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Hilflose Person in ihrer Not gefilmt: Polizei stellt Kamera sicher – Anzeige!

Was am vergangenen Dienstag in Dortmund passierte, ist an Empathielosigkeit kaum zu überbieten – und doch tun Gaffer es immer wieder.

Am Mittag des besagten Tages wollte sich eine Person in Dortmund das Leben nehmen und von einem Balkon in die Tiefe springen. Polizei und Feuerwehr waren im Einsatz um sie umzustimmen, Höhenretter der Feuerwehr konnten die Person in Sicherheit bringen, sie befindet sich in ärztlicher Behandlung.

Eine der Nachbarinnen aber machte dem „Gaffertum“ alle Ehre: Sie zückte ihre Kamera und fertigte Detailaufnahmen an, während andere versuchten, ein Leben zu retten. Die Polizei stellte die Kamera sicher und fertigte auf Grundlage des neu gestalteten §201a des Strafgesetzbuches eine Anzeige an.

Dieser Paragraph (s.u. im Detail) besagt stark vereinfacht, dass es verboten ist, Aufnahmen von hilflosen Personen anzufertigen und/oder zu verbreiten. Es droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe.

Die Polizei Dortmund betont in ihrer Meldung: „Normalerweise berichtet die Polizei aus moralisch, ethischen Gründen nicht über Suizide. Der Fall vom 27.6. greift die Problematik der zunehmenden Digitalisierung in Gesellschafft (Stichwort „Gaffer“) auf. Der überarbeitete Paragraph 201a des Strafgesetzbuches ist unter anderem genau für solche Fälle geschaffen worden. Aufgrund dessen wurde eine Ausnahme gemacht und der Fall stark anonymisiert zur Veranschaulichung veröffentlicht.

Unterlassen Sie es Bilder von hilflosen und oder verletzten Menschen zu machen! Wenn Sie selber in dieser Situation wären, würden Sie das auch nicht wollen!“

Der neugestaltete Paragraph im Wortlaut:

Strafgesetzbuch (StGB)

201a Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen

(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer 1.

von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt eine Bildaufnahme herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt,

2.

eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt,

3.

eine durch eine Tat nach den Nummern 1 oder 2 hergestellte Bildaufnahme gebraucht oder einer dritten Person zugänglich macht oder

4.

eine befugt hergestellte Bildaufnahme der in den Nummern 1 oder 2 bezeichneten Art wissentlich unbefugt einer dritten Person zugänglich macht und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt.

(2) Ebenso wird bestraft, wer unbefugt von einer anderen Person eine Bildaufnahme, die geeignet ist, dem Ansehen der abgebildeten Person erheblich zu schaden, einer dritten Person zugänglich macht.

(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine Bildaufnahme, die die Nacktheit einer anderen Person unter achtzehn Jahren zum Gegenstand hat, 1.

herstellt oder anbietet, um sie einer dritten Person gegen Entgelt zu verschaffen, oder

2.

sich oder einer dritten Person gegen Entgelt verschafft.

(4) Absatz 1 Nummer 2, auch in Verbindung mit Absatz 1 Nummer 3 oder Nummer 4, Absatz 2 und 3 gelten nicht für Handlungen, die in Wahrnehmung überwiegender berechtigter Interessen erfolgen, namentlich der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dienen.

(5) Die Bildträger sowie Bildaufnahmegeräte oder andere technische Mittel, die der Täter oder Teilnehmer verwendet hat, können eingezogen werden. § 74a ist anzuwenden.

Kommentare (2)

  • Kiki

    |

    Das ist ja an Geschmacklosigkeit nicht mehr zu überbieten. Was geht in solchen Köpfen vor? Vermutlich nichts.

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  • Micha

    |

    Hier sollte die Strafe richtig Schmerzen. Abschreckung scheint in diesen Köpfen nicht vorhanden zu sein. Zeigt die Kälte einiger Menschen und digitale Sucht zur Aufmerksamkeit anderen Idioten. Gibt leider zuviel Gaffer solcher Medialen Aufnahmen.🖓🖓🖓

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