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Happening früher Genesis-Fans im Kühlschiff: Massenschwelgen zu „Lamb lies down on broadway“ in voller Länge

„There is lambswool under my naked feet…“ So beginnt „Carpet Crawlers“,  einer der berühmtesten Songs aus dem bis heute berühmtesten Album der weltberühmten Band „Genesis“. Puh – so viele Superlative gleich am Anfang. Aber gerechtfertigt. Was muss, das muss.

„The lamb lies down on Broadway“ heißt jenes Album,  übersetzt in etwa „Das Lamm macht ein Nickerchen auf dem Broadway“. Und Genesis-Fans der frühen (Peter Gabriel-)Ära halten diese 97minütige hochkomplexe Komposition von 1974 bis heute als eine Art Rock-Bibel heilig.

40 Jahre später… erklang „The lamb lies down on Broadway“  in voller Länge und wie von Peter Gabriel livehaftig gesungen am Samstag im Kühlschiff der Lindenbrauerei – ein einmaliger Abend für mehrere Hundert Genesisfans der frühen Jahre, die beim zweieinhalbstündigen Konzert der italienischen Band „The Watch“ regelrecht in einer Zeitmaschine zurück in die Seventees katapultiert wurden.

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Nur eine einzige (kanadische) Band hat sich ebenfalls bisher an dieses Epos gewagt, das „The Watch“ derart faszinierend originalgetreu rüberbringen, als stünde dort wirklich die Urbesetzung von Genesis auf der Bühne. Mit Phil Collins noch am Schlagzeug und Peter Gabriel am Mikro.

Faszinierend –  „Watch“-Sänger Simone Rossetti singt original wie Gabriel. Und allerspätestens bei „Carpet Crawlers “ diesem Gänsehaut erzeugenden Schmusesong, der wirklich mit jedem einzelnen Ton und Lyrics kribbelnd unter die Haut geht – da wird es wieder so klar: Nein – der Weggang Gabriels 1975 war eben nicht „das Beste, was Genesis je passiert ist“, wie es – sorry – manche ignorante Musikjournalisten immer noch bis heute behaupten. Kommerziell vielleicht. Aber musikalisch…

Carpet Crawlers von Phil Collins gesungen (es gab 1999 eine Neuaufnahme) erzeugt eben nicht mehr diese kribbelnde Gänsehaut, ihm fehlt einfach das dunkle, mystische Gabriel-Timbre. „The Watch“-Frontmann Rossetti hat es. Deshalb gibt es spätestens nach Carpet Crawlers kein Halten mehr. Das erste Mal flippen die Fans beim Song Nr. 5 des Albums so richtig aus: „The Cage“, über acht Minuten lang und nach verhaltenem Beginn mit furiosen Steigerungen.

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Sämtliche 23 Songs des Lamb-Albums sind hochkomplexe Kompositionen und erzählen zusammen eine surreale, verträumte Geschichte. In den Siebzigern wurde man teilweise etwas seltsam beäugt, wenn man sich zu „dieser komischen Musik“ bekannte… Heute? Ist sie Kult. Genial? War sie immer.

Das Kühlschiff-Publikum: auffallend männerlastig (man könnte jetzt wieder ketzerisch behaupten, dass Männer eben mehr von Musik verstehen), Schwerpunkt 50er-Jahrgänge. Gefeiert wird jeder einzelne Song, auch – netter Zug und nicht selbstverständlich bei Cover-Konzerten – die sparsam eingestreuten Eigenkompositionen der sympathischen Band, die Simone Rossetti fast schüchtern ankündigt. Mit jedem selbst geschriebenen Stück setzt „The Watch“ allerdings ebenso der Peter Gabriel-Genesis-Ära ein musikalisches Denkmal.

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Bei solchen Konzerten macht der Lindenbrauerei niemand was vor. Das Kühlschiff ist fast voll – ein geniales Happening, das mit „It“ – Schlussstück des Albums –  noch nicht zu Ende ist: Rossetti kündigt als Zugabe „a very old one“ an, „from 1972″ – Jubel in den vordersten Reihen: Tatsächlich erklingt die „The Musical Box“. Und danach ist´s immer noch nicht zu Ende: Zu Ehren dieses letzten Konzerts der Tournee serviert „The Watch“ den Unnaer Fans noch „a very special extra“ – es ist „supper´s ready“ von 1972. Wahnsinn. Hammer.

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So mancher begeisterte Konzertbesucher wird sich am späten Abend noch, hin und weg von diesem unvergesslichen Konzert. seine frühen Genesis-Alben rausgekramt haben. Schallplatten. Mit Kratzern und in Vinyl. Reine Lehre.

Kommentare (2)

  • Tom Kampmann

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    Ganz herzlichen Dank für Ihre FUNtastische Beschreibung dieses wirklich unvergesslichen
    Konzertabends ! Ich habe die total sympatischen und engagierten Jungs aus Mailand vor sechs Jahren kennengelernt und jahrelang versucht, sie nach Unna zu holen. Über vier Jahre hatten sie Bedenken, weil sie jährlich in Duisburg und Bünde auftreten. Aber im April 2013 hat es dann endlich geklappt, und seit vorgestern haben sie sich endgültig in die Herzen der „Lindenbrauer“ gespielt. Zwischen Oktober 2015 und Januar 2016 wird THE WATCH wieder nach Unna kommen. Nochmals Danke für Ihren Artikel !
    Tom Kampmann

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    • Silvia Rinke

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      Lieber Tom Kampmann, vielen Dank für die netten Worte – und nur zu gern geschehen, denn auch mir wird dieses geniale Konzert unvergesslich bleiben. Freuen wir uns schon aufs nächste Mal! Herzliche Grüße!

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