Rundblick-Unna » Jede Freifläche in Unna weiter nach Schema F zupflastern? Grüne stellen an Hertinger Tor/Brockhausplatz städtebauliche Grundsatzfrage

Jede Freifläche in Unna weiter nach Schema F zupflastern? Grüne stellen an Hertinger Tor/Brockhausplatz städtebauliche Grundsatzfrage

Wohnen auf dem früheren Sportplatz am Hertinger Tor; innenstadtnah wohnen auf einer Fläche, die für Sport nicht mehr gebraucht wird. Dagegen lässt sich schlecht angehen, wissen die Grünen selbst.  „Aber es werden inzwischen alle Freiflächen in Unna zugebaut.“

Kann das zukunftgerichtete Stadtentwicklung sein, fragen sich die Grünen – und geben die Antwort aus ihrer Sicht mit einem entschiedenen „Nein“. Immer alles zubauen – das kann es nicht sein.

Der ehemalige Sportplatz am Hertinger Tor soll für Wohnbebauung vermarket werden, und dasselbe hat die SPD mit dem Brockhausplatz im Sinn. Sie hat vorige Woche im Stadtentwicklungsausschuss den Antrag eingebracht, das Areal an der Weberstraße um den Brockhausplatz zu erweitern. Sprich in eine erweiterte Planung zu gehen und den Komplex als Gesamtfläche zu entwickeln. Dagegen war FDP-Fraktionschef Martin Bick, aber nicht als Freiflächenverfechter, sondern aus Sorge, die Wohnvermarktung käme dann zu schleppend in Gang. Denn der Brockhausplatz, früherer Standort eines Autohandels, müsste zunächst aufwändig auf Altlasten untersucht werden.

Die übrigen Fraktionen können dem Vorschlag von SPD-Ratsherr Ralph Bürger durchaus Charme abgewinnen. Mit ihren generellen Bauchschmerzen wegen der Immerzu-Parole „Freifläche zubauen!“ sehen sich die Grünen allein auf weiter Flur, ähnlich wie schon beim Fall der Baumschutzsatzung für Privatgrundstücke. Nicht allein fand sich Unnas Ökopartei (nicht ganz unüberraschend) im Umwelt- wie Stadtentwicklungsausschuss, als es um die Fällung („zur Sicherheit“) sämtlicher alter Kastanien an der Friedrich-Ebert-Straße ging.

Kastanie Friedrich Ebert STr

Hier gerierte sich die CDU, o wundersamerweise ausgerechnet die CDU,  grüner als die Grünen und lieferte ein leidenschaftliches Plädoyer für den Bestand der alten Baumriesen ab, das nur noch von dem des Freie-Wähler-Chefs Klaus Göldner übertroffen wurde: „Alte Menschen entsorgen wir auch nicht einfach! Statt über diese uralten Bäume zu jammern, sollten wir froh sein, dass wir sie haben!“ Mein Freund, der Baum. Bloß zur Erinnerung, beide, CDU wie FW/FLU, hatten zusammen mit der SPD erfolgreich den Baumschutz für Privatgrundstücke abgesägt. Vielleicht wächst deswegen ja jetzt der Skrupel um den städtischen Baumbestand.

Einerlei wieso, weshalb und warum, die Unnaer Grünen freut diese neue schwarzgrüne Ökokoalition natürlich. Schwarzgrün plus Freie Wähler genaugenommen plus noch ein wenig Piraten und Linkspartei dazu. Doch abgesehen von der Baumfrage kämpft Unnas sieben Köpfe starke drittgrößte Ratsfraktion momentan wie Don Quichotte gegen die sprichwörtlichen Windmühlen, wenn es um Flächenerhalt in der Innenstadt geht.

Michael Sacher Grüne

Ratsherr Michael Sacher, selten um provokante Aussagen verlegen, stellt auf der Homepage der Grünen dezidiert die simple Frage, wieso man freie Flächen nicht einfach mal frei lässt? „Genau solche freien Flächen sind auch innerstädtisch notwendig, nicht um Gewinn damit zu machen, sondern um ganz abstrakt Freiraum zu haben, den Blick schweifen lassen zu können und nicht zuletzt als Frischluftschneisen. So eine nutzlose freie Fläche in der Stadt hat die gleiche Wirkung und den gleichen Nutzen wie ein freier Tag im Terminkalender“, argumentiert Sacher eindringlich für ein Innehalten bei der atemlosen (einfallslosen) städtebaulichen Planung, die hauptsächlich die Farbe Grau kennt. Grau wie Asphalt, Zement und Steine.

Denn mit dieser eiligen Bebauung mache Unna gleich den zweiten Fehler: „Es wird nicht in Ruhe überlegt und geplant, ein Konzept entwickelt und in die Zukunft geschaut – nein, so schnell wie möglich muss alles vermarktet werden, dabei werden nur Standards angelegt, die niemandem wehtun“, kritisiert Sacher. „Alles eventuell Innovative wird beiseite gelassen.

Was wollen die Grünen denn eigentlich? Wieder Vogelhäuschen installieren oder Energiestandards festlegen? „Ja“, antwortet Michael Sacher prägnant. „Und nein.“ Denn Stadtplanung bedeute für die Grünen auch immer, zu schauen: Wie können wir ideenreich neue Projekte entwickeln, die nicht das Immergleiche wiederholen und bei denen nicht immer nur schnelle Vermarktung und klingende Münze zählen. Statt dessen „mutige Konzepte entwickeln als Vorschläge für Investoren, die auch bereit sind, Risikokapital einzusetzen.“ Dies, um Unna als Ganzes attraktiver zu machen. „Wenn man dagegen erst baut und dann überlegt, sind die Chancen für eine nachhaltige Entwicklung doch recht eingeschränkt.“

Konkret haben die Grünen einen Antrag gestellt, das Gesamtgelände – also Hertinger Tor UND  Brockhausplatz – in einem städtebaulichen Wettbewerb zu überplanen.

