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Interview mit Klaus Göldner: CDU ist für die FLU "endgültig kein Thema mehr"

Klaus GöldnerEtappe eins ist geschafft. Mit einer Drei-Mann-Fraktion ist Unnas erste „Bürgerpartei“ – das Kombinat aus Freier Liste Unna/Freien Wählern (FLU/FW) – in den Unnaer Stadtrat einzogen. Fraktionschef Klaus Göldner, der die FLU vor gut einem Jahr als Abspaltung von der CDU gründete, entwirft im Gespräch mit Rundblick und Unna-Kamen-Magazin seine Visionen einer Unnaer „Bürgerpolitik“ – und nimmt der Redaktion ein Versprechen ab: In künftiger Berichterstattung über die „Freien“ wird die christdemokratische Vergangenheit der FLU kein Thema mehr sein.

Herr Göldner, als FLU-Chef werden Sie wissen, was „flu“ im Englischen bedeutet?
Klaus Göldner: „Flu“… hmh… ist ´ne Krankheit.

Grippe. Flu heißt „Grippe“. Husten, Schnupfen, Triefnase.
Klaus Göldner: Na ja; wir sagen ja F, L und U, für Freie Liste Unna. Ich hätte mir durchaus sehr gute andere Namen vorstellen können. Die sind aber leider schon anderen eingefallen. Vielleicht „Pro Unna“; oder „Alternative Unna“. Beides sehr treffend. Aber verbrannt: durch Pro NRW und die AfD, die Alternative für Deutschland. Wir wollten keine unzutreffenden Assoziationen wecken.

Die rechte Pro NRW und die AfD sind Protestparteien. Ist Protest auch das Selbstverständnis Ihrer Bürgerliste?
Klaus Göldner: Anfangs war das so, ja. Wir sechs früheren CDU-Vertreter nahmen das Mandat bei unserem Austritt mit. Ich weiß, dass so etwas auch kritisch gesehen wird. Aber die Freiheit, das Mandat zu behalten, ist aus triftigen Gründen im Grundgesetz verankert. Inzwischen sehen wir uns als wählbare Alternative für diese Stadt.

Damit sind wir wieder bei der Alternative für Unna – der Name geht aus guten Gründen nicht, Sie sagen es. Namen sind aber letztlich Schall und Rauch: Wie wollen Sie als Kleeblatt mit Jörg Hißnauer und Franz-Josef Klems aber verhindern, dass sich nicht die Freien Wähler selbst noch während ihrer ersten Ratsperiode wieder in Schall und Rauch auflösen?
Klaus Göldner: Drei Sitze sind zugegeben nicht so viel. Es sind aber immerhin drei, Linke, Piraten und FDP haben nur zwei geholt. Letztlich können wir aber natürlich mit drei Leuten nicht die Politik in dieser Stadt bestimmen.

Norbert Römer, Fraktionschef der SPD im Landtag, geht noch weiter. Er spricht kleinen „Splitterparteien“ das Existenzrecht ab, weil sie „keine Gestaltungsmacht, nur Verhinderungsmacht“ besäßen. Wie finden Sie das?
Klaus Göldner: Das ist ja ein Widerspruch. „Macht“ geht immer auch in zwei Richtungen. Wenn ich verhindern kann, kann ich auch gestalten, zumindest mitgestalten. Klar können wir das nicht in Alleingängen. Aber auch die SPD kann ganz allein nichts reißen, auch ihr fehlen Stimmen für die Mehrheit im Rat. Als kleine Partei muss ich kreativer sein. Ich muss die Volksparteien für unsere Ideen gewinnen. Ich muss gute Vorschläge machen, die Unna nach vorn bringen können, und gute Argumente für diese Vorschläge liefern. Dann kann ich auch als kleine Partei gestalten!

