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Grüne Feindespflege im Leistungsbürgerland

Foto: Silvia Rinke

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In Anbetracht eines Bundesministerbesuchs ist der Platz vor dem Rathaus am frühen Freitagabend nur recht spärlich gefüllt. Gut, man befindet sich in der SPD-Hochburg Unna. Vor allem aber musste man den bundesdeutschen Gesundheitsminister auf den Wahlkampf-Ankündigungsplakaten der FDP für diesen Freitag, den 13. (wohl (k)ein passendes Datum – das entscheidet der 22. September) eher mit der Lupe suchen: „… mit Daniel Bahr“ stand da bescheiden als Randnotiz unten rechts, als wollte Merkels Minister dem Spitzenmann aus NRW nicht die Schau stehlen. Christian Lindner, im adretten Anzug und Schlips wie frisch aufgebügelt, läuft ohne Warmlaufphase direkt zur Hochform auf.

Foto: Silvia Rinke

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Das Feindbild, das er genüsslich pflegt, heißt: Grün: „Wer Noten abschafft, schafft auch das Erfolgserlebnis ab!“, donnert Lindner den grünen Bildungsideen entgegen, „eine Gesellschaft, die Leistung verschweigt, setzt Ihren Wohlstand aufs Spiel!“ So griffig formuliert und geschliffen über den Rathausplatz geschmettert klingt das schlüssig, und so kann man ja auch oft nur staunend Gregor Gysi beipflichten, wenn der linke Thesen zum Besten gibt und nicht von argumentativ unterfüttertem Widerspruch gebremst wird. 

Widerspruch muss FPD-Mann Lindner an diesem Wahlkampfabend in Unna nicht befürchten, dazu ist zu wenig Wahlvolk da. Beißend hämisch zieht er über den politischen Erzfeind her. „Die Anderen – die Grünen – wollen ein anderes Land und andere Menschen, deswegen strotzt ihr Programm nur so von Schablonen. 

Die wollen wissen, was für Sie gut ist! Nach deren bizarren Ideen hätten Sie gestern in der Kantine kein Fleisch essen dürfen!“ Die gesundheitlichen, ökologischen und vor allem ethischen Aspekte der grünen „Veggie Day“-Idee spart der Spitzenliberale strategisch aus, schließlich ist er durch und durch Wahlkampfprofi.

Foto: Silvia Rinke

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„Dramaturgisch höchst passend!“, ruft er triumphierend in den wuchtigen Glockenschlag der Katharinenkirche hinein und verrät „noch eine besondere Anekdote“ aus dem Nähkästchen des Grünen-Programms: „Da steht: Wir Grünen lehnen die Entfernung von Körperbehaarung ab.“ Theatralische Pause. „Wir Grünen lehnen die Entfernung von Körperbehaarung ab.“ Nochmal Pause. „Achseln unter Naturschutz.“ Noch immer lacht keiner wirklich. Bis Lindner die Pointe setzt: „Ich muss sagen: Seitdem sehe ich Claudia Roth mit anderen Augen!“

Foto: Silvia Rinke

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Den „Segen von oben für stolze, selbstbewusste, freie Bürger“ beschwört der Liberale ins tösende Glockengeläut hinein und setzt weitereilend schnell noch mit smartem Lächeln einem Senior-Fan das Autogramm aufs Wahlplakat. Gesundheitsminister Daniel Bahr verschafft sich nachfolgend durch unaufgeregte Sachstandsanalyse Aufmerksamkeit – er zählt auf, was sich die Liberalen in vier Jahren Schwarzgelb aufs Erfolgskonto gebucht haben. Allem voran sei dies das Ende der Praxisgebühr: „Und wenn es sich nur für eins gelohnt hat, die FDP in die Regierungskoalition zu wählen – dann dafür: Dass wir diese Pkw-Maut für die Arztpraxis abgeschafft haben!“ Na dann…!

Kommentare (2)

  • regina ranft

    |

    hallo silvia, guter artikel!

    jetzt weiß ich was ich am wochenende beim frühstück lesen werde!
    denn die einzige unnaer zeitung nur noch unter der woche gezwungener maßen
    im büro….
    schön,dass es euch gibt.endlich die möglichkeit zur meinungsvielfalt zurückzukehren.
    habe euer portal spät entdeckt,sorry! doch jetzt bin ich dabei!

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    • Silvia Rinke

      |

      Liebe Regina, vielen Dank und schön, dass du uns entdeckt hast! Ja, die Fahne der Meinungsvielfalt fängt wieder zaghaft zu flattern an – wir arbeiten dran!!
      Macht uns bekannt – und immer her mit Meinungen, gerne kontrovers! LG von Silvia

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