Rundblick-Unna » Fröndenberg ehrt Kultur-Ehrenamtliche: „Sie sind der Kitt der Gesellschaft“

Fröndenberg ehrt Kultur-Ehrenamtliche: „Sie sind der Kitt der Gesellschaft“

Ehrenamt ist, wenn jemand ohne Kohle zu kassieren die Ärmel hochkrempelt und einfach macht. „… wenn jemand etwas umsonst tut – ohne Bezahlung“, versuchte sich Fröndenbergs Bürgermeister an einer Definition. Umsonst: „…aber ich bitte Sie: nicht vergebens!“

Von der Bühne der Kulturschmiede herunter blickte Friedrich-Willhelm Rebbe am Freitagabend auf 57 Frauen und Männer, die allesamt ohne Geld dafür zu kassieren irgendetwas für Fröndenbergs Kultur tun. Sie singen im Chor, blasen Posaune, stoßen ins Jagdhorn, pflegen das Plattdeutsche und erhalten Kirchenorgeln. Sogar Bienenzucht und die Hege von Rassegeflügel zählt per breiterer Definition zu kultureller Betätigung, und deshalb fanden sich zur Ehrenamts-Ehrung durch die Stadt Männergesangvereine neben Gospelchören, Kaninchenzuchtvereine neben Spielmannszügen, Kantoristen neben Imkern wieder. Sie nahmen stellvertretend den Dank und die Würdigung der Stadt und des Kreises entgegen und trugen sie in ihre jeweiligen Chöre, Orchester, Theatergruppen und Vereine.

Ehrenamt Frö Rebbe

„Sie engagieren sich umsonst, ohne Bezahlung – aber nicht vergebens. Sie garantieren den Zusammenhalt der Gesellschaft.“ Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe.

Ein Ehrenamt, sagte Bürgermeister Rebbe, sei „eine Frage der Ehre – nicht des Zwangs. Aber auch der Wertschätzung, Anerkennung“, denn  nur durchs tgeltliche Engagement sei dieses vielfältige Kulturangebot der Ruhrstadt (und natürlich auch in jeder anderen Stadt) überhaupt denkbar.

Würden all diese Ehreamtlichen fürs Singen, Trommeln, Bienenzüchten plötzlich Geld verlangen – ein Großteil des kulturelle Lebens würde schlagartig verstummen. Auf die Chöre und Orchester bezogen: buchstäblich. 20 hatten ihre Vertreterinen und Vertreter entsandt, nur der Spielmannszug Hohenheide fehlte entschuldigt. Für den Ökumenischen Chor der Palz waren wegen gleich fünffacher Erkrankung im Vorstand kurzfristig Lisa Jacobs und Barbara Streich eingesprungen.

20126224vb

Ist das Kunst? Oder kann das weg? Kreis-Kulturamtsleiter Thomas Hengstenberg ermunterte zu einem breit gefassten Kultur- und Kunstbegriff.

„Sie sind der Kitt der Gesellschaft“, definierte der Kulturamtsleiter des Kreises Unna, Thomas Hengstenberg, den Ehrenamtsbegriff und stellte noch die provokante Frage nach überhaupt dem Sinn von kultureller Betätigung: „Ist das Kunst – oder kann das weg?“ Man denke an die arglose Putzfrau, die im Dortmunder Museum einen Schmierfleck aus einer Badewanne von Beuys entfernte, weil sie dachte, das könnte weg. Nein, das war Kunst und hätte leider nicht weggedurft.

So definiert sich der Kunstbegriff immer streng subjektiv, führte Hengstenberg aus – was sich durchaus auf die Spitze treiben könne: „Studenten der Frankfurter Kunsthochschule zeigten ihrem Professor verschiedene Bilder und behauptete, diese Werke seien moderne Kunst. Der Professor überschlug sich vor Begeisterung. Tja… die Bilder waren von Affen gemalt.“ Als Trost für die, bemerkte Hengstenberg augenzwinkernd, „die gelegentlich zweifelnd vor der Frage stehen: Ist das Kunst? Oder kann das weg…?“ Also ruhig kräftig mitsingen im Chor, selbst wenn´s mal ein bisschen schief klingt.