Mit Ihrem Vorstoß für eine Sanierung der Fußgängerzone haben Sie ja schon gut für Furore gesorgt und die SPD sogar ein Stückchen vor sich hergetrieben. Was gab den Ausschlag für diesen Antrag?
Klaus Göldner: Den Ausschlag gaben einige ganz konkrete Unfälle: Mein Nachbar hat nach einem bösen Sturz wochenlang im Krankenhaus gelegen. Die Grünen haben das Thema im at als Luxusproblem bezeichnet. Auch die CDU, die unseren Antrag für überflüssig hält, hat sich mit ihrer Ablehnung isoliert. Einzig die SPD hat unseren Vorschlag gleich aufgenommen und um einen eigenen erweitert. Es ist klar, dass wir zurzeit nicht genug Geld für umfassende Sanierungen haben. Wir können aber kreativ versuchen, Geld aufzutreiben. Schauen Sie, was die Evangelische Kirchengemeinde für den Kirchplatz erreicht hat. Wenn jemand z. B. seinen Namen auf einem Stück Pflaster oder einer Spendertafel wiederfindet, wieso sollte er nicht bereit sein, dafür zu zahlen? Es gibt auch in Unna genug Menschen, die Geld haben und bereit wären, ein sinnvolles Projekt gezielt zu sponsern.

Kommen wir ein letztes Mal – versprochen – auf Ihre CDU-Vergangenheit zurück. Sie waren in der Unnaer CDU nicht irgendwer, haben wichtige Posten bekleidet. Zuletzt waren Sie Fraktionsvorsitzender. Und dennoch ein so radikaler Bruch mit allen Konsequenzen?
Klaus Göldner: Ich bin in der CDU, ganz ähnlich wie beruflich bei der Kreispolizeibehörde, sehr schnell in relativ wichtige Ämter gekommen. Beim Bruch mit dem Parteivorsitzendem Gerhard Meyer, ohne noch einmal ins Detail zu gehen, ging es um eine Sache – die Finanzierung des Neujahrsempfangs durch Haushaltsmittel der Fraktion -, die ich mit meinem Rechtsempfinden und meiner Verpflichtung dem Bürger gegenüber nicht vereinbaren konnte. Ich habe keinen Gram mehr, denn das Kapitel CDU ist für mich endgültig abgeschlossen. Unsere Wählergemeinschaft bietet mir ein politisches Betätigungsfeld, an dem ich zunehmend Freude habe. Keine Partei – eine rein kommunale Vereinigung mit dem Ziel, nur für die Kommune zu arbeiten. Das ist positives Kirchturmdenken, wenn Sie so wollen.

Ihr Fraktionstrio mit Jörg Hißnauer und Franz Josef Klems bezeichnen sie selbst liebevoll als „alte Säcke“. Sehen Sie so die Zukunft der Freien Bürgerpartei für Unna – als einen Haufen „alter Säcke“?
Klaus Göldner (lacht) Gut, dass Sie den Scherz betonen. Nun, ich bin 60, Franz Josef Klems ist 66 und Jörg Hißnauer ist mit seinen 53 der junge Hüpfer unter uns dreien. Wenn es uns gelingt, diese netten, jungen Leute, von denen wir einige als Kandidaten hatten, in dieser Wählergemeinschaft zu etablieren, hat sie eine reelle Zukunft. Für mich persönlich ist der Drops spätestens zum Ende der Wahlperiode gelutscht. Ich will nicht im Ratssaal sterben.

Nach der Wahl ist vor der Wahl – wird die Freie Liste 2015 einen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufbieten?
Klaus Göldner: Nein, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Wenn gleichzeitig Kommunalwahl wäre – dann ja. Oder wenn sich plötzlich noch eine fürchterlich charismatische Persönlichkeit geradezu aufdrängen würde…

Sehen Sie bei den übrigen Parteien eine solch fürchterlich charismatische Persönlichkeit?
Klaus Göldner: Zumindest eine charismatische Persönlichkeit sehe ich: den Amtsinhaber Werner Kolter.

Gehen Sie so weit, dass die Freien den SPD-Bürgermeister – so er denn noch einmal antritt – unterstützen würde?
Klaus Göldner: Persönlich – ich spreche jetzt nur von mir – könnte ich mir das vorstellen. Gut möglich, dass meine Mitstreiter ähnlich denken.

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