Rundblick-Unna » Im Zusammenhang mit Fördergeld-Affäre taucht jetzt auch die WFG auf

Im Zusammenhang mit Fördergeld-Affäre taucht jetzt auch die WFG auf

Der Staatsanwalt ermittelt seit Monaten wegen möglichem Subventionsbetrug, zwei Strafanzeigen sind gestellt – und völlig unbeeindruckt zahlen Land und EU ihre Fördermillionen weiter. Damit nimmt die Affäre um das Selmer Forschungsprojekt LaSeSi inzwischen groteske Züge an. Und in der Berichterstattung der „Welt online“ an diesem Sonntag taucht jetzt zudem eine in Unna bekannte Buchstabenreihung auf: WFG – Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Unna, die sich aus der fragwürdigen Geschichte bislang tunlichst heraushielt.

Die WFG zählte zu den offensiven Unterstützern des Forschungsprojekts für Ladungssicherheit in Selm-Bork. Finanziell habe man sich nicht eingebracht, ließ Geschäftsführer Dr. Michael Dannebom schon vor Wochen gegenüber Rundblick-Unna ausrichten. Auf Anfrage der „Welt“ räumte die WFG jetzt weitergehendes Engagement für das LaSeSi-Projekt ein. Die kreiseigene Gesellschaft habe den Kontakt zum Bruder einer WFG-Angestellten vermittelt, der in der Versicherungsbranche tätig sei. Diese Angestellte habe das LaSiSe-Projekt betreut. Ihr Bruder bekam den Auftrag. LaSiSe-Geschäftsführer Ralf Damberg nahm die WFG gegenüber der Presse in Schutz: Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft sei an keiner Ausschreibung beteiligt gewesen; Versicherungskosten seien nicht förderfähig. Es gebe keine Veröffentlichungspflicht.

Gleichwohl kann es weder Dr. Dannebom noch Landrat Michael Makiolla gefallen, dass die seriöse Kreis-Wirtschaftsförderung in einem Atemzug mit möglichen Subventionsbetrügern genannt wird. Ebenso wenig kann es den lokalen Repräsentanten der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund gefallen, dass die Rolle der Kammer in dieser halbseidenen Geschichte zumindest sehr fragwürdig ist. Möbelhaus-Geschäftsführer Christian Zurbrüggen und der Unnaer FDP-Fraktionsvize Andreas Tracz gehören zu den zehn Vizepräsidenten der IHK, gegen deren zwei oberste Repräsentanten – Präsident Uwe Dolezych und Geschäftsführer Reinhard Schultz – Strafanzeigen gestellt wurden. Der Vorwurf: Verdacht auf Untreue. Denn namentlich Dolezych habe „auf Kosten der Allgemeinheit skrupellos seine Interessen durchgesetzt“, kritisiert der Bundesverband der freien Kammern (BffK): Das Engagement der IHK für LaSeSi übersteige massiv die Grenzen des Zulässigen der Kammer. Der IHK-Präsident und sein Sohn sind über zwei Unternehmen an der LaSiSe gGmbH beteiligt und haben demnach ein persönliches wirtschaftliches Interesse an der Forschungsstrecke für Ladungssicherung, erinnert die Welt. LaSiSe-Geschäftsführung und IHK weisen sämtliche Vorwürfe zurück.

Einerlei wie die Ermittlungen ausgehen und ob es tatsächlich zur Anklage kommt: Die Fördermillionen fließen weiter. Und die IHK-Vollversammlung – mit vielen bekannten Unternehmern aus dem Kreis Unna in ihren Reihen sowie natürlich den beiden Vizepräsidenten – sprach ihrer Führung unbeeindruckt von den Ermittlungen erst vorletzte Woche ihr vollstes Vertrauen aus.

 

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