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FW/FLU stellt Grundsatzantrag: Flüsterasphalt statt – unrealistischem – Tempo 30

Kampf dem Verkehrslärm – aber wie? Nachdem das Land den Tempo 30-Plänen für Unnas Hauptverkehrsstraßen rüde einen Riegel vorgeschoben hat (Rundblick berichtete), muss die Stadt einen Plan B aus der Schublade ziehen. Denn die EU-Vorgabe einer Verkehrslärmreduzierung muss sie erfüllen, wie auch immer sie das anstellt. Die Freien Wähler schlagen dazu Flüsterasphalt vor.

Natürlich, schränkt der Fraktionsvorsitzende Klaus Göldner in seinem Antrag an die Stadt ein, habe die FW/FLU nun nicht vor, sämtliche Hauptverkehrsadern der Stadt aufzureißen und neu zu asphaltieren; das würde Unsummen verschlingen. Der Vorschlag der Freien Wähler zielt auf künftige Straßensanierungen ab.

Diese sollen, sofern sie im Gebiet des Lärmaktionsplans liegen (siehe Übersichtskarte unten), künftig prinzipiell mit besonders geräuschminderndem „offenporigem“ Spezialasphalt belegt werden. Dazu soll der Rat einen Grundsatzbeschluss fassen. Tempo 30 hätte sich mit diesem Vorschlag erledigt, da Flüsterasphalt erst ab ca. 40 km/h überhaupt geräuschmindernd wirkt; dann aber um ca. 3 bis 3,5 Dezibel, weiß Göldner. „Am menschlichen Ohr wird diese Reduzierung als Lärmminderung um ca. die Hälfte wahrgenommen.“

Die Mehrkosten (bis zu 15 % gegenüber normalen Schwarzdecken) müssten aus dem Haushalt fließen.

Karte Lärmaktionsplan Unna

Auf obiger Karte zum Lärmaktionsplan sind Unnas Straßen in drei Kategorien eingeteilt: Lärmsanierung (rot), Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen (dunkelblau) und Tempo 30 auf Stadtstraßen (hellblau). Dass die Stadt sich direkt so stark auf die Tempo-30-Lösung einschoss, liegt einfach daran, dass dies die schnellste und preiswerteste Lösung wäre; gewesen wäre, das Land sagt ja „No“. Das kann Klaus Göldner als Polizist gut nachvollziehen: „Die Akzeptanz einer Temporeduzierung auf Straßen, die für höhere Geschwindigkeiten gebaut sind, ist bei Fahrzeugführern grundsätzlich gering“, weiß er. „Das wäre nur durch regelmäßige Überwachungsmaßnahmen durchzusetzen. Polizeiliche Verkehrsüberwachung hat sich laut gültiger Erlasslage jedoch ausschließlich an der Unfallsituation zu orientieren.“

Also statt dessen Straßen, die den Verkehr von sich aus leiser machen. Der offenporige Asphalt (putzige Abkürzung „OPA“) ist nach Göldners Recherche in unterschiedlichen Mischungen für verschiedene Einsatzorte – innerorts/außerorts – erhältlich und wurde in einer Reihe deutscher Städte bereits erfolgreich erprobt. Das Aufbringen erfordere spezielle Kenntnisse des ausführenden Straßenbauers. Auch deswegen sei eine „Flüsterasphalt“-Decke gegenüber einer normalen Schwarzdecke um ca. 10 bis 15% teurer. „Diese Mehrkosten wären für die jeweilige Maßnahme zu beziffern und durch den laufenden Haushalt zu tragen“, schreibt die FW/FLU in ihrem Antrag. „Mit relativ wenig finanziellem Mehraufwand wäre ein Optimum an Lärmschutz für die lärmgeplagten Bürger dieser Stadt erreicht. Diese Chance darf nicht vergeben werden.“

Andere Lärmschutzmaßnahmen – z. B. schalldämmende Fenster, sind erheblich kosten- und zeitintensiver.

Die Stadt hat in der Lärmreduzierungsfrage übrigens eine Einbindung der Bürger über Bürgerversammlungen angekündigt.

Straßensanierung Parkstr.

Vorschlag der Freien Wähler: künftige Straßensanierungen (im Bild die gestern begonnene Neuasphaltierung der Parkstraße) sollen grundsätzlich unter Verwendung von geräuschminderndem „Flüsterasphalt“ getätigt werden.

 

 

Kommentare (3)

  • Helmut Brune

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    Dieser offenporige Asphalt ist schon eine tolle Sache und sollte auf Dauer sicher der Standard auf Autobahnen werden. Der Vorteil ist, daß es wirklich deutlich den Geräuschpegel senkt und daß außerdem bei Regen das Wasser auf der Fahrbahn viel weniger hochspritzt und die Sicht viel besser ist. Ob es den Geräuschpegel bei niedrigen Geschwindigkeiten auch senkt und in welchem Maße weiß ich nicht. Im Winter bei Frost kann ich mir vorstellen, daß dieser Asphalt anfälliger für Beschädigungen ist, weil mehr Wasser in den Poren bleibt, das gefrieren kann und dadurch Steinchen lösen kann.

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  • Petter Uhlenbusch

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    Wunder darf man von dem Flüsterasphalt aber nicht erwarten. Vor allem nicht wenn, wie in der oberen Friedrich-Ebert-Str. in Kombination mit Fahrbahnmarkierungen für den Fahrradweg gearbeitet wird. Im Auto habe ich jedenfalls das Gefühl, das es ganz schön „rattert“ wenn man die weissen Markierungen überfährt. Hat jemand ähnliche Eindrücke gewinnen können?

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  • Otto

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    Gute Idee ! Alles, was leiser macht.

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