Ihre Lektüreempfehlung zum Thema: Niklas Maak: ‚Wohnkomplex‘ im Hanser Verlag oder der Blog http://www.verbietet-das-bauen.de/

Kommentare (9)

  • Markus Zalaszentlaszlo via Facebook

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    Wie wäre es dort einen schönen Abenteuer Spielplatz für die Jüngsten dieser Stadt zu bauen ! Die meisten Spielplätze sind so verkommen ! Eine Bewachung die es für „Fahrräder“ gibt könnte man dort doch auch einrichten!!!

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  • Helmut Brune via Facebook

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    Womit wir wieder beimThema Effizienz wären. Einfach irgendwo ein paar Häuser hinknallen mit Parkplätzen dazu macht aus einer Brachfläche eine Nutzfläche, die Einkommen generiert. Macht man da aber einen durchdachten Plan wobei dort viel Grün hinkommt und dafür weniger, aber exclusivere Häuser der gehobenen Preisklasse, wird der finanzielle Ertrag der Gleiche sein jedoch wird es eine optisch schöne, grüne Insel am Stadtrand. Dieses ist nur mal ein Gedanke um mit der Umgebung bewußt um zu gehen. Sicherlich gibts da noch viel mehr kreative Ideen. Alles ist besser als Schema – F bebauung.

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  • Ralph Bürger

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    Sehr großes innerstädtisches Bauerwartungsland, wie die Flächen an Hertinger Straße und Brockhausstraße „mal frei zu lassen“, wie es Herr Sacher empfiehlt, ist wohl angesichts der Millionendefizite der Kreisstadt Unna etwas abwegig. Die Kreisstadt muss also Flächen verkaufen. Zum anderen darf nur dort gebaut werden, wo der Flächennutzungsplan noch was hergibt. Und was viel wichtiger ist: Es besteht in Unna eine krasse Unterversorgung an kleinen Wohnungen im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus. Daher hat sich der Arbeitskreis „Wohnen in Unna“ des SPD-Ortsvereins Oberstadt unter meiner Leitung das Ziel gesetzt, auf dem alten Sportplatz eine städtebaulich und klimatechnisch anspruchsvolle Siedlung mit nicht mehr als 4 Geschossen – auch für kleine Einkommen oder Mieten – anzuregen. Dies hauptsächlich für Menschen, die sich über nur geringe Nebenkosten und barrierefreies Wohnen freuen werden. Die Wünsche von Herrn Sacher nach „Luft und Raum“ sind zwar ehrenwert, jedoch wenig hilfreich. Wir würden uns freuen, wenn dagegen Herr Sacher mit uns zusammen die „grüne Lunge“ für Brockhausstraße und Brockhausplatz entwirft. Um das ganz klar herauszustellen: Die SPD möchte über die künftige Nutzung des Brockhausplatzes für KFZ-Stellflächen, Grünanlagen und Spielflächen nachdenken. Wohnbebauung wird es dort niemals geben. Sie sollten die Chancen aufnehmen, lieber Herr Sacher, statt Fundamentalopposition zu betreiben.
    Ihr Parteifreund Merkord, seines Zeichens Vorsitzender des Umweltausschusses, fand die heute von mir im „Arbeitskreis Klima“ der Stadt Unna von mir vorgetragenen städtebaulichen und klimapolitischen Vorstellungen wohl ganz ansprechend. Von ihm kam jedenfalls keine Kritik….
    Ralph Bürger, Sprecher der SPD-Fraktion für Stadtentwicklung

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  • Petter Uhlenbusch

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    Das mit dem Zupflastern sehe ich auch so. Das ist nicht schön. Schau mir manchmal die Hansastrasse in Massen an. Früher war da so eine schöne Sichtachse auf die Felder…jetzt alles zubetoniert. Genau so wirds jetzt am Afferder Weg passieren, wo auch alles mit Einfamilienhäusern zugepackt wird. Und am Ölpfad, wenn man Richtung HOWI fährt, wo schon der Schweinemäster ist, diese herrliche Fleckchen Natur, will man das nicht auch irgendwie durch eine Autobahn-Auffahrt zerstören?
    Echt schade, das jedes bisschen Grün hier zugebaut wird.
    Die Indu-Gebiete rücken auch immer näher. Wäre es doch eigentlich besser die vorhandenen Indu-Gebiete mit vernünftiger Infrastruktur (Internet!) auszustatten, da würden die „alten“ Standorte wo es eigentlich genug Platz gibt viel besser genutzt.

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  • Sascha Krieg

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    Zum einen wüsste ich nicht,dass das Autohaus am Brockhausplatz Geschichte ist,da es immer noch dort existiert,und zum anderen sollte mal lieber an Familien mit mehr als 3 Kinder gedacht werden!Es kann ja nicht angehen, dass die LEG die einzigste Verwaltung ist,die 5,5 Raum Wohnungen mit viel zu kleinen Kinderzimmern vermietet!Macht euch da mal Gedanken drüber,meine 4 Kinder würden es Euch danken!

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  • Jens Kampe via Facebook

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    Wäre der alte, hässliche Brockhauplatz nicht ideal, um dort einen Park anzulegen?

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