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Jedes dritte I-Männchen hat Probleme mit Deutsch

Das Ergebnis ist nicht gerade vernichtend, doch es gibt Anlass zur Sorge: Mehr als jedes dritte Kind hat bei der Einschulung Sprachprobleme; und fast zehn Prozent aller Kinder (mehr Mädchen als Jungen) sind teils massiv übergewichtig. Und: Beides trifft Kinder aus interkulturellen Familien weitaus häufiger als ausschließlich deutschsprachige.

Der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst des Kreises Unna hat für diese Ergebnisse die (anonymen) Daten des Einschulungsjahrgangs 2013 vorab ausgewertet. Basis sind die Einschulungsuntersuchungen, die deutschlandweit (als einzige im Schülerleben) Pflicht sind: Die Schulärztin untersucht das Kind dabei gründlich und stellt ihm danach kleine, altersgemäße Aufgaben: um sein Sprachverständnis einschätzen, seine Aussprache, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung sowie seine motorischen Fähigkeiten.

Zwischen September 2012 und Juni 2013 wurden 3252 Kinder untersucht. 113 (3,5 %) wiesen unzureichene Deutschkenntnisse auf. Das erscheint wenig, wenn man zu Grunde legt, dass fast einViertel der Kinder (24 %) Deutsch nicht als Erstsprache sprechen; doch sind es wieder mehr geworden als 2012, als 2,1 Prozent der Kinder Defizite aufwiesen.

Kinder aus interkulturellen Familien sind besonders oft betroffen: 46 Prozent von ihnen haben Sprachauffälligkeiten, erneut drei Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den ausschließlich deutschsprachigen Kindern blieb der Prozentsatz mit 42,5 % relativ konstant. Die Sprachauffälligkeiten waren bei rund 15,5 Prozent aller Kinder eher leicht, doch bei jedem dritten eingeschulten Kind (28 %) so gravierend, dass logopädischer Therapiebedarf besteht – ungeachtet der Muttersprache.

Motorische und Wahrnehmungsschwierigkeiten zeigen Jahr für Jahr ebenfalls immer mehr Kinder: 2010 hatten noch neun Prozent therapiebedürftige grobmotorische Störungen, in diesem Jahr bereits 11,5 %. Außerdem stellten die Schulärztinnen bei etwa 20 Prozent der Kinder Wahrnehmungsstörungen beim Hören und/oder Sehen fest: Wiederum bei besonders vielen Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch war (24 %).

Unverändert hoch ist mit 9,5 Prozent der Anteil übergewichtiger bzw. stark übergewichtiger I-Männchen – wobei ein deutlicher Unterschied je nach Erstsprache besteht: Doppelt so viele interkulturelle wie rein deutschsprachige Kinder waren teils erheblich zu dick. Mehr Mädchen als Jungen übrigens – 11 % gegenüber 8,5 %.

Die meisten interkultureller Einschulkinder gibt es übrigens in in Lünen (36,8 %), Bergkamen (36,7 %) und Bönen (32,9 %), die wenigsten in Schwerte (5,9 %) und Holzwickede (6,6 %). Demzufolge war auch der Anteil der Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen in Bergkamen (9,8 %) und Lünen (4,1 %) am höchsten – in Werne sprachen dagegen nur 0,9 % der Kinder schlecht Deutsch.

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