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Fröndenberger als möglicher Lebensretter – als einziger unter Millionen

Thomas Sliwka ist nicht der Typ, der sich verdrückt, wenn er gebraucht wird. Jetzt wurde der 36-jährige Fröndenberger gebraucht. Denn irgendwo auf der Welt gibt es einen ihm völlig unbekannten Menschen, der an Leukämie erkrankt ist und genau die gleichen Gewebemerkmale hat wie der Steuerberater. Und dieser Patient – ein Mann, eine Frau oder ein Kind – bekommt jetzt Thomas Sliwkas Stammzellen. Als einzige Chance auf der Welt, den Blutkrebs zu besiegen.

Rückblick. Vor 12 Jahren warb ein Team der Stefan-Morsch-Stiftung, älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands, in Menden um Stammzellspender. 115 Menschen ließen sich als potenzielle Lebensretter registrieren, unter ihnen Thomas Sliwka: „Eine sehr gute Sache – das mache ich“, sagte er sich damals. Und war somit in den weltweiten Knochenmark- und Stammzellspenderdateien registriert. Als einer von 20 Millionen: Und trotzdem ist es immer noch ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein passender Spender findet.

Der Fröndenberger Familienvater, Aushilfstrainer die E-Jugend bei den Fußballern des SC Fröndenberg-Hohenheide, ist ein solcher Glücksfall. Im März 2014 klingelt das Telefon: Eine Mitarbeiterin der Stefan-Morsch-Stiftung informiert ihn darüber, dass er als Spender für einen Leukämiekranken in Frage kommt und fragt ihn, ob er ihm helfen möchte. „Der Anruf kam kurz vor der Kommunion meines Sohnes. Da hatte ich eigentlich andere Gedanken. Ich war im Zwiespalt, ob ich das machen soll. Einerseits wollte ich ein Leben retten, andererseits wusste ich nicht, was alles auf mich zukommt. Die Hoffnung, helfen zu können, hat schließlich überwogen“, erzählt Sliwka ehrlich. Seine Familie hat Angst um ihn. Aber nachdem er ihnen alles erklärt, bestärken sie ihn. Auch seine Vorgesetzten unterstützen sein Vorhaben.

Also lässt er sich nach der klassischen Methode Knochenmark entnehmen. Das geschieht immer aus dem Beckenknochen, niemals aus dem Rückenmark. Eine Stunde dauert der Eingriff. Für wen er spendet, weiß Thomas Sliwka nicht. Erst nach zwei Jahren besteht (je nach Gesetzeslage des Heimatlandes des Patienten) die Möglichkeit, dass Spender und Patient einander kennenlernen.

Emil Morsch, Vorstandsvorsitzender der Stefan-Morsch-Stiftung, beschließt die Geschichte über den „Glücksfall Thomas Sliwka“ mit den Worten: „Eine Transplantation ist immer eine letzte Chance. Diese Chance bekommt ein Mensch jetzt: Nur durch Thomas Sliwka.“

Nächste Typisierungsaktion im Kreis Unna: Freitag, 21. November, 15 bis 20 Uhr, Kamen-Heeren, DRK-Haus, Goethestr. 1a.

 

Als Typisierung bezeichnet man die eigentlichen Laborarbeiten, die für eine Aufnahme in die Stammzellspenderdatei notwendig sind. Aus einer Blutprobe – es genügt ein Fingerhut voll Blut – werden die für eine Transplantation relevanten Gewebemerkmale (HLA-Werte) im Labor bestimmt.

Leukämie ist nur eine der bösartigen Erkrankungen, die eine Übertragung gesunder Blutstammzellen erfordern können. Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System – seine einzige Chance auf Leben, wenn Chemotherapie oder Bestrahlungen nicht geholfen haben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn es Menschen wie Thomas Sliwka gibt, die sich typisieren lassen – sprich: als Stammzellspender einer Spenderdatei erfasst sind. Um Stammzellen transplantieren zu können, müssen die Gewebemerkmale von Spender und Patient übereinstimmen.

Kommentare (1)

  • Anna Wybieralski

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    Ich finde das ist eine ganz tolle Entscheidung. Aber kann dich voll und ganz mit deinen Gedankengänge folgen, ich stehe grade vor dieser Spende und bin schon ganz nervös.

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