Rundblick-Unna » Herumeiern um Michael-Hoffmann-Platz: „Ja, aber… vielleicht mal… evtl. irgendwann, aber irgendwo anders… später… viel später…“- oder auch gar nicht

Herumeiern um Michael-Hoffmann-Platz: „Ja, aber… vielleicht mal… evtl. irgendwann, aber irgendwo anders… später… viel später…“- oder auch gar nicht

Klare Positionierung sieht anders aus. Um ihren Bürgerantrag für einen Michael-Hoffmann-Platz durften die antragstellenden Bürger heute Abend im Hauptausschuss ein peinliches Herumgeeiere erleben.

Kurz zur Erinnerung: Gabriele Köhnemann (hier im Bild mit ihrer Familie heute im Ratssaal), eng mit der Familie Hoffmann befreundet, hatte vor drei Wochen bei Bürgermeister Werner Kolter den Antrag eingereicht, den Platz zwischen Lindenbrauerei und ZiB – Lindenplatz – in Michael-Hoffmann-Platz umzubenennen. Als ehrendes Gedenken an den am 29. Oktober so unerwartet verstorbenen unerhört populären Lokalpolitiker und Kulturausschussvorsitzenden, der sich auf beispiellose Weise über Jahrzehnte für Unna und insbesondere Unnas Kultur eingesetzt hatte.

Michael Hoffmann (3)

Für ihren Antrag hat Gabriele Köhnemann über 230 Unterschriften in der Unnaer Bürgerschaft gesammelt, überparteilich und politisch unabhängig. Für eine kurze Erklärung im Hauptausschuss gewährt ihr der Bürgermeister Rederecht.

„Ich habe natürlich nach dem Einreichen des Antrags die öffentliche Diskussion sehr aufmerksam verfolgt“, unterstreicht Köhnemann; daher ist es ihr wichtig, mit einigen Missverständnissen aufzuräumen.

Punkt 1: Dies ist ein überparteilicher Antrag. Sie gehöret selbst  auch keiner Partei an. Punkt 2: Selbstverständlich ist das Anliegen mit Michael Hoffmanns Familie abgesprochen.

Punkt 3: der Zeitpunkt. „In Ihren Augen vielleicht etwas früh. Unsere Idee war aber keineswegs eine Umbenennung jetzt sofort oder in drei Wochen. Nein, zum ersten Todestag oder zum nachfolgenden Geburtstag. Wir möchten den Antrag zum jetzigen Zeitpunkt einfach in die Diskussion geben.“

Punkt 4: der Standort. „Er ist uns ganz wichtig“, betont Köhnemann. „Michael hat sich maßgeblich besonders für den Kulturbereich eingesetzt. E hat in seiner Stadt und für seine Stadt gelebt. Ihm irgendwo in einem Neubaugebiet eine Straße zu geben würde ihm nicht gerecht.“ Punkt 5: die Kosten. Entstehen praktisch nicht, da es nur einen einzigen Anlieger mit Adresse „Lindenplatz“ gibt: das ZiB.

Bürgermeister Werner Kolter bringt mit Fingerspitzengefühl seinen Respekt zum Ausdruck: „Der Antrag drückt noch einmal sehr emotional aus, welchen Verlust uns Michaels Tod bereitet hat. Die Ausmaße dieses Verlustes werden wir alle erst noch im Laufe dieses Jahres spüren.“ Dann die Fraktionen: Michael Hoffmanns SPD beginnt.


SPD (Volker König): Michael, Schwimmer und Sportler

Weit ausholend und mit vielen hmhs versehen bezeugt Hoffmanns Nachfolger im Fraktionsvorsitz dem Verstorbenen seinen Respekt. Er habe „gerade erfahren, dass man eine gewisse Zeit verstreichen lässt“ (Gabriele Köhnemann hat freilich zuvor mit König gesprochen und dabei auch genau dies gesagt), die zeitliche Komponente ist somit nicht mehr das Problem. Die SPD sieht als passenden Ort eines Gedenkens aber nicht den Platz an der Lindenbrauerei. „Michael war Schwimmer, Sportler. Wir sollten etwas Sportliches nach ihm benennen.“ Was das sein könnte, lässt König offen. Hoffentlich doch nicht das neue Kinderplanschbecken im Bornekampbad.

CDU (Gerd Heckmann): Auf die lange Bank

Irgendwann später mal und irgendwo anders. Die CDU hält die Beschäftigung mit einer Michael-Hoffmann-Gedenkörtlichkeit für „wesentlich verfrüht“. „Wir alle sind noch mit der Trauerarbeit beschäftigt. Irgendwann kann man weitersehen und einen geeigneten Platz oder eine Straße finden.“ Den Lindenplatz findet die CDU nämlich nicht geeignet. Zu eng sei sein Name mit der Lindenbrauerei verwoben.

