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Grandioses Gemetzel um Krone und Macht


Three Kings, drei Könige, drei Schicksale. Henry VI. müde und der Kriege um die Krone überdrüssig; Edward IV. lüstern hinter Weiberröcken her, bis er mit Lady Elizabeth Grey der Liebe seines Lebens begegnet. Schließlich Richard III. – die wohl tragischste Figur der blutigen York-Trilogie nach Shakespeare: Der Mutter „als hässlicher, krüppliger Gnom aus dem Schoße gekrochen“ führt Richard ein widerwärtiges, machtbessenes und gewalttätiges Leben bis zu seinem ziemlich üblen Tod.

Endlich wieder so ein richtig geiler Klassiker im Narrenschiff

Endlich wieder so ein richtig geiler Klassiker im Theater Narrenschiff. Man muss dabei wissen, worauf man sich mit Shakespeare einlässt, denn schon in der ersten Viertelstunde gibt es fünf Tote, zwölf Leichen pflastern die Bühne bis zum Ende der Aufführung, die sich inklusive Pause über drei Stunden erstreckt. Keine einzige Sekunde Langeweile – eben klassisch Shakespeare. Da werden Könige erdolcht, Herzoge ertränkt, zarte Prinzen, Kinder noch, tückisch gemeuchelt, eine Lady stirbt an Gift, kurzum es rollen Köpfe, nicht zu knapp.

Blut und Mord auf der Bühne

André Decker, Hannes Schmidt und Marco Janiel sind "Three Kings". Foto: Theater Narrenschiff

André Decker, Hannes Schmidt und Marco Janiel sind „Three Kings“. Foto: Theater Narrenschiff

Blut und Mord erspart André Decker in seiner freien Inszenierung der Trilogie natürlich auch den Narrenschiffbesuchern nicht, entwickelt mit seinem wie entfesselt auftretenden Ensemble vor faszinierender Kulisse – zwei glänzend schuppige Metallwände – ein grandioses Schauspiel um den erbitterten Kämpfe um Krone und Kontrolle: Wie weit gehen Menschen, um Macht zu erobern und zu verteidigen?

Ernüchternd, dass sie über Leichen gehen. Die York-Trilogie, eins der blutigsten Gemetzel des englischen Dichters, kreist um die beiden innigst verfeindeten Häuser York und Lancaster, symbolisiert durch die weiße und die rote Rose. Wegen gemeinsamer Vorfahren haben beide Familien Anspruch auf den englischen Thron, und jede ist bis aufs Blut entschlossen, ihn zu verteidigen.

17 Mal die Idealbesetzung

Famos (ideal-)besetzt finden sich sämtliche 17 Darsteller kongenial in ihre Rollen ein: Königin Margret (Tanja Herbrügger), ganz in Schwarz, von rabenschwarzen Macht- und Rachgelüsten durchtrieben, ermordet den Herzog von York und kurz zuvor vor seinen Augen noch seinen jüngsten Sohn. Dies alles, um dem Haus Lancaster die Krone zu sichern, auf die Margrets Gatte Henry (ein wunderbarer müder König: Marco Janiel) freiwillig verzichtet hatte. Yorks Söhne Edward (André Decker), George (Richard Pothmann) und Richard (Johannes Schmidt – über sich selbst hinauswachsend) üben blutig Rache, und langsam wird es für die Besucher unübersichtlich, all diese Edwards, Edmunds und Elizabeths noch auseinanderzuhalten. Shakespeare eben.

Schreiend komische Haarwelle auf Marco Janiels Kopf

Einige Gemordete sind untot und kehren zurück: So Marco Janiel, der als König Henry sein Leben unter dem Dolch des rachsüchtigen Richard aushaucht und als Anhänger des Hauses York wiederaufersteht, mit zum Schreien komischer Haarwelle und Sandokan-Bart ausstaffiert. André Decker entwickelt seinen Edward IV. vom schleimigen Lustmolch hin zum hingebungsvollen Ehemann und Vater – er stirbt, eine Ausnahme in diesem blutrünstigen Stück, friedlich im Bett eines natürlichen Todes, am Busen seiner weinenden Elizabeth (Kathrin Bolle). Und jetzt tobt der Kampf bis aufs Mark: Richard, Edwards Bruder, giert selbst nach dem Thron und lässt dafür seinen eigenen älteren Bruder George sowie noch eine Reihe weiterer Unschuldiger eiskalt über die Klinge springen.

Bis ihn im grandiosen Finale seine Schandtaten gruselig einholen: Die Bühne versinkt in mystischem Nebel, Tote – Untote – schweben murmelnd über die Bühne, umringen den verzweifelt schreienden Richard unter immer bedrohlicherem Stimmenanschwellen mit seinen Greueltaten und schleppen den hysterisch Brüllenden und um sich Schlagenden unter martialischer Musik mit sich weg – man glaubt, es ist vorbei, als plötzlich der Körper Richards auf die Bühne geflogen kommt und brutal aufschlägt. Stille, Totenstille. Dann Applaus, tosend – für alle, doch am meisten für einen grandiosen Johannes Schmidt, restlos erschöpft und triefend schweißnass -genial einfach.

Weitere Aufführungen am 20.12., 19.30 Uhr, und am 15.12. um 18 Uhr. Infos/Kartenreservierung: www.theater-narrenschiff.de

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