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Horst Wackerbarth eröffnet Ausstellung im EK

Dr. med. Matthias Pothmann (M.) operierte das rote Sofa, Operations-Assistent Sebastian Funke und Krankenpflegerin Helene Hondelink assistierten. Foto: Evangelisches Krankenhaus Unna

Dr. med. Matthias Pothmann (M.) operierte das rote Sofa, Operations-Assistent Sebastian Funke und Krankenpflegerin Helene Hondelink assistierten. Foto: Evangelisches Krankenhaus Unna

Neun Tage stand das rote Sofa von Horst Wackerbarth im Evangelischen Krankenhaus, nun sind die Bilder entwickelt und das Evangelische Krankenhaus Unna lädt zur Ausstellungseröffnung ein: Am Donnerstag, 21. November, können alle Interessierten die Bilder dieses für Unna einmalige Kunstprojekt sehen. Die Ausstellung beginnt um 18 Uhr. 

Ob in der Bettenzentrale, in der Küche, im OP oder im Rettungswagen… überall wo sie auftauchte, zog sie die Blicke auf sich: Die Rote Couch.

Neun Tage waren Horst Wackerbarth und sein Team Ende Juni dieses Jahres im Evangelischen Krankenhaus Unna zu Gast. Entstanden ist die Werkserie „Die Rote Couch im Evangelischen Krankenhaus Unna“; 19 Bilder, die die Lebenswelten eines Krankenhauses abbilden.

Wackerbarth erkundet Mikrokosmos Krankenhaus

„Ich habe sonst immer große Regionen abgefahren: Die Vereinigten Staaten, vom Polarkreis bis Gibraltar, von Island bis zur Ukraine. In jedem Land habe ich mir zwei, drei Motive herausgepickt. In den letzten Jahren finde ich es auch immer wieder spannend, mich auf eine Welt zu begrenzen“, erzählt der bekannte Düsseldorfer Fotograf und Videokünstler.
Um sich in die Krankenhauswelt des EK Unna einfühlen zu können, übernachtete er in einem Patientenzimmer, aß in der Cafeteria, rauchte in der Raucherecke, unterhielt sich mit Patienten und plauderte mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Da sitzt ein Pfleger im Baum

Horst Wackerbarth porträtierte einen Pfleger des evangelischen Krankenhauses als Vogel im Baum. Foto: Tobias Kestin

Da sitzt ein Pfleger im Baum. Foto: Tobias Kestin

Er hat Ärzte, Pflegende, Patienten und Angehörige fotografiert: auf dem Hubschrauberlandeplatz, auf der Demenzstation, in einer Baumkrone oder im Heizungskeller. Jedes der Fotos begleitet ein Video, denn jedem, der auf der Couch Platz nahm, stellte Wackerbarth dieselben 15 Fragen zu existenziellen Themen.

„Die Aktivitäten rund um die Rote Couch haben bei Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern zu einer enormen Resonanz geführt. Nicht nur, dass ein solches Projekt für ein Krankenhaus völlig ungewöhnlich ist. Die entstandenen Bilder und die in den dazugehörigen Videos festgehaltenen Aussagen und Statements nehmen ein und berühren. Der Betrachter bzw. Zuhörer bekommt ein ungeschminktes und authentisches Bild, das geprägt ist von der Arbeit von Menschen für Menschen. Kein Marketing kann die Botschaft eines christlich geprägten Krankenhauses derart nachhaltig transportieren.“ (wörtliche Rede des Stiftungsvorstandes)

Horst Wackerbarth und die Rote Couch – eine „never ending story”

Horst Wackerbarth (r.) interviewte alle Porträtierten. Foto: Tobias Kestin

Horst Wackerbarth (r.) interviewte alle Porträtierten. Foto: Tobias Kestin

Horst Wackerbarth sammelt Menschen. Er sammelt Schicksale. Seit über einem Vierteljahrhundert bereist er die Welt mit seiner Roten Couch, die er in das Lebensumfeld unterschiedlicher Menschen platziert und diese darauf porträtiert; Junge und Alte, Arme und Reiche, Prominente und Unbekannte, Nobelpreisträger und Analphabeten, in der Eiswüste Alaskas und im Regenwald in Südamerika, in den Metropolen Europas und den Dörfern Sibiriens.
Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten erzählen auf der Couch von Glück und Unglück, von Ängsten und Träumen, von dem was ihr Leben bereichert oder belastet.

Ziel ist, ein Porträtwerk zu schaffen, eine Galerie der Menschheit. Die Rote Couch ist dabei gemeinsamer Nenner, roter Faden, Bühne, Thron, Kommunikationsplattform zugleich.  Die Rote Couch bringt alle Menschen auf Augenhöhe!
Bis heute haben über 700 Menschen in 51 Ländern auf der Roten Couch Platz genommen und die universellen Fragen, die Wackerbarth seinen Protagonisten stellt und mit Video aufzeichnet, wurden in 53 Sprachen beantwortet.

Die Rote Couch ist ein „work in progress“, eine „never ending story“, sie wird erst mit Wackerbarths Tod enden.
Wackerbarths Arbeiten sind in 10 Buch-Monografien veröffentlicht, wurden in mehr als 50 Einzelausstellungen in Museen und Galerien weltweit gezeigt und sind in 13 bedeutende Sammlungen zeitgenössischer Kunst aufgenommen.

Versenkt, verbrannt, weggeworfen

Nur eine Couch ist jeweils im Umlauf. Drei Sofas sind verloren gegangen: Eines ist bei einem gewagten Schiffsmanöver in den Pazifik gefallen, eines bei Aufnahmen mit Feuerwehrmännern abgebrannt und eines wurde versehentlich von Arbeitern eines Museums für Sperrmüll gehalten und entsorgt.

Die derzeit amtierende Couch ist seit 1996 im Einsatz und auf ihr haben die meisten Protagonisten Platz genommen. Sie wird in Abständen neu bezogen. Zweimal war eine komplette Restaurierung notwendig, nachdem Löwen und Eisbären sie zerlegt hatten.
Wackerbarth´s Projekt „Here and there“ für Ruhr 2010, Kulturhauptstadt Europas, hatte in der Medienlandschaft große Aufmerksamkeit erzielt.

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