entschieden freilufttauglich: Das entschieden gestern mehr als 400 Open Air-Kinogänger, die am Vorabend zu Christi Himmelfahrt den Platz der Kulturen bevölkerten und ab 20.40 Uhr ziemlich pünktlich allesamt in eine Richtung blickten – weg vom Betontrichter (Turrell-Lichtkunstwerk) in Gegenrichtung auf die Riesenlandwand, vor der die Macher des Films – des besonderen,  Unnaer Films – ihr bestens aufgelegtes Freiluftpublikum zur Abendvorführung  begrüßten.

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Felix Maxim Eller und Karsten Jaskiewicz sind waschechte Unnaer Jungs und haben ihre schräge Komödie im abgedrehten Bang-Boom-Bang-Stil mit Unnaern in Unna gedreht. An Locations kommen z. B. das Hotel Katharinenhof  und das Tanzcenter kx zu Leinwandehren, am Personal tritt gefühlt das halbe Narrenschiff-Ensemble auf: Kathrin Bolle als blondmähnige Femme Fatale mit begrenzter Alkohol-Frustrationstoleranz, Marco Janiel als herrlich schnöseliger kx-Türsteher und verhinderter Tanzball-Rausschmeißer, Carla Miller als aufgedonnerte Straßennutte und Narrenschiff-Regisseur André Decker himself als abgehalfterter Grunge-DJ mit Kippe im Maul, der in „Young and Wild“ unter anderem in Unterhose Auto fährt, natürlich unter Missachtung sämtlicher Verkehrsregeln und etwa dreimal so schnell wie erlaubt. Ob das gutgeht? – Nö. Aber macht Spaß!!!

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Das Zusammentreffen dieses schrillen Vogels mit den drei Abiturienten, die noch ein Mal – ein letztes Mal, bevor´s ernst wird mit Studium und Beruf und der Spaß auf Lebenszeit vorbei ist – so richtig auf die Sahne hauen wollen – passiert mitten in der Nacht: Die drei brauchen nach einer (allzu) ausschweifenden Party mit Alkohol- und sonstigen Exzessen dringend einen Chauffeur, der noch nüchtern ist. Sonst muss der gesuchte Fahrer eigentlich nur Auto fahren können. So kriecht also plötzlich diese seltsame Gestalt namens Tommi aus einem Busch und stellt sich breit grinsend als (wenig Vertrauen erweckender) Fahrer zur Verfügung.

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„Ich kenn´ den irgendwoher!“ – „Ja, vom Fahndungsfoto. Lass uns abhauen!“ – „Stell dich nicht so an, wir brauchen einen Fahrer – irgendeinen!“ – „Ja, aber nicht so ´nen verwichsten Penner!“ Der „Penner“ spielte mal in einer Grunge Band mit dem Namen „Betonierte Rosenbeete“, was alles sagt. Der Film ist zum Wegschreien, wenn man derbe Witze mag und zum Lachen nicht in den Keller verschwindet, auch wenn diese Witze selbst mal unter der Gürtellinie verschwinden. Ein Film, nach dem Männer ihre besten Kumpels erst mal auf eine Kiste Bier einladen und der deshalb perfekt zu Himmelfahrt und Vatertag passt.

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Making of Young and wild:

Mit einem Minimalbudget von 3000 Euro hat Felix Maxim Eller seinen Debütfilm gedreht: Der erst 21jährige Filmemacher konnte seinen Traum vom eigenen Spielfilm durch die tatkräftige Hilfe von Freunden, Kultureinrichtungen und Unternehmen aus seiner Heimatstadt Unna verwirklichen. Seine Uraufführung erlebte der Kinofilm bereits beim wichtigsten Nachwuchs-Filmfestival in Saarbrücken, dem Max-Ophüls-Preis, wo „Young And Wild“ außer Konkurrenz lief. Die 100 Minuten lange Komödie ist von Ellers persönlichen Erlebnissen inspiriert: Drei Abiturienten, einer davon in den Prüfungen gescheitert, verbringen ein letztes gemeinsames Wochenende miteinander, bevor sich die Wege trennen. Zwischen Begegnungen mit Ex-Freundinnen, der Polizei und merkwürdigen Gestalten wird ihre Freundschaft zwischendurch hart auf die Probe gestellt.

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