B 90/Die Grünen (Charlotte Kunert): Auf die ganz lange Bank

Frage: Ist eine Platz- oder auch Straßenbenennung „für einen Fraktionsvorsitzenden angemessen“? Die Grünen-Chefin lässt die Frage offen bzw. beantwortet sie indirekt, indem sie erklärt: Nicht der jetzige Rat, in dem Michael Hoffmann noch selbst Mitglied war, sondern der in der nächsten Wahlperiode soll sich mit dem Thema beschäftigen. Sprich: Diskussion ab 2020 Folgende.

FW/FLU (Klaus Göldner): Den Herrn Linde gibt es nicht

Keine Diskussion für die Freie Wählerliste. Michael Hoffmann hat fraktionsübergreifend Großes geleistet, „und er hat es allerdings verdient, dass ein Platz nach ihm benannt wird!“ Den „Herrn Linde“ – den gibt es nicht, spaßt Göldner, also kann sich auch kein Herr Linde über die Beraubung seines Platznamens beschweren. „Der Lindenplatz würde sich geradezu anbieten, weil Michael Hoffmann besonders viel für die Kultur getan hat.“ Aber nicht jetzt;  „ein Papst wird auch erst nach vielen Jahren heilig gesprochen.“ Von daher: „Vom Grundsatz her sicher positiv. Aber bitte noch etwas Zeit.“

Piraten (Christoph Tetzner): Sankt Nimmerleinstag grüßt

„Wir fangen wieder an, einen Antrag vor uns herzuschieben“, kritisiert der Piraten-Fraktionschef. „Wenn wir anfangen, darauf zu warten, dass eine Schwimmhalle neu gebaut wird, die wir dann nach Michael Hoffmann benennen können – dann warten wir bis zum Sankt Nimmerleinstag.“

FDP (Martin Bick): Nach einer Trauerzeit – nichts steht im Weg!

„Diese Diskussion ist Michael Hoffmann nicht würdig“, moniert der smarte Liberale, der sich „lange überlegt hat, ob er überhaupt etwas sagt“. Er sagt dann dies: „Nach einer gewissen Trauerzeit steht einer Umbenennung überhaupt nichts im Weg!“

Kommentare (9)

  • Markus

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    Genau lasst uns auf das neue Freibad ( Hallenbad ) in Unna Massen warten dann hat der Sportler und Schwimmer Michael Hoffmann es auch verdient das dieses schöne Bauwerk nach ihm benannt wird !!!!

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  • Christoph Tetzner

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    Hallo Markus,
    Du glaubst auch an den Weihnachtsmann? Ich denke, wir werden kein Bad mehr kriegen als Neubau, ausser privat finanziert…..

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  • Jörg Schiebel

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    Markus meinte das wohl ironisch.
    Cdu ? „Irgendwann später, woanders!!“..so gehen die mit Bürgeranträgen um. Furchtbar unsensibel.

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  • Fürst

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    ….Nun übertreibt mal nicht mit diesem Hoffmann … sonst wird von den Gutmenschen noch dessen Heiligsprechung durch den Papst begehrt.

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  • Jessika

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    Beachtet bitte bei der Kommentierung, dass die betreffende Familie in der Trauerphase ist und vielleicht die Kommentierung hier liest. Man muss menschliche Gefühle ja nicht mit Absicht verletzen. Danke !

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  • margarethe strathoff

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    Die Frage, die ich mir stelle ist, wollen dies überhaupt die amtierenden Politiker? Ich finde es sehr bedauerlich, dass es überhaupt um diese Frage geht. Michael Hoffmann hat dieser Stadt viel gegeben und sich für die hier lebenden Menschen mit Herzlichkeit eingesetzt. Ich kenne keinen Menschen, welcher sich Jahrzehnte für Unna so eingebracht hat. Wie unserer Bürgermeister es gestern schon die richtigen Worte fand, der Verlust ist sehr groß und die kommende Zeit wird zeigen, welche große Lücke er hinterlassen hat, dass gilt insbesondere in der hiesigen Kommunalpolitik! ! Auch finde ich es unpassend, ihn nur als Sportler/Schwimmer runter zu reduzieren. Freie Wasserflächen? ? In seinem Sinne hätte er einen Zuschuss für ein Kinderbecken mit Sicherheit zugestimmt und hierfür gekämpft, aber keiner kommt ernsthaft auf die Idee, einem Planschbecken, einen Namen zu geben? ??

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  • Rolf Stöckel via Facebook

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    Als Freund und Genosse von Michael und seiner Familie über viele Jahre, Zuhörer gestern und Mitunterzeichner des Bürgerantrags musste ich leider feststellen, dass nur der Bürgermeister, Freie Wähler, FDP und Piraten angemessene Worte zu unserem Antrag fanden. Der Rest war Heuchelei, Mißgunst und Neid auf einem peinlichen Niveau.
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  • Fürst

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    Bei der Kommentierung die Trauerphase der Familie zu berücksichtigen, bedeutet nach meinem Verständnis, „Maulkorb“ für jeden, der bezüglich Hoffmann KEIN „Loblied singen“ mag. So können bestimmte Personen/Kreise dann besser, ungestörter, für bestimmte Bürgeranträge den Boden bereiten. Im „Windschatten“ der Trauerphase, die zu verletzen mir selbstverständlich fern lag und liegt.

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