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"Glückauf" auf die bisher besten Landratsjahre

Mit 100-prozentiger Rückendeckung soll er es wieder machen: Landrat für den Kreis Unna sein. Michael Makiolla wurde für die Kommunalwahl am 25. Mai mit 100-prozentiger Zustimmung erneut zum SPD-Landratskandidaten nominiert. Knapp zwei Monate vor dem Wahlabend schildert der 58-Jährige, der im Oktober 2012 lebensgefährlich erkrankte, was sich in den letzten eineinhalb Jahren bei ihm verändert hat… und wieso er sich in seiner nächsten Amtszeit – sofern er gewählt wird – auch mal mit 100-prozentigem Einsatz zufrieden geben wird statt wie früher oft 200 Prozent zu geben.

Herr Makiolla, wie fühlt man sich als „100 Prozent-Kandidat“?

Michael Makiolla: (erst überrascht, lacht dann) Sie sprechen von meiner Nominierung. Ja, so ein Ergebnis gibt einem natürlich Zuversicht für den eigenen Wahlkampf. Man ist optimistisch, dass man auch von den Wählern getragen wird. Mit Gegenstimmen muss man aber immer rechnen, man kann es ja nicht jedem Recht machen.

Irgendwie haben Sie es diesmal scheinbar trotzdem geschafft, zumindest hat kein einziger Delegierter gegen Sie gestimmt. Noch nicht einmal als stummer Protest. Das ist schon ungewöhnlich, oder?

Michael Makiolla: Ja, ich hätte es so auch nicht erwartet. Es ist ja nicht so, dass ich mit Gegenwind keine Erfahrung hätte. Als ich Kreisdirektor wurde, hat es einzelne Stimmen aus der SPD gegen mich gegeben. Man macht nie alles richtig.

Diesmal vielleicht schon?

Michael Makiolla: Ich denke, dass ich aus meinen Fehlern gelernt habe. Ich habe z. B. den Verkauf der RWE-Aktien damals falsch eingeschätzt. Im Nachhinein war es gar nicht schlecht, die Aktien sofort zu verkaufen. Meine Idee war ja, das Aktienpaket zu halten im Rahmen von Nebengeschäften den weiteren Gewinn mit den Städten und Gemeinden zu teilen. Tja…

Eigentlich ein lobenswerter Gedanke, hätte Sie die Entwicklung auf dem Energiesektor nicht augenscheinlich überholt…

Michael Makiolla: Die Verkaufsdiskussion war 2007, lange vor der Energiewende. Niemand hätte damals gedacht, dass die RWE eine solche Entwicklung nehmen würde. Im Rückblick war die gesamte erste Amtsperiode sehr schwierig für mich. Wir hatten eine Jamaica-Mehrheit, CDU, FDP, Grüne, die Abstimmungen liefen grundsätzlich gegen mich – mit teilweise absurden Ergebnissen, denn es ging gar nicht mehr um die Sache. Ich griff deshalb zwei Mal in die Trickkiste und schlug das Gegenteil von dem vor, was ich erreichen wollte. Prompt erreichte ich es. Das ist für mich aber keine Art und Weise, Politik zu machen. Es ist unwürdig.

Verliefen die letzten fünf Jahre anders?

Michael Makiolla: Die zweite Amtsperiode seit 2009 war die bisher beste für mich. Es war ein sehr, sehr gutes Arbeiten, keine absolute Mehrheit, sondern wechselnde Zustimmung, häufig auch mit Grünen, Linken, FDP… Besonders konstruktiv habe ich die unabhängigen Wähler Lünen erlebt, die GFL: Sie ließen sich überzeugen, arbeiteten konstruktiv mit. Für mich war das die größte Überraschung nach diesem Wahlergebnis.

Ungetrübter Sonnenschein war aber auch dieser schönen Amtszeit nicht beschieden, da gab es diese Diskussion um den angeblich erzwungenen Rücktritt von Kreisdirektor Rainer Stratmann…

Michael Makiolla: Darüber wurden in der Öffentlichkeit große Missverständnisse verbreitet, die ich nicht neu beleben möchte. Ich weiß vielmehr, dass Rainer Stratmann sein Privatleben genießt und ich denke, diese Private sollte die Öffentlichkeit respektieren.

Wieso hat er das denn nicht so klar auch in der Öffentlichkeit getan?

Michael Makiolla: Weil er damit seine vollen Versorgungsansprüche gefährdet hätte. Ich habe als Chef auch die Aufgabe, meine Mitarbeiter zu schützen. Gerade bei schwerer Krankheit.

Frage: Wie schützen Sie sich? Sie waren ja schwer krank.

