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Freier Blick auf Lünerns goldenen Prachtaltar

Die Kirche in Unna-Lünern.

Fotos: Silvia Rinke

Durch eine betont schlichte neue Glastür blicken Besucher der Lünerner Kirche seit wenigen Wochen auf ein wahrhaftes Kleinod: den prachtvollen goldenen Altar, der vier Meter hoch gen Kirchkuppel emporragt und vor dem man stundenlang verweilen möchte, denn er ist über und über mit filigran geschnitzten Figuren bedeckt.

Männer und Frauen in traditionellen Gewändern jener Zeit, Hirte, Schafe, Apostel, Pharisäer, die Jünger Jesu und natürlich Christus selbst  – eine Szene zeigt detailgetreu seine Beschneidung als wenige Tage alter Säugling. „Diese Darstellung sieht man ganz selten“,  begeistert sich Pfarrer Volker Jeck über diesen hochgradig künstlerischen Altar, der urkundlich bezeugt seit 1480 Lünerns Kirche schmückt. Mit seinen vier Metern Höhe und drei Metern Breite beherrscht er den Raum, den fünf wunderschöne Buntfenster erhellen. „Ursprünglich war es ein Flügelaltar“, weiß Kirchbaumeister Norbert Branscheid. Die Klappflügel sind jedoch seit Ende des 19. Jahrhunderts verschwunden.

Glas statt Holz

Pfarrer Volker Jeck und Kirchbaumeister Norbert Branscheid vor der neuen Glastür. Foto: Silvia Rinke

Pfarrer Volker Jeck und Kirchbaumeister Norbert Branscheid vor der neuen Glastür. Foto: Silvia Rinke

Gleichwohl darf sich der goldene Altar endlich Besucherblicken frei darbieten. Die düstere, schwere Holztür zwischen Turmraum und Kirchenschiff ist dieser schlichten aus Glas gewichen, bei der die Kirchengemeinde bewusst auf jegliche Applikationen und Zierat verzichtete, erklärt Branscheid. „Dieser Altar ist ein solcher Blickfang, dass nichts die Sicht auf ihn hindern soll.“ In Kürze wird er auch noch professionell beleuchtet: Den Lichtschalter finden Besucher direkt neben der Glastür.

Freundlich präsentiert sich auch der Vorraum selbst, nachdem seine ehemals dunkle Holzvertäfelung einen weißen Anstrich verpasst bekam. Was so ein bisschen Farbe ausmacht: Alles wirkt jetzt offener, einladend. „Wir wollen die Kirche ja jetzt bald auch außerhalb der Gottesdienstzeiten öffnen und möglichst zu einem touristischen Anziehungspunkt machen“, begründen der Pfarrer und der Kirchbaumeister die effektive Renovierung. „Diese Kirche ist ein Schmuckstück, vor allem eben auch wegen des Altars.“

Volker Jecks persönliches Lieblingsinventar ist indes der archaisch wirkende wuchtige Taufstein links im Kirchenschiff, „12. Jahrhundert. Er diente früher wohl wirklich für Taufen.“ Ohne Aufsicht konnten solche Kunstschätze nicht frei zugänglich gemacht werden, deshalb der Kompromiss mit der Glastür. Wobei Nah-Anschauung ebenfalls möglich ist, versichern Jeck und Branscheid: „Für Gruppen können wir nach Voranmeldung auch Besichtigungen mit einem Kirchführer anbieten.“

Sonntagscafé geplant

In derzeitiger Ermangelung eines Biergartens im Dorf möchte die Gemeinde im Sommer überdies ein Sonntagscafé rund um die Kirche anbieten, damit Ausflügler bei Kaffee und Kuchen idyllisch unterm Kirchturm verweilen. Und dann, ja sicher, auch einen Blick – oder zwei – durch die gläserne Tür ins Kirchenschiff werfen.

 

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