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Horst Wackerbarth fotografiert Evangelisches Krankenhaus

Das Evangelische Krankenhaus Unna hat Horst Wackerbarth zu Gast. Foto: Tobias Kestin

Horst Wackerbarth und das rote Sofa. Foto: Tobias Kestin

Als Horst Wackerbarth ins Evangelische Krankenhaus einzog, war er gesund. Jetzt wohnt er eine Woche im zweiten Stock, genau mittig, in dem Zimmer mit dem blauen Balkon und Blick auf den Hubschrauberlandeplatz.

Statt Schlafanzug, Sporttasche, Medikamentendöschen hat der Düsseldorfer eine große Lochkamera dabei. Dazu ein rotes Sofa. Und um das dreht es sich in den kommenden sieben Tagen im Evangelischen Krankenhaus Unna. Denn Wackerbarth ist Künstler – der darf gesund im Patientenzimmer wohnen.

Abgebrannt, von Eisbären zerfetzt und weggeworfen

Der Düsseldorfer ist seit 34 Jahren mit eben dieser roten Couch unterwegs und porträtiert Menschen – immer in ihrem Lebensraum. Die Couch ist abgebrannt, von Eisbären zerfetzt und von Museumsmitarbeitern weggeworfen worden.

Gorbatschow saß auf der Couch, Sir Peter Ustinov auch, genauso wie eine elffache Mutter aus Neuss, Bandidos aus Duisburg, ein amerikanischer Jäger mit totem Bären.  Jetzt kommen Mitarbeiter des Evangelischen Krankenhauses Unna dazu.

Auf Augenhöhe mit den Menschen

„Wer auf einer Couch sitzt, ist auf Augenhöhe“, sagt Horst Wackerbarth. Und genau das möchte er mit seiner „Galerie der Menschheit“ erreichen. Dass eine Krankenschwester Platz nehmen darf, ist klar. „Wer so eine wichtige, tolle Arbeit für wenig Geld macht, wohlmöglich sogar allein erziehende Mutter ist, gehört auf eine Augenhöhe mit Gorbatschow und Ustinov“, sagt Wackerbarth. Und lacht selbst ein wenig über diesen bedeutungsschweren Satz.

Wackerbarths Faszination des Kleinen

Horst Wackerbarth hat große Dinge gemacht, er reiste mit der Couch durch Amerika, war in der Antarktis, während der Osterweiterung fuhr er von Gibraltar nach Island. Mittlerweile fasziniert ihn immer mehr das Kleine. Eine Bilderserie über die Kleinstadt Goch erfuhr große Aufmerksamkeit, auch in einem Kinderheim war er schon. Nun also ein Krankenhaus.

Intensive Recherche im Evangelischen Krankenhaus

Horst Wackerbarth war vor kurzem schon einmal im Evangelischen Krankenhaus, fotografierte mögliche Szenen mit seinem iPad. „Ich bin vom tiefsten Keller bis aufs Dach gestiegen“, erzählt er. Nun steckt er mitten in der Recherche. „Ich rede mit vielen Menschen, da bin ich Journalist.“

Er will mit seinen Bildern erzählen, dafür will er interessante Menschen abbilden. Dafür versucht er nun einen Draht zu den Menschen zu finden. Das geht nicht, wenn er jeden Morgen von außen in den Mikrokosmos Krankenhaus kommt, er muss dort leben, damit die Bilder lebendig werden.

Wie die Bilder am Ende aussehen werden, steht noch nicht fest, alles ist ergebnisoffen. Den zwei wichtigsten Fragen im Krankenhaus will er sich aber widmen: Der nach dem Essen und der nach der Warterei („Gleich ist in zwei Stunden, bald in fünf“).

Ausstellung im EK für August geplant

Am Ende sollen mindestens zwölf Fotos herausspringen und es gibt nur einen bereits feststehenden Ort, einem nicht gut zugänglichen Ort. „Im OP“, sagt Wackerbarth und freut sich schon. Hat eben auch seine Vorteile, gesund im Krankenhaus zu sein.

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