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Rentner aus Unna freigesprochen: An vermeintlichem Kindesmissbrauch vor 13 Jahren bleiben Zweifel

Zweifel bleiben – und im Zweifel für den Angeklagten.  13 Jahre nach dem angeblichen Missbrauch seiner Stiefenkelin ist ein Rentner aus Unna heute vom Amtsgericht Unna freigesprochen worden. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Jörg Hüchtmann sah eine Schuld des Seniors nach Abwägung aller Aussagen nicht als beweisbar an. Es galt der Grundsatz: „In dubio pro reo“ – im Zweifel für den Angeklagten.

Der Unnaer soll sich, so die Anklageschrift, im Frühjahr 2002 an seiner damals zwölfjährigen Stiefenkelin vergangen haben. Das Mädchen lebte zur damaligen Zeit mit ihrer leiblichen Mutter und ihrem Stiefvater (dem Sohn des Angeklagten) in Menden.

An einem „nicht mehr näher zu bestimmenden Nachmittag“ habe der Stiefgroßvater das Zimmer der Zwölfjährigen betreten und sie aufgefordert, sich auf das Bett zu legen. Dann habe er dem Kind den Slip und sich selbst die Unterhose heruntergezogen und seinen entblößten Unterleib an dem das Mädchens gerieben. Als plötzlich die Mutter des Kindes in der Tür stand, habe er rasch das Zimmer verlassen.

Die Mutter schwieg mehr als zehn Jahre zu der vermeintlichen Tat. Bis ihre inzwischen erwachsene Tochter ihren Stiefgroßvater Anfang 2013 anzeigte.

Die Aussage der Mutter bei der Polizei – und auch die Angaben der Tochter – waren widersprüchlich, so dass es auf Basis eines Gutachtens nicht zur Anklage kam. Dies geschah erst jetzt noch, für den Anklagten und seinen Anwalt „sehr überraschend“.

Der Senior, der sich zu den konkreten Tatvorwürfen nicht äußerte, schilderte seine Bemühungen, zu der Stiefenkelin und ihrer Mutter ein gutes, familiäres Verhältnis aufzubauen. Dies habe nicht gelingen wollen. „Da war schon Enttäuschung“, beschrieb er seine eigene Ernüchterung und die seiner Frau. „Das Kind sagte zum Beispiel nie Opa und Oma zu uns.“

Dennoch sei man miteinander ausgekommen. Zu Beginn sei das Verhältnis sogar sehr harmonisch gewesen. „Als mein Sohn heiratete, hatte ich mich gefreut: Da war ein Enkelkind in der Familie.“ Doch dieses Kind suchte früh die Distanz. Und als das Mädchen, früh, in die Pubertät kam, sei das Verhältnis schwierig geworden, beschrieb der Unnaer die aus seiner Sicht enttäuschende familiäre Entwicklung.

Niemals sei es jedoch zu wirklich tiefgreifenden Zerwürfnissen gekommen. Bis zum Tag des Missbrauchsvorwurfs Anfang 2013, der  „wie eine Bombe eingeschlagen ist“, schilderte der Rentner vor dem Schöffengericht. „Nachdem das angezettelt worden war“, sei das Verhältnis zur Schwiegertochter und zur Stiefenkelin „zerrüttet“ gewesen. Die Beziehung zu seinem Sohn beschreibt der alte Herr weiterhin als intakt. „Wir sehen uns mehrmals in der Woche.“

Die heute 25jährige Stiefenkelin, die in dem Prozess als Nebenklägerin auftrat, sagte auf Antrag ihrer Anwältin unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Was sie sagte, befand das Gericht ebenso wenig für einen Schuldspruch ausreichend wie die Darstellungen ihrer Mutter, die in der heutigen Verhandlung als Zeugin aufgerufen wurde. Sie blieb vor allem auch eine Begründung dafür schuldig, wieso sie diesen Missbrauch – den sie, wie sie behauptete, ja beobachtet hatte – niemals angezeigt hat. „Wenn sich das wirklich so zugetragen hat, wäre es ganz bitter“, bemerkte die Anwältin ihrer Tochter dazu.

Letztlich, sagte Jörg Hüchtmann, blieben Zweifel, die aber nicht auszuräumen seien. Und im Zweifel für den Angeklagten. „Nur der Angeklagte, die junge Frau und die Mutter wissen, was wirklich geschehen ist“, schloss der Richter.

Gericht Amtsgericht UN (1)

Der wegen Missbrauchs an seiner Stiefenkelin angeklagte Rentner aus Unna verließ das Amtsgericht heute Mittag mit einem Freispruch.

Kommentare (4)

  • Jama To via Facebook

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    Warum hat die Mutter ganze Zeit geschwiegen? Solche Fälle macht man sofort, nicht nach soviele Jahre! Ob das stimmt oder ist nur ein Rache für????? Bleibt unbeantwortet!

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Ja, Jama To, das Verhalten der Mutter war – ebenso wie ihre wenig schlüssigen, teils widersprüchlichen Aussagen – einer jener Punkte, die bis zum Ende Zweifel in alle Richtungen offen ließen.

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    • Jama To via Facebook

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      Wenn ich als Mutter so was bemerkt hab, dann warte ich nicht sondern sofort handle! Für mich ist das nicht so wahrhaft! Und ich bin Mutter.

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  • Susanne Appelstiel via Facebook

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    Sehe ich auch so

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