Michael Makiolla: Mir ist am 1. Oktober 2012 eine Arterie gerissen. Normalerweise ist das tödlich. Ich denke, ich habe mich durch diese Krankheit auf eine Art und Weise verändert… Ich muss nicht mehr und immer 200 Prozent Einsatz geben, meist reichen 100 Prozent. Ich bin natürlich auch sehr froh, dass ich mit Kreisdirektor Dr. Thomas Wilk jemanden habe, der mich richtig Arbeit abnimmt.

Gestalten Sie Ihren Alltag seit diesem einschneidenden Erlebnis anders?

Michael Makiolla: Ich gehe jetzt mittags immer nach Hause, esse mit meiner Frau und lege mich kurz aufs Sofa. Ich habe viel mehr Bewegung, gehe mindestens zwei- bis dreimal pro Woche mit meiner Frau zügig spazieren. Fahrradfahrer war ich vorher schon, ich bin niemand für sportliche Höchstleistungen, sorge aber für möglichst viel Bewegung und frische Luft. Das hat sich also schon sehr geändert.

Das schönste Erlebnis Ihrer bisher schönsten Amtszeit war welches?

Michael Makiolla: Dass wir es in den letzten Jahren – zusammen mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, der WFG – geschafft haben, die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze insgesamt zu erhöhen. Das große Problem, seit ich beim Kreis Unna zu arbeiten begonnen habe, war immer die hohe Arbeitslosigkeit. Sie lag viele Jahre lang deutlich über zwölf Prozent, in den letzten Jahren hat sie sich unter zehn Prozent stabilisiert. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt immer noch zu hoch, aber ein Erfolg.

Welchen Anteil daran schreiben Sie der WFG zu, die sich in Unna ja gerade Ihre Existenzberechtigung zurück erkämpfen muss?

Michael Makiolla: Wir konnten und können durch die WFG Rahmenbedingungen schaffen, durch die Arbeitsplätze entstehen. Gewerbepark Bönen: 5.000 Arbeitnehmer, Gewerbepark Holzwickede: fast 2.000 Arbeitnehmer. Eindrucksvolle Zahlen!

Sprechen Sie gerade als Aufsichtsratsvorsitzender der WFG?

Michael Makiolla: Ich spreche als Landrat und als Aufsichtsratsvorsitzender. Daher weiß ich, dass die WFG durch viele Aktivitäten auch im Hintergrund sehr viele Unternehmensgründungen unterstützt.

Gibt es ein richtiges Highlight Ihrer Jahre 2009-2014?

Michael Makiolla: Die Verbesserung der Beschäftigtenzahlen habe ich schon genannt. Auch was wir in Opherdicke gemacht haben, erfüllt mich mit großem Glücksgefühl! Wir haben Haus Opherdicke behindertengerecht und energetisch top saniert, die Außenanlagen neu gestaltet, ein Museumscafé eingerichtet. Es ist ein Schmuckstück für Kultur und Nahtourismus geworden. Das finde ich richtig toll und da geht mir das Herz auf!

Sind Ihnen die Millionen für die Sanierung nicht buchstäblich in den Schoß geplumpst?

Michael Makiolla: Ja, völlig überraschend kam die Zuwendung durchs Konjunkturpaket II. Es war aber schon erforderlich, vorsorglich fix und fertige Pläne in der Schublade zu haben. Da gab´s kleine, große Lösungen – das passte mit dem Konjunkturpaket wie die Faust aufs Auge. Durch die energetische Sanierung ergibt sich ein unmittelbarer Spareffekt.

Ihre Baustellen für eine nächste Amtszeit?

Michael Makiolla: Abgesehen von weiterer Verringerung der Arbeitslosigkeit: Als Schwerpunkt sehe ich klar die Bildung. 400 unserer ca. 4000 Schulabgänger verlassen jedes Jahr die Schule ohne jeden Abschluss, das ist jeder Zehnte! Wir müssen diese Zahl deutlich verringern.

Wie wollen Sie das anfangen?

Michael Makiolla: Sprachförderung: Ich möchte, dass alle Kinder an unseren Schulen die deutsche Sprache beherrschen, unabhängig von (streichen: Migranten!, neu: einem eventuellen Migrationshintergrund) Zusammenarbeit mit IHK, Kreishandwerkerschaft und Schulaufsicht, um einen besseren Übergang von Schule zum Berufsleben zu erreichen. Potenzialanalysen in allen Schulen, Berufsfindungsangebote. Für vieles zahlt das Land. Wir müssen kreativ Fördertöpfe anzapfen.

Haben Sie eigentlich ein Lebensmotto?

Michael Makiolla: Glückauf! – auch wenn es mir viele als rückwärts gewandt vorwerfen. Aber meiner Meinung nach muss der Kreis Unna, bei aller Zukunftsgewandtheit, seine Vergangenheit und reiche Traditon keinesfalls verleugnen!

Das Interview führte Silvia Rinke.

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