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Frau folgt Mann – Kolar folgt auf Dördelmann

Ihren ersten Vorsatz hat sie schon gefasst: Ab Herbst will Anja Kolar „ihren Lünernen“ eine regelmäßige Bürgersprechstunde mit festen Terminen anbieten. „Ihren“ Lünernen: Ja, die engagierte Sozialdemokratin ist die neue Ortsvorsteherin für Lünern und Stockum. Sie folgt einer Institution. Ihr Vorgänger Wilhelm Dördelmann hatte das Amt 1975 übernommen. Seine spätere Nachfolgerin war gerade mal sieben Jahre alt.
Anders auch als ihr Vorgänger in den letzten Jahren steht Anja Kolar noch voll im Berufsleben. Sie führt das Sekretariat einer Schule in Ennepetal. Ständig in Lünern unterwegs zu sein, immer das Ohr dort haben, wo die Bürger der Schuh drückt oder wo sie eine Anregung loswerden möchten, das wird ihr in Dördelmann´scher Intensität deshalb momentan nicht möglich sein. Daher eben ein fester Bürgertermin, bei dem die Menschen im Dorf wissen: Meine Ortsvorsteherin ist für mich da und ganz Ohr.

Was neue Ortsvorsteherin und alten Ortsvorsteher jetzt schon eint: Wie Wilhelm Dördelmann ist es auch Anja Kolar wichtig, die Menschen nicht mit Entscheidungen zu „überfahren“, sondern mitzunehmen. Der heute 70-Jährige führte noch in jungen Jahren eine (für die damalige Zeit revolutionäre) neuartige Form der Bürgerbeteiligung ein. Wann immer eine Straße ausgebaut werden sollte, wurden die Pläne vor dem endgültigen Beschluss zuerst den Dorfbewohnern vorgestellt. Jeder konnte Fragen loswerden, Kritik äußern, auch handfeste Einwände erheben natürlich. Auch über mögliche Kosten für die Anlieger wurde sogleich offen diskutiert.
Auf Anja Kolar kommt nun vor allem die Herausforderung zu, auf die Fragen des demografischen Wandels richtige und von den Bürgern mitgetragene Antworten für Lünern und Stockum zu finden. Das Lebensmittelgeschäft im Dorf gehört als Dreh- und Angelpunkt dazu; es muss bleiben, unbedingt. Wilhelm Dördelmann steht hinter dem Dorfladen wie kein anderer. „Ich brauche den Laden ganz persönlich nicht. Aber wir brauchen ihn. Lünern braucht ihn“, sagt er prägnant. Eben dies gilt auch für Kirche, Schule, Banken, Bahnhaltestellen… eben für alles, was Lünerns Infrastruktur bereichert.
Anja Kolar wurde vor 17 Jahren zusammen mit ihrem Mann Dirk in Lünern sesshaft; das Paar baute sich dort ein Haus. Seither liebt die 46-Jährige das Dorf, sie fühlt sich rundum wohl hier und lebt aktiv in der Dorfgemeinschaft. In Politik und Vereinsleben mischt die Sozialdemokraten engagiert mit – stellt indessen (schon mit leisem Bedauern) fest: „Viele Neubürger wollen sich nicht mehr an Vereine binden.“ Die Menschen dennoch zum Mitmachen bewegen, darin sieht die Mutter eines Sohnes eine ihrer wichtigtsten Aufgaben. Tradition bewahren und den Fortschritt zugleich willkommen heißen: Dieser Aufgabe wird sich die einsatzfreudige Lokalpolitikern mit Freude, Grips und Einfühlungsvermögen widmen. Zuallererst bräuchten Lünern und Stockum schnelles Internet – und mit „Projekt Meininghaus“ neuen Wohnraum für Senioren. Die hoffentlich so begeistert davon sind, dass sie auch im Lebensherbst in „ihrem Lünern“ bleiben werden. (sia)

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