Als „Ehrenamtsmenü“ gab´s übrigens unter anderem Melonenschiffchen mit Parmaschinken, Antipastispieße, gefüllte Hähnchenfilets, Lasagne al forno und Panacotta mit Himbeersauce… 😉

 

Die Teilnehmenden der Ehrenamtsabends laut Gästeliste:

Norbert Muczka, Werner Janzen (Förderverein Kulturzentrum Fröndenberg), Barbara Drees, Silvia Schulte (Kultur Für Uns Fröndenberg), Stephan Fischer (Orgelbauverein St. Marien Fröndenberg), Karlheinz Schulz, Ellen Friebel (Plattdeutscher Kreis Fröndenberg), Ulla Neidert, Ursula Meisel (Theater ohne Rahmen TOR), Margret Reichenbach, Gabriele Specht, Ulrike Kahlisch, Elisabeth Reuter (Traumland-Theater), Gisela Scheugenpflug (Künstlerin), Anne Katrin Fröschl, Michael Preuß (Die komischen Harmonischen), Gudula Herrmann, Günter Herrmann (Ev. Kirchenchor Frömern), Jochen Meisel (Ev. Posaunenchor Frömern), Björn Herzog, Martin Wiegant (Ev. Posaunenchor Fröndenberg), Thomas Müller, Bianca Betram (Freiwilliges Trommlerkorps Bentrop 1920), Martin Rützler, Dagmar Huth (Gospelchor Ardey), Otto Hollmann (Hegering Fröndenberg „Jagdhornbläser“), Ingrid Kröner, Reiner Adler (Madrigalchor Collegium Vocale), Bernhard Harwardt, Karl-Heinz Renzel (MGV Dellwig-Langschede 1878), Erich Westermann, Alfons Baumeister (MGV Frömern 1921), Peter Fröschl, Michael Preuß (MGV Harmonie Ostbüren), Manfred Schreiber, Klaus Weydekamp (MGV Sängerbund Fröndenberg), Wolfgang Heinrich, Klaus Solbach (MGV Sangeslust Fröndenberg), Lia Kuschel, Angelika Duhme (Musikschule Fröndenberg), Lisa Jacobs, Barbara Streich (Ökumenischer Chor der Palz), Werner Renzel, Heinz Theiner (Shanty-Chor des Schützenvereins Langschede), – entschuldigt: Jennifer Wegfraß, Marcel Lurz (Spielmannszug Adler Hohenheide), Birgit Wachenfeld, Jürgen Wachenfeld (Spielmannszug Freiwillige Feuerwehr Ardey), Peter Jolk, Elena Spindeldreher (Spielmannszug Warmen 1907), Dagmar Stock, Sebastian Wimbert (Stiftkantorei Fröndenberg, Arbeit in der Gesamtgemeinde), Egon Neubauer, Georg Löcken (Imkerverein Bausenhagen), Klaus Weber (Kaninchenzuchtverein W 427 Fröndenberg-Warmen), Karl-Heinz Schröer, Erika Althoff (Rassegeflügelverein Fröndenberg und Umgebung).

 

Kommentare (1)

  • Peter Trautner

    |

    Schon eigenartig, diese Auswahl,
    jede Menge Chöre und Trommlercorps, aber der Kunstverein ist trotz renommierter Ausstellungen nicht geladen – scheint etwas unausgewogen zu sein, oder lebt mit Vitamin B.
    Aber im Dorf ist das ja normal, daß nicht unbedingt nach Qualität und Leistung beurteilt wird, sondern danach, wer „dazu“ gehört.

    Antworten

Kommentieren