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Honig vegan: Hemmerderin ist ihre eigene Biene

Diese Hemmerderin ist ihre eigene Biene. „Veganer Honig? Verstehe ich das richtig?“, vergewisserte sich ein älterer Herr am Sonntag im Fröndenberger Himmelmannpark und beäugte das kunterbunte Gläserdurcheinander der flotten „Biene“ hinter dem Stand mit angemessener Skepsis. „Ja, genau. Und er schmeckt wunderbar“, versicherte Marion Nast selbstbewusst. Von der sanften Ironie mancher Bauernmarktbesucher ließ sich die Honigmacherin aus dem Unnaer Osten überhaupt nicht aus der Ruhe bringen.

Man nehme… nein, sammele mit mühsamer Hingabe 400 (!) einzelne Löwenzahnblüten; nur die Blüten. Die legt man dann erst mal in Wasser ein. Danach werden sie aufgekocht. Müssen ruhen. Werden durchgesiebt. Bekommen Zucker beigemengt – viel Zucker. Werden abermals aufgekocht. Sodann auf kleiner Flamme gefühlte Ewigkeiten weitergekocht, so lange, bis sich allein durch die Reduktion – das Verdampfen des Wassers also – ein zähes, klebriges Gemisch ergibt, honigartig. „Das soll schmecken…?“, zweifelte eine weitere Besucherin am Stand. „Aber klar!“, erwiderte Marion Nast emphatisch, „vegan ist absolut im Kommen!“ Die Besucherin nimmt erst mal zur Vorsicht lieber ein Glas Hugo-Rosé-Gelee mit.

Marion Nast ist (und isst) selbst gar nicht so streng vegan. Doch sie respektiert und bewundert die Haltung jener Menschen, die sich aus Rücksicht zum Tier ausschließlich pflanzlich ernähren und auch ihr Konsumverhalten auf „vegan“ umpolen. Die Besucher des Bauernmarkts zählten am Sonntag in deutlicher Mehrheit ebenfalls nicht zu Veganern. Auch nicht zu den Vegetariern, das bewies der ungebremste Ansturm auf den Würstchenstand. „Sterben Veganer, wenn sie Fleisch essen?“, stichelte der skeptische ältere Herr denn an Marion Nasts Honig- und Marmeladenstand auch mit demonstrativem Blick hinüber zum Bratwurstgrill. Mit einem entschlossenen „Also ich kenne nur glückliche Bienen“ verabschiedete er sich und erklärte im Gehen, er bekomme seinen Honig immer von einem Kollegen geschenkt, der sei Hobbyimker. Mit spöttischem Blick auf den veganen Löwenzahnblütenhonig fügte er „… na ja, wenn´s hilft…“ hinzu… – Es hilft den Bienen, erklärte Marion Nast überzeugt. „Und es hilft der immer größeren Zahl von Menschen, die aus gesundheitlichen und ethischen Gründen vegan leben möchten.“ Überzeugte Veganer essen und trinken nichts, für das Tiere sterben mussten, leiden mussten oder ausgebeutet wurden. Sie verwenden auch keine entsprechenden Produkte. Ledertaschen gehen ebenso wenig wie herkömmliche Seifen, Kosmetika oder schlichte Gummibärchen, auch Honig geht aus eben diesen Gründen nicht: Er wurde dem Bienchen, das sich dafür abgerackert hat, ja aus den Waben stiebitzt und durch schnödes Zuckerwasser ersetzt.

Das bienenfreundliche Ersatzprodukt herzustellen macht zugegeben eine Heidenarbeit, lacht Marion Nast: „Aus 400 Löwenzahnblüten bekomme ich gerade mal eine Handvoll Gläser.“ Aber schließlich muss sie ja nicht davon leben. „Oh nein“, lacht sie, „das ist reines Hobby. Ich bin Visagistin.“ Nur aus Spaß an der Freude (und weil sie vor der Konsequenz von Veganern den Hut zieht), schwirrt sie im Sommer als ihre eigene Biene löwenzahnblütensuchend über Hemmerdes Felder.

Honig vegan Marion Nast

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