Rundblick-Unna » „Im Schatten der Schönen“

„Im Schatten der Schönen“

Der Mensch muss doch Geld verdienen

„Ja klar, ich war der Mann, der alle Frauen liebte. Bin ich doch heute noch. Nach 34 Jahren Gastronomie-Erfahrung in unserem schönen, reichen Land. Da könnt ihr fragen, wen ihr wollt.

Ich meine, ihr müsst schon halbwegs die Richtigen fragen. Die, die das Geschäft wirklich kennen und vor allem die, die darunter gelitten haben. Und natürlich müsst ihr die fragen, die vergleichen können. Ich kenne einige davon. Wie sollte es anders sein? Ich habe lange mit ihnen gelebt. Und immer auch mitgelitten, das könnt ihr mir glauben!

Ja es stimmt schon, ich habe manchmal auch etwas Geld verdient mit ihnen. Der Mensch muss doch Geld verdienen. Schon damit er überhaupt Steuern zahlen kann. Und das mit dem Geldverdienen, das kann er so oder so tun. Ganz egoistisch, ohne Rücksicht auf irgendwen – oder eben mit Achtung vor seinen Partnern. Partnerinnen und Partnern, muss es hier wohl wirklich heißen. Und ich meine tatsächlich immer, auf das Geschlecht kommt es hierbei gar nicht so an. Achtung oder nicht, das ist der entscheidende Gesichtspunkt.“

Ein Buch der etwas anderen Art ist das – man merkt es schon. Deswegen war auch die Buchvorstellung etwas ganz Besonderes. Um sie zu erleben, strömten am Mittwochabend zahlreiche Besucher in ein Etablissement an der Kamener Straße, das man nicht wirklich spontan mit Dichterlesungen verbindet: den Club Bad Königsborn. Betrieben von: Achim Megger.

Dieser hat ein Buch geschrieben, bzw. hat er es schreiben lassen von Werner Wiggermann, früherer Redakteur der Westfälischen Rundschau. Die komplette Biografie des schillernden „Nachtgastronomen“ Achim Megger hat der jetzige Lehrer am Geschwister-Scholl-Gymnasium zu Papier gebracht –  325 Seiten dick ist das Werk geworden.

Auszüge präsentierte Werner Wiggermann den Besuchern dieser denkwürdigen Lesung am Mittwochabend. Dabei wurde gelächelt, gelacht, breit gegrinst – aber auch nachdenklich vor sich hin geschaut, denn Achim Meggers Lebensgeschichte enthält neben vielen amüsanten Erlebnissen auch ernste Passagen, die eben nachdenklich und sogar traurig machen. Denn das  wahre „Nachtleben“ – seine sozusagen nackte Realität – ist fürwahr nicht bloß die reine Wonne.

„Und jetzt hört mir mal zu, jetzt muss endlich alles raus. Vor allem dies: Die Frauen müssen einfach viel respektvoller behandelt werden! Hier, ich meine in unserem sonst so schönen Land, geht inzwischen ja fast alles vor die Hunde.

Ich weiß doch, wie das läuft. Nach 34 Jahren in der Gastronomie. Ja, Gastronomie, das ist mein Metier! Alles andere sind Hirngespinste von diesen verklemmten Typen, weißt du, was ich meine? Hör mal, ich weiß bald nicht mehr, wie das alles noch weitergehen soll. Echt, manchmal glaub ich wirklich, ich bin im ganz falschen Film. Und da erlebe ich Dinge, die kannst du nicht einfach so wegstecken. Auch wenn du nach außen einen total abgebrühten

Eindruck machst. Nur mal ein kleines Beispiel zum besseren Verständnis: Anfang Agosto stand plötzlich Dana in unserem Club auf der Matte. Eine kleine, zarte und früher wirklich sehr attraktive Polin. Immer noch in den besten Jahren, ist man versucht hinzuzufügen – wenn man auf den Personalausweis schaut. Danas Gesicht kann aber längst die Spuren dessen nicht mehr

leugnen, was Drogen, Gewalt und tausende Billigfreier dieser Frau angetan haben. Zudem passten an diesem Tag die roten Augen überhaupt nicht zum früher geheimnisvollen Ausdruck dieser verfallenden Blondine. Sie hatte einfach ein paar Tage lang überhaupt nicht geschlafen und stand dicht vor dem Zusammenbruch.“ (Manuskriptauszug)

 

„Im Schatten der Schönen“ gibt es im Buchhandel, ISBN-13:978-3735714589.

Kommentieren